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»Der schönste Platz ist heute mein Kühlauto«

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Die sommerliche Hitze hält viele Kunden vom Wochenmarkt fern. Foto: Jung © Jung

31 Grad im Schatten: Die große Fläche rund um die Stände des Gießener Wochenmarkts war gegen Mittag nur noch mit wenigen Menschen, die eilig über den heißen Asphalt hetzen, bevölkert.

Gießen . 12.50 Uhr und das Thermometer zeigt auf dem Gießener Wochenmarkt 31 Grad im Schatten an. Demzufolge ist die große Fläche rund um die Stände auch nur noch mit wenigen Menschen, die eilig über den heißen Asphalt hetzen, bevölkert.

Frühmorgens war das anders, schon um 6.30 Uhr kamen die ersten Kunden, um sich mit Obst, Gemüse, Fleisch und anderem einzudecken, schilderte der stellvertretende Sprecher der Wochenmarktbeschicker, Michael Zörkler die Situation am bisher heißesten Tag in Gießen.

Ab 11 Uhr sei es dann abwärts gegangen, berichten auch die anderen Standbetreiber. »Das ist schon hart«, sagte Zörkler. »Der schönste Platz ist heute mein Kühlauto«, scherzte er, auf der Ladefläche des Lasters sind es sechs Grad warm. Deshalb wollen seine Mitarbeitenden auch immer mal gerne wieder dort hoch klettern, um Ware zu holen. Den besten Job haben die beiden Metzgerei-Fachverkäuferinnen in den Marktlauben. »Wir sind heute nicht auf der Sonnenseite«, lachen sie, am schönsten ist es, wenn sie in die Kühlauslage fassen müssen, um Fleisch und Wurst für die Kunden heraus zu holen. Da ist es nämlich am kühlsten.

In den Marktlauben waren die Anbieter am besten vor der Sonne geschützt. Stefans Käsekuchen ging trotzdem kaum, »die Leute mögen lieber Eis und Wassermelonen«, wusste der junge Mann hinter dem großen Schild mit der Aufschrift »Liebe geht durch den Magen«. Als heiße Angelegenheit an diesem ungewöhnlichen Junitag zeigt sich auch der fahrbare Backofen. Unbestätigt blieb die Aussage eines Marktbesuchers, der berichtete, die eine oder andere Kühlanlage sei ausgefallen. Anna Döbele steht am Kartoffelstand ihres Vaters im Schatten, ein sanfter Wind streicht über den Platz und die Straße und macht den Verkauf einigermaßen erträglich. Der ging gut bis um 11 Uhr, dann lichteten sich die Einkaufenden. Eine Verkäuferin in einem Fleischerei-Wagen genießt ihr kühlendes Eis. Ihre Kollegin kann sich nach der Arbeit nicht ausruhen, sie muss Grillen, verrät sie und schon das treibt ihr weitere Schweißperlen auf die Stirn. Klaus Etzelmüller, der mit dem Fahrrad unterwegs war, ist auch Segelflieger. Im Gespräch über die hohen Temperaturen auf dem Wochenmarkt erwähnte er die Beeinträchtigung der lautlosen Flieger durch die Hitze. Er war tags zuvor mit dem Segler unterwegs, doch am Samstag sei der Flugbetrieb in der Wieseckaue wegen der Hitze eingestellt worden. Die Plexiglasscheibe der Maschinen biete keinen Schutz gegen die UV-Strahlung und der Pilot müsse sich stark eincremen. In den Höhen, die rund um das Gelände geflogen werden, herrscht große Hitze und das sei für die Piloten nicht ungefährlich. Auf 5000 bis 6000 Metern sehe das schon anders aus. Und deshalb flog der Vorsitzende vom Flugsportverein Gießen, Frederik Schmidt, am Samstag mit seinem Ultraleichtflugzeug nach Kempten in das Allgäu. In dieser Höhe war das Fliegen erträglich. Abends kehrte er wieder nach Gießen zurück.

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