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Das E-Rezept kränkelt noch

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Vivienne Mekhzoum © Julian Spannagel

Zum 1. September soll es kommen - das Rezept per Smartphone. Vivienne Mekhzoum informierte im Seniorentreff Hardtallee Gießen ältere Menschen über Vorteile und Tücken der neuen Technik.

Gießen. Im Seniorentreff Hardtallee werden ältere Menschen mit neuesten technischen Entwicklungen vertraut gemacht, die für sie relevant sind. Nun stellte Vivienne Mekhzoum vom Kompetenzentrum für Telemedizin und E-Health - in dem auch THM und JLU kooperieren - das E-Rezept vor, das zum 1. September bundesweit genutzt werden kann. Es gab sowohl Hoffnung als auch Zweifel daran, dass die Einbindung der Technologie gelingen wird.

Fälschungssicher

Ursprünglich sollte es bereits zum Jahreswechsel möglich sein: Über eine App und einem digitalen, fälschungssicheren Rezept mitsamt QR-Codes die Schnittstelle zwischen Arzt und Apotheke effizienter gestalten. Die wohlbekannten, rosafarbenen Rezeptblätter sollten damit ausgedient haben. Das Ganze verzögerte sich jedoch und ein Testlauf mit bislang 98 000 Rezepten ist verlängert worden. Nun soll im Herbst alles Notwendige bereitstehen, Ärzte aufgeklärt, Apotheken ausgerüstet und Apps bestenfalls heruntergeladen sein. Voraussetzung seitens des Patienten, um mit der Digitalisierung Schritt zu halten, ist ein Smartphone und die App »Das E-Rezept«, die im App-Store des jeweiligen Betriebssystems herunterzuladen ist. Zudem benötigt wird eine Gesundheitskarte mit NFC-Chip, die jedoch bis dato noch nicht von allen Krankenkassen zur Verfügung gestellt wird. Damit kann sich der Patient in der App identifizieren.

Nicht zuletzt aufgrund des langen, holprigen Wegs des E-Rezepts, das ursprünglich bereits 2006 seinen Weg in den medizinischen Alltag finden sollte, herrschten im Seniorentreff und seitens der Referentin Vivienne Mekhzoum Zweifel, dass dies nun im September 2022 funktionieren wird. Ein Besucher meinte, dass eine Aufklärung wohl nicht ausreichend sein werde. Mit dem E-Rezept wird es prinzipiell möglich, dass das Rezept automatisch vom Arzt zur gewünschten Apotheke gesandt wird. Auch die Abholung von Medikamenten durch Dritte sowie der Versand durch die Apotheken werde durch das zudem fälschungssichere E-Rezept einfacher. Speicherort der Daten sind die Server der Gematik, die Nationale Agentur für Digitale Medizin. Das E-Rezept wird es jedoch auch weiterhin in Papierform geben, auch für jene Patienten, die kein Smartphone haben. Bis zu drei Verschreibungen finden darauf Platz. Diese sind wiederum mit einem QR-Code versehen, die Nutzer mit der Kamera ihres Smartphones innerhalb der App einlesen können. Dort werden dann alle Informationen angezeigt, alte Rezepte automatisch gelöscht. Neben des E-Rezepts ging es noch um weitere Themen, die unmittelbar die sogenannte Telemedizin betreffen, Fachgebiet von Vivienne Mekhzoum. Sie ist seit Gründung Teil des Kompetenzzentrums, das von der Hessischen Staatskanzlei sowie den Hessischen Ministerien für Digitale Strategie und Entwicklung gefördert wird.

So ging es etwa um die Nutzung von Videosprechstunden auf dem Land, wo diese einerseits als Lösung für den Arztmangel gepriesen wird und andererseits schlechtes Internet im Weg stehe. Auch »alte Technik« wie Anrufe wurden debattiert. Die Teilnehmer monierten die schlechte Erreichbarkeit von Arztpraxen, welche sie auf Unterbesetzung zurückführten. Mekhzoum gab außerdem noch einen allgemeinen Einblick in ihr Fachgebiet.

Als Beispiel für Telemedizin führte sie die Videozuschaltung von Ärzten bereits im Krankenwagen an. Dies sei jedoch bislang noch nicht einheitlich überall eingeführt. Zudem ging es auch um allgemeine Charakteristika von medizinisch anmutenden Apps. Die Fachfrau betonte, dass manche Apps nur auf die Fitness gesunder Menschen ausgerichtet seien, während Apps, die sich an Patienten richten, auch eine Zertifizierung und Datenschutzprüfung aufweisen. Hierauf sollte man achten.

Helfer gesucht

Zuletzt konnten die Gäste im Seniorentreff die App zum E-Rezept noch ausprobieren. Da niemand eine der NFC-fähigen Gesundheitskarten hatte, gab es jedoch wenig zu sehen. Das Auffinden von bereits E-Rezept-fähiger Apotheken und das Einscannen eines Rezept-Musters funktionierten jedoch bereits. Im Seniorentreff Hardtallee wird es darüber hinaus auch weiterhin um das Digitale gehen - nicht nur im Gesundheitsbereich.

Interessierte und ehrenamtliche Helfer werden stets gesucht. Infos gibt es beim Seniorenbüro unter 0641/306-2062 (vormittags) oder unter seniorenbuero@giessen.de. Donnerstags von 10 bis 1.30 Uhr stehen die Türen in der Hardtallee 15 offen.

Foto: Spannagel

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