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Der Puls von Lateinamerika in der Petruskirche

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Giaconda Belli im Gespräch mit Lutz Kliche. © Czernek

Gießen (bcz). Einen Abend voller Poesie, gepaart mit der Musik Lateinamerikas und vielen Informationen aus erster Hand über die aktuelle politische Situation in Nicaragua, das bekam das Publikum am Samstagabend in der Petruskirche serviert.

Giaconda Belli, die 1948 in Nicaragua geboren wurde, gehört zu den bedeutendsten Schriftstellerinnen Lateinamerikas. Auf Einladung des Partnerschaftsvereins Gießen - San Juan del Sur in Nicaragua und mit der Unterstützung durch den Weltladen, die Stadt Gießen und vieler, weiterer Organisationen, kam die nicaraguanische Schriftstellerin zusammen mit der Gruppe »Sal Duo« nach Gießen.

In ihrem Grußwort freute sich die Dezernentin Astrid Eibelshäuser sehr, dass es gelungen sei, mit Belli eine der wichtigsten Gegenwartsautorinnen für ein Gastspiel gewinnen zu können. Sie bedauerte sehr, dass der so hoffungsvoll gestartete Reformprozess in diesem Land zurzeit gestoppt sei und sie habe große Sorge um die weitere politische Entwicklung in diesem Land. Dahingehend berichtete Uwe Koperlik, dass man nur noch Projekte von Nicht-Regierungs-Organisationen (NGO) unterstützen würde.

Kämpferisch wie eh und je gab sich Belli. Sie stellte ihren jüngsten Gedichtband »Mich lockt die Liebe mit ihren Stacheln« vor. Dabei hatte sie sich beim Schreiben und dem Zusammenstellen ihrer leidenschaftlichen Lyrik selbst gefragt, ob Gedichte schreiben heute noch überhaupt Sinn machen würde. Diese Frage konnten die Zuhörer nur durch kräftigen und langanhaltenden Applaus beantworten. Doch wie kann man die Intensität der Gedichte ins Deutsche hineinvermitteln? Dieses Problem wurde wunderbar gelöst, in dem Belli ihre Lyrik vortrug und dies von Viola Gabor, ihrer deutschen Stimme, quasi simultan übertragen wurde. Die beiden sind ein eingespieltes Team und treten in dieser Konstellation schon seit rund 30 Jahren auf.

Begleitet wurden sie musikalisch mit lateinamerikanischer Musik von Grupo Sal Duo, die mittlerweile schon etliche Male in Gießen auftraten und immer wieder gerne hierher kommen, wie der Sänger Fernando Dias Costa erzählte. Das Duo, bestehend aus Aníbal Civilotti und Fernando Dias Costa, bereicherte den Abend mit Liedern und Rhythmen aus Brasilien, Peru, Nicaragua und Portugal. Passend zu den Gedichten lag ihr Schwerpunkt auf den starken und stolzen Frauen dieser Länder. Mit den sozialkritischen Texten ihrer Songs passten sie in das Stimmungsbild, das auch Belli vermittelte.

Mit ihrer kämpferischen, feministischen Lyrik ist Belli zum Sprachrohr vieler Frauen geworden und ebenso gnadenlos wurde und wird sie deswegen verfolgt. 1970 beteiligte sie Belli sich am Widerstand der Sandinistischen Befreiungsfront FSLN gegen die Somoza-Diktatur ihres Landes, musste fliehen, kehrte vor einigen Jahren wieder in ihr Heimatland zurück und musste es im vergangenen Jahr erneut verlassen.

Aktuell lebt sie im Exil in Madrid. »Nach all den Kämpfen hatten wir es nicht für möglich gehalten, dass Daniel Ortega und seine Familie die ganze Macht an sich reißen«, erzählte sie im Gespräch mit Moderator Lutz Kliche. Sie unterstützt die demokratischen Kräfte in ihrem Heimatland, das sich nun von einer Demokratie zu einer Diktatur gewandelt hat. Jedoch liegt der allgemeine Fokus der Öffentlichkeit im Augenblick auf der Ukraine und nicht in Lateinamerika.

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