Debatte um Hilfen für Obdachlose in Gießen

  • schließen

GIESSEN - (olz). Was wird im Winter mit den Menschen, die auf der Straße leben müssen? Auf eine Anfrage der Stadtverordneten Martina Lennartz von der "Gießener Linken" hat Oberbürgermeisterin Dietlind Grabe-Bolz geantwortet, dass "die angemessene Unterbringung von Obdachlosen weder in diesem noch in den folgenden Wintern abhängig ist von dem Engagement von Privatpersonen, sondern durch die Aufgabenträger und die Stadt klar geregelt" ist.

Die öffentliche Debatte, die daraus entstanden ist, ging "ganz und gar in die falsche Richtung" betont die Rathauschefin im Gespräch mit dieser Zeitung.

In ihrer Antwort auf Lennartz Frage hat Grabe-Bolz lediglich deutlich gemacht, dass die öffentlichen Einrichtungen in der Stadt funktionieren. Dies sei in der folgenden Diskussion, in der unter anderem ehrenamtliche Helfer die Oberbürgermeisterin kritisiert hatten, nicht verstanden worden. Grabe-Bolz: "Ich habe nicht gegen ehrenamtliches Engagement gesprochen. Im Gegenteil lasse ich kaum eine Gelegenheit aus, zu sagen, dass ehrenamtliches Engagement für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft unabdingbar und wertvoll ist."

"Direktes Gespräch"

Zu einer solch falschen Einordnung ihrer Aussagen, die unter anderem in den sozialen Medien vorgenommen wurde, wäre es in einem direkten Gespräch mit ihr nicht gekommen, unterstreicht die Verwaltungschefin. In ihrer Antwort auf die Anfrage der "Gießener Linken" hatte Grabe-Bolz darauf hingewiesen, dass es in Gießen ein seit vielen Jahren etabliertes Hilfesystem der Wohnungslosenhilfe gibt. Es bestehe aus Notübernachtungsplätzen für Männer und für Frauen, zwei Tagesaufenthaltsstätten und zwei Fachberatungszentren. Hinzu kämen verschiedene Angebote des betreuten Wohnens für wohnungslose Menschen, die aufsuchende Straßensozialarbeit und ein Housing-First-Projekt.

"Der überwiegende Teil dieser Hilfeangebote liegt in der Steuerungs- und Finanzierungsverantwortung des Landeswohlfahrtsverbands Hessen als überörtlichem Träger der Sozialhilfe", so die SPD-Politikerin. Dass sie in ihrer Darstellung der öffentlichen Hilfen auf eine grundsätzliche Unabhängigkeit von privatem Engagement hingewiesen hat, ergibt sich auch aus Lennartz Anfrage. "Was plant die Stadt, um die Situation dieser Menschen noch in diesem und in den folgenden Wintern nicht weiter abhängig von durchaus wertschätzendem Engagement der Privatpersonen zu halten?", hatte die Stadtverordnete der "Gießener Linken" formuliert.

Kritik an der OB

Kritik an der OB übte unter anderem Markus Machens in dieser Zeitung. "Dass eine Oberbürgermeisterin privates Engagement so mit Füßen tritt, ist einfach unglaublich", monierte der Initiator von "Markus und seine Freunde auf der Straße". Machens sprach von einer "Verleugnung privaten Engagements".

Das könnte Sie auch interessieren