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Dem Horrorberg die Stirn bieten

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Prof. Ulrich Scholz. Foto: Schneider © Schneider

Im Rahmen einer Vortragsreihe der Gießener Geographischen Gesellschaft referierte Prof. Ulrich Scholz zu »Auf den Schneebergen Afrikas. Kilimandscharo, Mount Kenia, Ruwenzori«.

Gießen . »Jede Nacht Winter, jeden Tag Sommer«, schrieb der Botaniker Prof. Hedberg von der Universität Uppsala anhand seiner Feldstudien über das Klima am Ruwenzori. Zusammen mit dem Mount Kenia und dem Kilimandscharo - dem höchsten und wohl bekanntesten - sind die drei die höchsten Berge Afrikas. Alle drei sind über 5000 Meter hoch, ihre Gipfel sind mit Gletschern und Schnee bedeckt. Sie alle liegen im Osten des Kontinents aufgeteilt zwischen Tansania, Kenia und Uganda. Ihre Besonderheit ist ihre stabile klimatische Lage: Um gerade einmal zehn Grad schwanken die Temperaturen über das Jahr; die Durchschnittstemperatur bleibt dabei, anders als in den Alpen etwa, über das Jahr stabil.

Im Rahmen einer Vortragsreihe der Gießener Geographischen Gesellschaft stellte Prof. Ulrich Scholz unter dem Titel »Auf den Schneebergen Afrikas. Kilimandscharo, Mount Kenia, Ruwenzori« seine persönlichen Eindrücke dieser drei Berge vor. Dabei gab er zunächst einen wissenschaftlichen Überblick über die Geographie der drei Berge, bevor er anhand von Bildern seine eigenen Erfahrungen schildert. Scholz kennt sie nämlich alle drei: Schon in jungen Jahren, Mitte der 60er Jahre, hatte er sich mit spärlicher Ausrüstung dem Kilimandscharo gestellt. »Der Kilimandscharo war der höchste Berg Deutschlands«, scherzt Scholz, »die Älteren unter Ihnen werden sich daran erinnern.«

Doppelt so hoch wie die Zugspitze

Tatsächlich war Tansania bis 1918 Teil der Kolonie Deutsch-Ostafrikas, was den Kilimandscharo zum höchsten Berg innerhalb des deutschen Herrschaftsgebiets gemacht hatte. Mit seinen 5895 Meter Höhe ist er »ziemlich genau doppelt so hoch wie die Zugspitze«, wie Scholz unterstreicht. Die dürftige Vorbereitung und mehr als mäßige Ausrüstung machten es dem damals jungen Mann schwer. Beim Schlafen in der Peters Hütte auf über 3700 Meter kamen ihm dann ernste Zweifel: »Das war so kalt, dass ich kein Auge zugemacht habe. Ich hätte beinah meinen eigenen Geburtstag vergessen.«

Seine Reservesocken als Handschuhe nutzend, seinen Schlafsack um die Brust gebunden und mit einem Pullover, den ihm sein Träger geliehen hatte, wagte er dennoch einen weiteren Aufstieg - vergebens. Ohne den Gipfel erreicht zu haben, musste er schließlich umkehren. Doch das Scheitern am Gipfel ließ Scholz nicht ruhen. 1989 versuchte er erneut den Gipfel zu erklimmen, diesmal zusammen mit seinem Bruder: Es gelang.

Neben dem Kilimandscharo widmete er sich auch dem Mount Kenia und dem Ruwenzori und führte als Professor der Uni Gießen auch Studierende an ihre Hänge. »Es wird überlegt, wer eigentlich noch in der Lage beziehungsweise willens ist, dem Horrorberg am nächsten Morgen die Stirn zu bieten«, schrieb einer seiner Studenten vor dem Aufstieg zum Gipfel des Mount Kenia. Den Ruwenzori bestieg Scholz aber nicht komplett. Gedanken an seine Familie hätten ihn dazu verleitet, dieses Wagnis dann doch nicht einzugehen und auf etwa 4900 Metern Höhe von 5109 Metern wieder umzukehren.

Zum Abschluss des Vortrags gab Scholz noch einige praktische Tipps für Interessierte, die sich vielleicht auch einmal an die schneebedeckten Gipfel wagen wollen. So sei der Kilimandscharo alpinistisch der anspruchsloseste Berg, wegen seiner Höhe aber der gefährlichste für die Gesundheit: Zwischen den Hütten lägen teilweise über 1000 Höhenmetern, was leicht zu Bergkrankheit führen könne. Der Ruwenzori sei dagegen »nichts für Warmduscher, aber machbar«. Wer sich davon nicht abschrecken ließe, werde mit einer weltweit einzigartigen Vegetation belohnt. Etwas habe aber der Kilimandscharo, was die anderen vermissen ließen: »Sie haben mit Sicherheit gutes Wetter, wenn sie auf den Kilimandscharo hochwollen«, sagt Scholz - da sein Gipfel über den Wolken liege.

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