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»Dem Standort verpflichtet«

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2020 hat Klarna seine Räume im Telegrafenamt und im angrenzenden Neubau in der Bahnhofstraße bezogen. Foto: Schäfer. © Schäfer.

Trotz weltweitem Stellenabbau will Klarna in Gießen weiterhin investieren. Das Unternehmen hat zusätzliche Flächen übernommen.

Gießen. Der Vorgang ist sicher ungewöhnlich. Auf seinem LinkedIn-Profil veröffentlicht Klarna-Mitgründer Sebastian Siemiatkowski eine Liste von Mitarbeitern, die das Unternehmen wegen weltweiter Stellenstreichungen verlassen. Gießen - bekanntermaßen seit einigen Jahren Standort des Zahlungsdienstleisters - findet sich aber nur selten auf dieser Liste. »Klarna fühlt sich dem Standort Gießen, seinen dortigen Mitarbeitern und der Zukunft des Tech Hubs aufs Stärkste verpflichtet - und wird dort auch weiterhin investieren«, antwortet Sprecher Max Kalkhof auf Nachfrage dieser Zeitung. Insgesamt rund 700 Mitarbeiter des Konzerns müssen nach Medienberichten ihren Hut nehmen.

Optionsflächen übernommen

Im September 2021 wird bekannt: Der schwedische Internetdienstleister will in Gießen über 400 Arbeitsplätze für Produktentwickler, Ingenieure und Designer schaffen. Längst ist Klarna im Alten Telegrafenamt hinter der Alten Post heimisch und hat sich dort auch Optionsflächen gesichert. Diese Option hat das Unternehmen zum 1. Januar diesen Jahres tatsächlich gezogen. »Klarna ist mittlerweile auf der gesamten Fläche«, berichtet Gebäudeeigentümer Kai Laumann im Gespräch mit dieser Zeitung. Dass der Tech Hub an der Lahn für Klarna besondere Bedeutung hat, bestätigt Kalkhof. »Der Standort spielt eine bedeutende Rolle, was die Arbeit an der Klarna-App, der Klarna-Website und Klarnas Open-Banking-Plattform angeht. Durch die Nähe zu den Hochschulen in Marburg, Friedberg und Fulda hat Gießen einen hochqualifizierten Talentpool zu bieten - und Klarna schätzt die Arbeit seiner dortigen Mitarbeiter aufs Höchste. Wir fühlen uns dem Standort Gießen, unseren dortigen Mitarbeitern und der Zukunft des Tech Hubs aufs Stärkste verpflichtet und werden dort auch weiterhin investieren, um das Produktportfolio und die Services von Klarna weiter auszubauen«, erklärt der Media Relations Manager. Bereits im September 2021 hatte das Unternehmen seinen Erfolg in Gießen damit begründet, dass man die besten Talente in den Bereichen Engineering und Produktentwicklung zusammenbringe. Diese Argumentation greift Siemiatkowski bei LinkedIn auf.

»Ich bin auf viele Dinge stolz, die Klarna erreicht hat«, schreibt der Mitgründer Am meisten aber vielleicht darauf, dass es dem Unternehmen gelungen sei, eine Gruppe einzigartiger Talente zu versammeln. »Unsere Rekrutierungsprozesse sind hart für die Kandidaten und wir geben uns nur mit der besten und geeignetsten Person zufrieden«, so Siemiatkowski.

Initiative eines Mitarbeiters

Zudem setze man darauf, die Mitarbeiter regelmäßig zu fordern, anders, größer und klüger zu denken, Aus diesem Grund sei er beeindruckt von einer Initiative, die ein Mitarbeiter gestartet habe. Es handele sich dabei um das veröffentlichte Dokument, das anzeigt, welche Mitarbeiter von den Veränderungen betroffen seien und wer verfügbar sei. Siemiatkowski bezeichnet diese Liste als »Goldmine« räumt aber selbst »gemischte Gefühle« ein. Das Dokument symbolisiere vieles, auf das er mit Blick auf die Mitarbeiter des Unternehmens stolz sei. Gleichzeitig sei sie aber auch das Symbol einer sehr harten Entscheidung.

Bereits im Sommer 2020 hat Klarna seine Räume im Gießener Alten Telegrafenamt bezogen, seinerzeit wegen der Pandemie jedoch auf eine Eröffnungsfeier zunächst verzichtet. Nach fünf Jahren in Linden seien die Räume dort zu klein geworden, so dass sich das Unternehmen bereits Anfang 2018 auf die Suche nach einer neuen Fläche gemacht habe, führte ein Unternehmensvertreter im Juni 2020 aus. Nach der Übernahme des Areals durch Laumann habe man sie im ehemaligen Telegrafenamt gefunden.

Gegründet wurde Klarna im Jahr 2005 in Schweden. Nach eigenen Angaben auf der deutschen Internetseite arbeitet der Zahlungsdienstleister und die lizensierte Bank mit über 400 000 Händlern und in 22 Ländern. Täglich gebe es zwei Millionen Transaktionen. Das Unternehmen spricht von derzeit 147 Millionen Kunden

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