Die Gedanken der Gießener

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GIESSEN - (bj). Die Resonanz auf die heute zu Ende gehende erste Runde ist beachtlich. Und das, obwohl der Bib-Satellit nicht wie ursprünglich geplant, die Verbindung zwischen der Stadtbibliothek im Rathaus und Gießens Nordstadt herstellen konnte. Eine Woche lang stand das Gefährt nach dem Beginn des Projekts "Ich.Morgen" im April vor der Werkstattkirche, um auf die Aktion aufmerksam zu machen.

"Als Hingucker hat das funktioniert", sagt Kulturamtsleiter Dr. Stefan Neubacher. Öffnen konnte dieser Satellit seine Türen angesichts der aktuellen Corona-Verordnungen allerdings nicht. Dennoch haben fast 60 Bürger aller Altersgruppen das Angebot angenommen, sich über den digitalen Kanal des Projekts Gedanken über die Zukunft zu machen.

Die Beiträge zum Thema "Ich.Mensch" lassen sich im Internet nachlesen: Es geht um Familienglück und Pommes Frites, um menschliche Nähe und eine Playstation, um eine Fahrt in den Zoo und den Weltuntergang. "Die Resonanz ist toll", freut sich Neubacher. Dem dreiköpfigen Vermittlungsteam sei es vor Ort gelungen, "mit den Menschen in den Dialog zu treten". Das Ergebnis waren neben zahlreichen Text- und Bildbeiträgen auch "viele tolle Gespräche mit Gießenern in den Stadtquartieren", resümiert Neubacher. Zum Abschluss der Auftaktrunde gibt es am heutigen Samstag ein digitales Programm, das von 16 bis 20 Uhr über das Videokonferenz-Programm "Zoom" angeboten wird. Damit soll laut Neubacher nicht nur ein Einblick in die Arbeit des Vermittlungsteams gegeben werden, sondern auch den eingereichten Beiträgen Beachtung geschenkt werden, da sie "ein Spiegel dessen sind, was die Stadtgesellschaft bewegt".

Zu den digitalen Events zählt eine Lesung von der aus Wißmar stammenden Erika Weimer, die in ihrem Buch "Zu neuen Ufern. Mein Zuhause in der Ferne" 19 Menschen porträtiert hat: Es sind Geschichten von Menschen aus den verschiedensten Ländern, für die Gießen zur Heimat geworden ist. Drei von ihnen (Kasachstan, Indien, Iran) werden zu Gast sein. Hinzu kommt ein musikalischer Beitrag von Singer/ Songwriter Christian Lugerth, der mit Zeichnungen von Annabel Herget illustriert wird. Zum Thema (Zukunfts
-)Ängste werden Prof. Jörn Ahrens(Kultursoziologe am Institut für Soziologie der JLU) und Alexandar Talovic (Doktorand des GCSC an der JLU) im Rahmen von Kurzvorträgen referieren. Dabei wird jeweils auch der Bezug zur aktuellen Ausstellung "Double Bind" von Louisa Clement in der Kunsthalle Gießen hergestellt.

Aufklärung und Information bieten schließlich drei Gießener Institutionen, die ihre Arbeit vorstellen werden: Amnesty International Gießen, an.ge.kommen e.V. sowie das Büro für Frauen und Gleichberechtigung der Stadt Gießen. Dabei wird es auch um die Frage gehen, wie jeder einzelne Mensch aktiv werden kann, damit die Zukunft für uns alle lebenswert bleibt. Das genaue Zeit- und Rahmenprogramm wird auf der Homepage von "Ich.Morgen" bereitgestellt. Dort gibt es auch den Zugangslink zur Zoom-Veranstaltung (Teilnahme ohne vorherige Installation des Programms möglich); eine Anmeldung ist nicht erforderlich; die Teilnahme ist kostenfrei.

Gespannt zeigt sich der Kulturamtsleiter auf die zweite Runde des Projekts, das am 4. Juni beginnen wird, unter dem Titel "Ich.Arbeit" steht und bis zum 17. Juli läuft. Hinterfragt werden soll in diesem Zeitraum etwa, wie Arbeit in der Zukunft aussehen kann. Wie viel Zeit wollen wir für unsere Arbeit aufbringen? Was bedeutet uns Arbeit im Allgemeinen und welchen Wert soll die Gesellschaft unserer Arbeit beimessen?

Neubacher ist nun guter Dinge, dass das Satelliten-Mobil bald so nutzbar sein wird, wie es ursprünglich konzipiert worden ist. Zumal mittlerweile die Genehmigung des Gesundheitsamtes vorliege, das Gefährt als Ausleihstation der Stadtbibliothek zu nutzen. Dazu bedürfe es nur eines gültigen Bibliotheksausweises. Nächste geplante Landestation des Satelliten ist am 5. Juni das Nordstadtzentrum.

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