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»Die Gießener Fassenacht ist zurück«

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Von: Thomas Wißner

Die neue Kampagne startet mit der vorgezogenen und zugleich verspäteten Inthronisation des Prinzenpaares. Dabei gibt es auch einen politischen Schlagabtausch.

Gießen. Mit 307 Tagen Verspätung ist das Gießener Prinzenpaar Maurice I. und Ihre Lieblichkeit Yulia I. in Amt und Würden. Nachdem die Corona-Pandemie noch zu Beginn des Jahres dafür gesorgt hatte, dass auf die geplanten Veranstaltungen der »fünften Jahreszeit« erneut verzichtet werden musste, startete die Gießener Fassenachts-Vereinigung (GFV) nun gleich mit der Inthronisation in der Kongress-Narrhalla in die neue Kampagne 2022/23. Das Motto lautet: »Casino Royal, was für ein Glück - die Gießener Fassenacht ist zurück«. Die Kampagne ist aber auch deshalb eine besondere, weil der Narrenverein sein 66-jähriges Bestehen feiern kann. Am 7. Januar soll die große Jubiläumssitzung mit einigen prominenten Gästen steigen.

»Nach 1092 Tagen Regentschaft über Gießen wollen wir nicht so viele Tränen vergießen - nach drei Jahren Prinzenpaar für Gießen«, verabschiedeten sich Prinz Sebastian I. und Prinzessin Carina I., um danach das Zepter der Macht weiterzureichen. »Endlich ist es soweit«, freute sich Prinz Maurice I.. Inspizient Frank (Beck) hatte zuvor bereits den neuen Hofstaat vorgestellt. An dessen Spitze stehen ab sofort Prinz Maurice I., »Blaublütiger Großmeister der hessischen Küche, edler Regent der höfischen Schanken zu Hawwer und Specht, preisgekrönter Herrscher in der Manufaktur von exzellentem Fleisch und Woscht« sowie Prinzessin Yulia I., »Bezaubernde Regentin aus dem Reiche des Zaren, kreative Schöpferin mit Stift und Pinsel, strahlende Lieblichkeit zu Wasser und Eis«. Unterstützt werden sie von Adjutant Thorsten (Ruppel), »Glorreicher Verteidiger von Ball und Justizia, wandernder Stadtmusikant im Gießener Land« und Hofdame Carla (Koschare), »Charmante Baroness der Feinbäckerei aus dem Schwalbacher Land, wortgewandte Künstlerin von Blitz bis Zuckerguss«. Bereits seit 2017 dient Inspizient Frank, »Ehrenvoller Herrscher über Blitz und Blende aus der schützenden Truppe, Rudernder Ehrenmann der GFV auf Fluss und See« am närrischen Hof.

»›Masleniza‹ hieß bei meiner Prinzessin die Fassenacht, in Hessen habe ich ihr unser Brauchtum beigebracht. Als Höhepunkt stehen wir nun hier als Euer Prinzenpaar. Das war lange Zeit nicht klar«, eröffnete Maurice I. seine Proklamationsrede. Und versicherte sodann: »Da ich ein Metzgermeister bin, bekomme ich auch hessische Delikatessen hin: Schnitzel, Bellschuh, Woscht«. Auch auf die Stadtpolitik ging der neue Herrscher ein: »Denn kostet der Sprit auch zwei Mark zehn, egal, die Fahrradwege müssen jetzt entsteh’n. Die Parkplätze am Brandplatz wollen sie uns streichen, unsere Gäste müssen dann auf ein Parkhaus ausweichen. Das Rathaus steht noch nicht lange hier, aber das Dach scheint wie aus Papier. Zwei Fliegen mit einer Klappe könnte man schlagen, die Autos parken hier zukünftig in Etagen«.

Politischer Schlagabtausch

Als städtische Vertreter der närrischen Untertanen machten Stadtverordnetenvorsteher Joachim Grußdorf und Bürgermeister Alexander Wright dem Regentenpaar ihre Aufwartung. Grußdorf übermittelte die »Glückwünsche vom Stadtparlament klipp und klar« und überreichte »eine kleine Spende von 50 Euro für das Prinzenpaar aus dem Säckel des Vorstehers für dieses Jahr«. Wright wiederum konterte die Proklamationsworte und verwies darauf, dass es ihm wie dem Prinzenpaar gehe, »nur dauert meine Kampagne sechs Jahr’«. Überhaupt werde Gießens Innenstadt mal »zur Oase - dank mancher Fahrradstraße«. Zudem hoffe er auf ein »Lastenrad vor jedem Haus, dann sieht es hier wie in Holland aus«. Zugleich kündigte der Grünen-Politiker an: »Unseren Schlüssel kriegt ihr nicht.«

Doch damit war der politische Schlagabtausch an diesem Abend keinesfalls beendet. »Der Lahnschwimmer 1907« alias Peter Meilinger, der in einem Original-Badeanzug von 1907 in die Bütt trat, teilte ebenfalls kräftig aus: »Unser Wright macht Gießen autofrei, wir bekommen Shanghai an der Lahn, wo man mit Rikscha und Lastenfahrrad fahren kann.« Viel lieber aber würde er es sehen, wenn Gießen einen Hafen bekäme, »damit man mit dem Schiff in die Stadt reinfahren kann«. Das Neustädter Tor wäre für derlei Pläne die richtige Stelle.

333 Besucherinnen und Besucher verfolgten den ungewohnten Auftakt der Kampagne. Für GFV-Präsidentin Anja Helmchen und ihren Vize Sören Schneider bedeutete die Inthronisation auch eine Premiere. Gemeinsam mit Sitzungspräsident Günter Helmchen führten sie durchs Programm, welches vom Blasorchester des Musikvereins Reiskirchen eröffnet wurde. Sogleich kam beste Stimmung auf. Dazu trugen in auch Tanzmariechen Saskia, Midi- und Junioren-Garde, die Gruppe »InTakt« und die Ari bei.

Kommandantin Katharina Flechtner nahm Klaus-Dieter Adams, Lara Schmidt, Giulia Lotz, Alice Schmidt und Emely Häuser den Eid ab, während acht junge Damen mit Thomas Ruppel über die Bühne wirbelten. An Ausgelassenheit ließ es auch der Auftritt der »Voiceseccos« mit einem Liederreigen nicht fehlen. Den gelungenen Schlusspunkt setzten die »Kinziggeister« mit ihrem Mummenschanz und bekannten Melodien. Kapellmeister Stefan Müller geleitete durch den Abend und spielte später im Foyer zur Aftershowparty auf.

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