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Detailreicher Erlebnisrundgang

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Manuel Pappusch lädt zum Rundgang in die »Kryptosphere«. © Schultz

Lich. Es sprudelt wieder im Licher »Dazwischen«, dem Ort für ungewöhnliche künstlerische Ereignisse. Die aktuelle »Ausstellungs-Installations-Performance« stammt von Manuel Pappusch. Der Licher richtete eine Art Erlebnisrundgang ein und bietet damit auf ungewöhnliche Art allerlei Denkanstöße. Das Motto lautet »Welcome to the Kryptosphere«. Der Künstler selbst empfängt Besucher und erläutert wortreich Situation und Absicht der Installation.

Pappusch, Jahrgang 1988, stammt aus Lich und studierte in Gießen Geografie. Und zwar mit Leidenschaft, wie sich im Gespräch herausstellt. Die Geschichte der Erde, verfolgbar an konkreten Bodenformationen hier in der Region, fasziniert ihn nach wie vor. Historische Bezüge und Zusammenhänge prägen auch die Atmosphäre der Installation. Pappusch hat mit weißen Stoffbahnen drei Räume erschlossen: einen zentralen mit zwei großen Abbildungen, eine Art Wohnbüro sowie das große Schaufenster des ehemaligen Blumengeschäfts. Alles ist gespickt mit Ausstattungsdetails, die für Staunen sorgen.

Was ist zu sehen? Am Eingang stehen eine Personenwaage und ein Regal mit Hygienebeuteln. Es liegt ein Handzettel bereit, der Themen setzt: »Wie definiert man Systeme?« oder »Wie setzt man Grenzen?«. Auch Englisches ist zu lesen: »From grain to pain - a stratigraphic feeling öffnet die Spanne von dem was war, zu dem, was kommt.« Aha. Zu lesen ist auch von Mineralen und Körnungen, »die das Gedicht der Landoberfläche formen.« Sodann geht’s um den Übergang zum Kryptozoikum, »ein neues Ärathem (Ära, Red.)«. Und mit einem verheißungsvollen »Dazwischen passiert das L1FE!«, werden die Besucher auf den Rundgang geschickt.

Zu sehen ist nun eine Mischung aus naturwissenschaftlichen Abbildungen, touristischen Fotos und künstlerischen Bildern Pappuschs. Die sind durchaus attraktiv, bieten jedoch keinen Zugang zum zuvor Erlebten. Im Hauptraum sieht man zwei große Bildtafeln mit Satellitenbildern, etwa von Nordafrika, in die zahlreiche Fotos mit regionalen Sehenswürdigkeiten eingearbeitet sind. Auf dem Boden stehen Malutensilien, die kleinen wie großen Besuchern zur Verfügung stehen.

Der zweite Raum ist eine gemütlich eingerichtete Ecke mit Schreibtisch. An der Wand (wie vor dem Eingang) findet sich ein Logo mit »DIE.TV«, dem Namen von Pappuschs informeller TV-Serie, die im Rahmen dieser Schau entsteht und eventuell noch im Netz gezeigt werden könnte. Ein Schlagzeug steht auch darin, ebenso wie eine bequeme Couch. »Ich bin Moderator von »DIE.TV,« sagt Pappusch, der dem Publikum zudem seit vielen Jahren als Mitarbeiter des angrenzenden Kinos bekannt ist.

So geht es in den Schaufensterraum, der im Wesentlichen für die Betrachtung von außen gestaltet ist. Es gibt, durch freundliche Überlassung durch das Oberhessische Museum, große Tafeln mit den Erdzeitaltern. Auf zwei Fernsehern laufen wissenschaftliche Clips, in einem Sessel sitzt eine Figur ohne Unterleib. Im Hintergrund stehen Tafeln mit Naturansichten. Von dem mit Plastikfolie ausgelegten Raum erhält man einen interessanten Blick nach draußen. Zudem gibt es hier eine Art Gesamtschau. Zwei kulturhistorische Texttafeln (»Totenkult« und »Die Michelsberger Kultur«) stehen in sehr weitem oder gar keinem Zusammenhang mit der Schau, das muss jeder selbst entscheiden.

»Die Ausstellung und die Installation sind so ein bisschen eher als Performance entstanden, weil ich nicht mit der Idee hier angefangen habe, ich mache eine Ausstellung,« sagt Pappusch leicht kryptisch. Das entspricht dem leicht rätselhaften (»Kryptosphere«), fluiden Charakter des Ganzen, dessen hauptsächliche Bestimmtheit darin besteht, dass es keine besitzt. Das ist durchaus anregend, wer allerdings klare Verhältnisse mag, wird sich hier nicht so angesprochen fühlen.

Weitere Öffnungszeiten der Schau im Dazwischen sind am heutigen Freitag sowie 27. und 29. April jeweils von 18 bis 22 Uhr sowie am Samstag, 30. April, von 16 bis 22 Uhr.

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