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Die Gedanken tanzen lassen

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Von: Kim Carolin Salg

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»Verschiedene Gesichtspunkte sind auch nur Sommersprossen« - hat Poetry Slammer Andi Substanz entdeckt. Foto: Salg © Salg

Beim jüngsten Poetry Slam im Ulenspiegel gab es zwei Debütanten, zwei Sieger - und viele gewitzte Beiträge.

Gießen (kalg). »Das ist halt Gießen.« Laut Stefan Dörsing und Benedict Hegemann kann dieser Satz irgendwie immer gelten. Auch am Donnerstagabend beim »Poetry Slam Gießen #8« im Ulenspiegel fiel er einige Male. Aber natürlich immer mit einem liebevollen Unterton der beiden Moderatoren, die mit viel Witz und nicht, ohne sich auch mal gegenseitig auf die Schippe zu nehmen, durch den Abend führten. Insgesamt sechs Wortkünstler traten bei diesem Dichter-Wettstreit gegeneinander an. Dabei ging es nicht nur darum, wer der fünfköpfigen Jury und dem ausverkauften Ulenspiegel den besten selbstgeschriebenen Text vorträgt. Es ging auch um den Monatssieg und die Chance, vielleicht als Jahressieger bei den hessischen Poetry Slam Meisterschaften anzutreten.

Für zwei Wortkünstler war es an diesem Abend noch aufregender: Sie gaben ihr Slam-Debüt. Der eine, Maxi aus Friedberg, musste sogar als allererstes auf die Bühne. Doch trotz Nervosität trug sie vor, was »Lachen« wirklich bedeutet. Der zweite Neu-Poet an diesem Abend war Raffaele Perretta. »Ich reime in meinen Texten. Wenn euch das an eure Schulzeit erinnert, tut es mir leid«, eröffnete der 23-Jährige seine Performance. Mit ruhiger tiefer Stimme trug er seine Zeilen vor. Und wenn die Besucher ihre Augen schlossen, erinnerten seine Worte tatsächlich an die Zeit der Klassiker Goethe und Schiller.

Perretta erzählte von zwei verliebten Künstlerseelen, die aber nicht zusammensein können. Moderator Dörsing stellte ihn als »Slam-Hooligan« vor. »Er jubelt im Publikum immer am lautesten und zieht jede Stimmung wieder hoch.« So war es auch an diesem Abend. Nach seinem Vortrag jubelte Perretta den anderen Poeten am lautstärksten zu.

In der Vorrunde begeisterte auch Slammerin Lea May mit einem Text über das Grübeln. Sie ließ »die Gedanken tanzen wie eine Ballerina in einer Spieluhr«. Nach der Pause überzeugte Andi Substanz aus Münster mit seinem Text »Verschiedene Gesichtspunkte sind auch nur Sommersprossen«. Dabei wurde der Betreiber des »Lyrikkellers« im westfälischen Münster und Autor des gleichnamigen Buches ab der Mitte seines Stücks so schnell, dass es fast an einen Rap erinnerte.

Sebastian Hauf stellte sich be seinem Vorrundenauftritt einen Bahnhof vor und beschrieb die Suche nach etwas besonderem, wobei er mit seinen Zuhörern jedes einzelne Gleis ablief. Um zu dem Schluss zu kommen: »Meine Haltestelle ist und bleibt ein liebvoller Ort, ein vertrauter Platz, das Gefühl daheim. Manchmal braucht es nicht mehr, um angekommen zu sein«.

Wortkünstler Andivalent brachte seine Zuhörer mit Gedanken zum Lachen, die zwar einleuchtend sind, aber kaum im Alltag auftauchen. Bei ihm drehte sich alles um Informationen, ob sie wirklich so wichtig sind und ob sie nicht auch gleich wieder in Vergessenheit geraten könnten.

Ein Trio im Finale

Ins Finale schafften es Andi Substanz, Sebastian Hauf und Andivalent. Nach weiteren Texten, die das Publikum erneut über die eigenen Gedanken, die Zeit und die wirklich essentiellen Dinge nachdenken und zum Teil auch lachen ließen, kam es zur Ermittlung des Siegers. Am Ende ging der dritte Platz nach knappem Rennen an Andi Substanz. Sebastian Hauf und Andivalent teilten sich den Sieg. Das Moderatorenduo Dörsing und Hegemann erklärte zum Schluss, dass sie die Veranstaltungsreihe ab Januar ins Jokus verlegen würden. Grund seien die größeren Kapazitäten. Der nächste Slam findet am 15. Dezember noch einmal im Ulenspiegel statt.

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