Debatten klingen wie von einem anderen Stern

Zur Corona-Krise: Doppelt so viele Impfungen wie zu den besten Tagen verspricht Gesundheits- und Sozialminister Klose. Ein ambitioniertes Ziel, zumal die Impfzentren ja gerade erst geschlossen wurden. Und zwar im September, als sich die »vierte Welle« längst abzeichnete.

Neulich in Allendorf an der Lumda: Der Impfbus des Landkreises wird seit einer halben Stunde auf dem Festplatz erwartet. Über 140 Impfwillige stehen in einer langen Schlange im kalten Nieselregen einmal um den Platz herum. Die Wartenden erzählen von weiteren Versuchen, sich impfen zu lassen, wie sie nach stundenlangen Wartezeiten abgewiesen wurden. Diese schlechten Nachrichten verbreiten sich auch schnell über die Netzwerke, während es vom Bus keine Nachricht gibt. Ein junger Mann aus Frankfurt dachte, er könne sich hier, in der Kommune mit der niedrigsten Inzidenz im Landkreis, auf der Durchreise mal schnell impfen lassen. Er geht kopfschüttelnd zurück zu seinem Auto. Die Schlange wird jetzt langsam kleiner. Aber nicht wegen der Impfungen, sondern aus Angst vor Erkältung.

Die Impfambulanz des Landkreises bietet dieses Jahr keine freien Termine mehr an. Und die Hausärzte schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Alle Debatten über eine Impfpflicht klingen da wie von einem anderen Stern. Woher nimmt Minister Klose seine Hoffnung? Von dem Stoff hätten wir gerne auch etwas, zusammen mit der Impfung.

Ralph Wildner, Treis

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