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Der Mond ist aufgegangen

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Die beiden Gäste Mutsumi Ito (Flöte) und Shinnosuke Inugai (Klavier) stellten im Kloster Arnsburg romantische Lieder vor. Foto Hahn-Grimm © Ursula Hahn-Grimm

Lich. »Konzert im Vollmond«: kaum ein Motto könnte romantischer sein, und dabei war nicht am Wochenende, sondern erst am heutigen Dienstag wirklich Vollmond. Nun, auf die zwei Nächte kam es nicht an, dafür boten die zwei japanischen Gäste Mutsumi Ito und Shinnosuke Inugai im Bursenbau des Kloster Arnsburg musikalische Glanzleistungen. Der Freundeskreis Kloster Arnsburg stellte dafür die historischen Räumlichkeiten zur Verfügung.

Der in frühen Jahren in Japan, später in Frankfurt ausgebildete Meisterpianist Inugai und die ebenfalls grandiose Querflötistin Ito hatten ein wunderbar stimmiges Konzert zusammengestellt: Musik aus Romantik und früher Moderne, dazu die hierzulande weniger bekannten, aber sehr hörenswerten japanischen Komponisten Rentaro Taki sowie Teiichi Okano und als Zugabe noch ein Duett für Flöte und Klavier des Franzosen J.M. Damase. Ein unterhaltsames und zugleich anspruchsvolles Konzert, das mit dem Flötensolo »Der Mond über der Burgruine« von Rentaro Taki begann. Mutsumi Ito spielte die romantische Melodie mit viel Gefühl und technischer Raffinesse. Ihre Fingerfertigkeit bei Trillern und schnellen Läufen konnten sie auch in den folgenden Stücken beweisen.

Es folgte eines der Glanzstücke des Abends, die »Mondscheinsonate« von Ludwig van Beethoven, feinsinnig, sentimental, wütend und schließlich ausgleichend. Ein ganzes Spektrum von Gefühlen hatte der Komponist in seine Klaviersonate in cis-Moll op. 27 hineingelegt, und Inugai versuchte in seinem meisterlichen Spiel, auch die verstecktesten Nuancen anklingen zu lassen. Bei den Fortissimo-Passagen übertraf er sich selbst: schnell, dramatisch, rhythmisch akzentuiert.

In jedem einzelnen Stück, das die Musiker ausgesucht hatten, stand der Mond im Mittelpunkt. So auch in den beiden Kompositionen von Claude Debussy: »Et la Lune dessen« sowie »Clair de Lune«, beides für Klavier solo. Dazwischen das flotte Lied an den Mond aus der Oper »Rosalia« von Antonin Dvorak. Hier waren Klavier und Flöte in einem heiteren, stimmigen Wechselspiel zu hören. Ein weiteres japanisches Stück sowie vor allem die zwei kleinen Serenaden von Cecile Chamade kamen wegen ihrer Virtuosität besonders gut an. Es gab viel Applaus, auch von Seiten der mitgereisten japanischen Freunde der Musiker.

Als besondere Überraschung spielten die Musiker ein temperamentvolles »Happy Birthday« für eine 90-jährige Besucherin. In der Biographie von Inugai ist von einer besonderen Gabe zur Improvisation zu lesen. Davon konnte sich auch das Publikum überzeugen, als der Pianist spontan eine variantenreiche Version eines deutschen Volksliedes vorstellte.

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