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Daten, die es Gedächtnis leichter machen

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Viele erhoffen sich von solchen Daten mehr Glück. © dpa

Am 2. und 22. Februar ist das Gießener Standesamt für Hochzeiten zwar ausgebucht, der Ansturm aber bleibt aus. Auch mathematisch gesehen sind diese beiden Daten interessant.

Gießen (fod). In unserer immer komplexer werdenden Welt sehnen sich viele Menschen nach Einfachheit und Dingen, die sich leicht merken lassen. Das gilt nicht zuletzt für all die Zahlen, die wir im Alltag sofort aus dem Gedächtnis parat haben sollten, wenn es darauf ankommt - von der Geheimzahl für den Geldautomaten der Bank über die Zahlenkombination fürs Fahrradschloss bis hin zu Geburts- und Hochzeitstagen. Dieser Februar wartet mit gleich zwei Daten auf, die einem diesbezüglich sofort ins Auge fallen, dem heutigen 2.2.2022 und dem 22.2.2022. »Die menschliche Wahrnehmung springt auf einfache Muster an. Deshalb können wir uns solche Zahlenkombinationen gut merken«, erläutert Prof. Albrecht Beutelspacher, Gründer des Mathematikums, im Gespräch mit dem Anzeiger. Schreibt man 22.02.2022, zeigt sich noch ein weiterer Vorteil, denn dies sei »ein total symmetrisches Datum«. Abgesehen davon lässt sich eine Kombination, die nur aus zwei verschiedenen Ziffern besteht, ohnehin besser im Gehirn abspeichern, als wenn es einige mehr wären.

Dass es sich bei diesem Streben nach zahlenmäßiger Einfachheit laut Beutelspacher sogar um »ein Bedürfnis« der Menschen handelt, zeigt die Beliebtheit solcher Schnapszahlen als Datum für die Hochzeit. Wer sich an einem dieser beiden Tage auf dem Standesamt der Stadt Gießen trauen lassen möchte, musste schnell sein und sich am besten schon lange im Voraus dafür angemeldet haben. Denn es gibt beziehungsweise gab jeweils nur vier buchbare Termine, wie Stadtsprecherin Claudia Boje auf Nachfrage dieser Zeitung mitteilt. Und diese sind bereits »seit mehreren Monaten ausgebucht«. Der 22. Februar sei im Falle eines Brautpaares sogar bereits ein Jahr zuvor reserviert worden.

Das Standesamt würde allerdings auch an solchen vom Datum her besonderen Tagen lediglich diese vier Hochzeitstermine durchführen, ergänzt Boje. Obwohl es für den 2. und 22. »die eine oder andere weitere Nachfrage gab«, sei jedoch insgesamt gesehen keine erhöhte Anfrage festgestellt worden. Wer sich in diesem Zusammenhang insbesondere an den 9.9.1999 zurückerinnert, als in Stadt und Kreis ein wahrer Ansturm von Hochzeitswilligen verzeichnet wurde, dürfte da ein wenig überrascht sein, dass es diesmal nicht ähnlich kam.

Womöglich könnte diese Zurückhaltung auch daran liegen, dass 2016 Wissenschaftler der Universität Melbourne bezüglich Schnapsdaten als Hochzeitstage Bemerkenswertes herausfanden: Ihre Auswertung der Ehe- und Scheidungsregister in den Niederlanden über den Zeitraum von 14 Jahren ergab, dass zumindest in diesem Zeitabschnitt die Gefahr des Scheiterns der Ehe um 18 Prozent höher war, wenn der vermeintliche Bund fürs Leben an einem Datum mit einer Schnapszahl geschlossen wurde statt an einem »normalen« Tag.

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