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Der Tod trägt Latzhose

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Von: Ursula Hahn-Grimm

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Um den Kreislauf des Lebens geht es beim Aufeinandertreffen der beiden Enten (Gustavo des Oliveria Leite, Floriado Komino) mit dem Tod (Trang Dong). Foto: Rolf K. Wegst © Rolf K. Wegst

Musiktheater zum Mitmachen: An Kinder ab fünf Jahren richtet sich ein neues Stück des Stadttheaters. Verhandelt wird dabei ein schwieriges Thema.

Gießen. Ein schwarzes Bällchenbad als Ententeich, Schilf und Seegras drumherum und im Hintergrund fünf Musiker mit ihren Instrumenten als Schatten. So präsentierte sich die Bühne im Kleinen Haus des Stadttheaters, als Eltern und Kinder in die Premiere von »Ente, Tod und Tulpe« strömten. Sitzplätze für die Großen und Sitzkissen in den ersten Reihen für die Kleinen waren an diesem Sonntagnachmittag schnell besetzt.

Als eine spielerische Auseinandersetzung mit einem sensiblen Thema wird die spartenübergreifende Inszenierung angekündigt. Nach dem Kinderbuchklassiker von Wolf Erlbruch erzählt das Musiktheater von Leopold Dick vom den Kreislauf des Lebens für Zuschauer ab fünf Jahren.

Nach rund 50 Minuten Spielzeit gab es viel Applaus für die beiden Enten, gespielt von den Tänzern Gustavo des Oliveria Leite und Floriado Komino, und für den kleinen, so gar nicht Furcht einflößenden Tod, Trang Dong. Applaus auch für die Musiker unter Leitung von Wolfgang Wels sowie für Amelie von Godin (Inszenierung, Choreographie) und Kristin Buddenberg (Bühne und Kostüme).

Was kann das Publikum erleben? Zwei Akteure stehen auf der Bühne. Aus einer Ente im Kinderbuch sind in der Gießener Aufführung zwei geworden: Das bietet Gelegenheit für einen Dialog und eine gelungene Choreographie. Wirklich köstlich zu beobachten: Die Enten plustern sich in ihren Neoprenanzügen auf und watscheln auf orangenen Strümpfen am Ententeich vorbei. Sie putzen ihr Gefieder und unternehmen einen kleinen Ausflug ins Wasser. Doch heute ist etwas anders als sonst. Die Enten fühlen sich beobachtet. Und dann entdecken sie die kleine, dunkel gekleidete Person hinter dem Schilf: es ist der Tod persönlich, der sich ihnen vorstellt. Die Enten bekommen einen ordentlichen Schreck, ein lauter Schrei ertönt. Dazu ist anschwellende Musik zu hören, das Licht flackert. »Willst du mich holen?«, fragt eins der Tiere. »Es ist noch zu früh«; antwortet der Tod.

In dieser Geschichte ist der Tod eine leichtfüßige Begleiterin mit dunkelblauer Latzhose, die eigentlich selbst ein bisschen traurig darüber ist, dass alle Angst vor ihr haben. Ente und Tod spazieren um den Teich, wärmen sich gegenseitig und besteigen ein Klettergerüst, das wie eine Weide aussieht. Dabei sprechen sie über das Leben und dessen Ende, das eine Ente auf vielerlei Art ereilen kann, durch Erschießen zum Beispiel oder durch die Reifen eines Autos.

Die Rede kommt auch auf Himmel und Hölle. »Manche Enten sagen, dass man zum Engel wird und auf einer Wolke sitzt und runter auf die Erde gucken kann«, meint eine Ente. »Gut möglich«, antwortet der Tod. »Flügel habt ihr ja schon.« Der Himmel wird durch zwei kleine Heiligenscheine dargestellt, die Hölle ist eine rote Halloweenshow mit grellen Cello- und Schlagzeugklängen, dazu noch die laute Posaune. Manche Kinder bekommen dabei allerdings Angst und wollen zu ihren Eltern in den hinteren Reihen.

Dann wird die Tonlage bald wieder ruhiger, die Ente freut sich: »Ich bin ja gar nicht gestorben. Oder doch?« Jetzt kommt auch die Tulpe ins Spiel, beide Enten tanzen einen wunderbaren Tango, eine von ihnen hat die Tulpe im Schnabel. Zum Schluss liegt die Ente unbeweglich auf dem Rand des Teiches, ein weißes Tuch senkt sich von oben herab und bedeckt sie.

Die auf der Bühne gut sichtbaren Musiker unter der Leitung von Wolfgang Wels untermalen die Erzählung mit sanften und schrillen Geräuschen, mit sphärischen Klängen, aber auch bekannten Motiven wie »Fuchs, du hast die Gans gestohlen« oder Auszügen aus Tschaikowskys »Schwanensee«. Folgende Musiker sind zu hören: Christoph Czech, Yu-Ling Chiu (Schlagwerk), Anselm Schmieg, Philippe Stier (Posaune), Torsten Oehler, Attila Hündöl (Violoncello), Asia Safikhanova, Kirsten Mehring (Flöte), Wolfgang Wels (Cembalo und Harmonium), tragen damit ihren Teil zu dieser gelungenen Umsetzung der Inszenierung vor.

Publikum darf auf die Bühne

Ein Stück zum Mitmachen für die ganze Familie sollte es nach Auffassung der Regie werden. Ein Stück eher für die Erwachsenen und die größeren Kinder ist es geworden. Die Kleineren kicherten lieber und konnten der Handlung offensichtlich nicht ganz folgen. Für Fünfjährige ist das Stück zu schwierig. Die im Bühnenteich glänzenden Kugeln fanden da schon eher das Interesse der Jüngeren. Denn am Ende der Vorstellung war eine Bühnenbegehung möglich. Da durften die Kleinen selbst ins Bällchenbad und waren wieder ganz in ihrem Element.

Nächste Vorstellungen: 15., 16. und 23.November um 10.30 Uhr, 19. Dezember um 11.30 Uhr im Kleinen Haus.

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