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»Der Tanz spricht für sich«

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Dem Festival TanzArt ostwest liegt ein gesamteuropäisches Kulturkonzept mit dem Schwerpunkt Bühnentanz zugrunde. Foto: Rolf K. Wegst © Rolf K. Wegst

Beim TanzArt Festival Ostwest zeigen sieben Eliteinstitute Kostproben aus ihrem Programm

Gießen . »Next Generation«: Noch einmal eine Premiere, ein ganz neues Format im Großen Haus des Stadttheaters, bevor mit der »TanzArt Gala« das Festival TanzArt Ostwest sein Ende findet. Sieben Eliteinstitute aus dem In- und Ausland waren zu Gast bei TanzArt Ostwest, dessen Begründer und Leiter Tarek Assam die Vorstellung moderierte. Er freute sich, unter den Theaterleitern und Choreographen langjährige Weggefährten vorstellen zu können. »Wo kommen all die begabten Tänzerinnen und Tänzer her?« werde manchmal gefragt. Genau aus den Eliteinstituten, die an diesem Abend Kostproben aus ihrem Lehrprogramm vorstellen.

Zu erleben war eine Show, die verschiedenste Tanz- und Musikrichtungen dem aufmerksamen Publikum präsentierte. Gemeinsam war den einzelnen Nummern, dass es sich um aktuelle Arbeiten der einzelnen Gruppen handelte. Wer den Abend erlebt hatte, darf von sich sagen, auf dem aktuellsten Stand des europäischen Tanztheaters zu sein.

Keine Experimente

Die Zeit der großen Experimente im Tanztheater ist vorbei. Diesen Eindruck vermittelte »Il Balletto Castelfranco Veneto« mit seinem Stück »Glimpse«, unter der Choreographie von Matteo Zamparin. Eine Tänzerin und zwei Tänzer zeigen Tanzkunst auf hohem Niveau, Hebefiguren und andere technische Finessen. »Sie wollen glücklich sein zusammen«, verriet Assam im Anschluss zum Inhalt. Generell stellte er allerdings fest: »Der Tanz spricht für sich«.

Als mutig erwies sich das folgende Stück »Climax«, von »Acts, École de danse contémporaine« aus Paris, Es zeigt eine Tänzerin bei eindeutig sexuellen Bewegungen und Handgriffen, nachdem sie langsam Kleid und Schuhe ausgezogen hatte. Gleichwohl konnte die Darbietung nicht als lustvoll gesehen werden, daran hinderte schon ein hoher Pfeifton, der die Bewegungen begleitete. Zu den Gästen aus Paris hatte Assam noch eine Geschichte parat: Choreographin und Mittänzerin Rachele Pinzan verletzte sich auf der Anreise nach Gießen, kurzfristig beschlossen die beiden Tänzerinnen, aus dem Duett ein Solo zu machen.

Konservativer stellt sich das Nationalkonservatorium Tanz aus Prag vor. »Im Käfig«, so der Titel der Choreographie von Maraika Blahoutova zu Klaviermusik von Frederic Chopin, zeigte einen Mann und zwei Frauen, die eine klassische Dreiecksgeschichte auf die Bühne brachten.

Ein eindrucksvolles Tanzspektakel präsentierte die Abteilung Moderner Tanz der Zürcher Hochschule der Künste. Elf Tänzerinnen und Tänzer in hautengen schwarzen Anzügen bewegten sich synchron als Gruppe über die Bühne, wellenförmig vor und zurück. Choreographin Dunja Jocic ließ immer wieder eine Anführerin hervortreten, bis alle wieder in einer Masse verschwanden. Imposante Technik, ausdrucksstarke Bilder, so wurden die Züricher für viele im Zuschauerraum zu den Stars des Abends. Doch die Betrachtungsweise von Tanztheater ist so subjektiv wie sonst kaum einer anderen Kunstart.

Bestens kam nämlich auch das kleine Bravourstückchen »Sometime in April« beim Publikum an. Gleich drei Choreographinnen hatten das Stück entwickelt: Rosana Hribar, Dasa Resnik und Zarja Ferlinc. Das Ensemble kommt von der Dance Academy »Alma Mater Europea« in Lujubljana. Auch zu diesem Act konnte Moderator Assam eine Geschichte erzählen: Die Dance Academy setzt sich derzeit intensiv mit einer Forschungsarbeit auseinander, die untersucht, wie der menschliche Körper auf Musik und Tanz reagiert. So sieht dann die Umsetzung aus: Auf einer Bank sitzen ein Mann und eine Frau. Der Mann klopft auf zwei Löffeln einen Rhythmus vor sich hin, klopft auf dem Rücken der Frau weiter, die aber zunächst kein Interesse zeigt. Eine zweite Frau kommt hinzu, tolle Tanzkunst von zwei Frauen, toller Rhythmus dazu von einem Musiker, der die Löffel später mit einer großen Trommel austauscht. Unterhaltsam und auf hohem Niveau.

Ein anspruchsvolles Duett zeigten zwei Tänzerinnen vom Tanz-Konservatorium in Den Haag. Die Choreographie von Samanja Flos zeigt eine Darbietung zum Thema Konflikt und Annäherung.

Zum Abschluss noch einmal eine große Formation: Das Folkwang Tanzstudio aus Essen präsentierte das Stück »Wunderful life« in einer Choreographie von Rodolpho Leoni. Sieben Tänzerinnen und Tänzer in pastellfarbenen Kostümen interpretierten drei bekannte Rock- und Popsongs, unter anderem von Neil Diamond und Madonna. Ein unbeschwertes Leben, doch jeder blieb zum Schluss allein.

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