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»Die Leute rennen mir die Bude ein«

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Ein volles Haus ist garantiert: Christoph Jilos Programmreihe bietet eine Mischung aus Literatur und Musik. Foto: Jilo © Jilo

Gießen. Wer zu spät kommt, den bestraft bekanntlich das Leben. Das gilt auch für diejenigen, die sich noch mit dem Gedanken tragen, die nächste Folge der Reihe »Stories.Wein. Musik.« zu besuchen. »Ausverkauft«, meldet der Gießener Veranstalter Christoph Jilo zum Programm, das am 29. November im Bar-Restaurant Who Killed The Pig zu erleben ist. Nur eben nicht für jeden.

Jilo selbst ist angesichts der Nachfrage erstaunt: »Die Leute rennen mir die Bude ein.«

Es ist ein Phänomen und alles andere als selbstverständlich angesichts des Publikumsschwunds, der im Kulturleben überall in der Stadt und im gesamten Land zu beobachten ist. Gerade die Konzertbranche ist davon betroffen und muss derzeit sogar zahlreiche Absagen verkraften, weil schlicht zu wenige Tickets im Vorverkauf an Mann und Frau gebracht werden können. Was die Planungssicherheit der Veranstalter empfindlich einschränkt. Auch Jilo weiß um dieses Dilemma. Schließlich ist er selbst Schlagzeuger und Kopf der Formationen Übermut (Elektro-Pop) und Chinchilla Star (Soul, Funk & NuJazz), mit denen er nach dem tiefen Pandemie-Loch nun wieder vermehrt nach Auftrittsgelegenheiten in ganz Deutschland sucht. Während gleichzeitig ein Überangebot an Konzerten bei gleichzeitigem Nachlassen des Interesses für ein Dilemma sorgt, das allen Beteiligten zu schaffen macht.

»Stories.Wein.Musik.« aber, 2018 ins Leben gerufen und nach längerer Corona-Pause mittlerweile bei Folge elf angelangt, scheint den Geschmack des Publikums wie eh und je zu treffen. Geboten wird jeweils ein Wechselspiel aus Text und Musik, für die der bestens vernetzte Jilo stets professionelle Künstler in die Stadt holt. Zur Mischung gehören von ihm ausgewählte, pointierte Kurzgeschichten, die durch den professionellen Vortrag im besten Falle sogar noch Nuancen offenbaren, die beim Selberlesen vielleicht verborgen geblieben wären.

Hinzu kommt Musik, die mal zum Thema passt, aber auch nicht zwingend darauf eingehen muss. Zuletzt hatte Jilo einen Abend zu Jazztrompeter Miles Davis im Programm, bei dem Sprache und Klänge eine gelungene Verbindung eingingen. Das will der Veranstalter aber nur von Fall zu Fall so handhaben, um »mich inhaltlich nicht zu sehr einengen zu müssen«.

Für die kommende Ausgabe eingeladen ist die Schauspielerin Sarah Grunert, Ensemblemitglied am Schauspiel Frankfurt, die auch als Sprecherin für Arte oder den Hessischen Rundfunk tätig ist, und heiter-melancholische Texte vortragen wird. Die Musik des Abends steuert die Pianistin Claudia Zinserling bei, eine gefragte Instrumentalistin in zahlreichen Konstellationen.

Ebenso wichtig wie die Qualität der Künstler ist Jilo die Atmosphäre der Abende. Denn bei »Stories.Wein.Musik« soll, wie der Titel schon andeutet, neben der Kunst auch stets genügend Raum für Treffen und Gespräche bleiben. Vielleicht sei es genau das, was das Publikum an der Reihe schätzt, spekuliert der Veranstalter.

Größer will er den Rahmen daher nicht ziehen. Und auch die Taktung der vom Kulturamt Gießen geförderten Reihe soll nicht erhöht werden. Vier Veranstaltungen pro Jahr sind es aktuell. Allenfalls eine Art Ableger des Formats in einer anderen Stadt kann sich der 54-Jährige vorstellen. Doch leicht zu etablieren sei solch eine Reihe nicht.

Zudem ist Christoph Jilo, der wegen seines Studiums der Angewandten Theaterwissenschaft in die Stadt kam, selbst ein vielbeschäftigter Künstler, der in zahlreichen Genres zuhause ist. Dazu zählt vor allem die Arbeit für die Fuldaer Produktionsfirma Spotlight Musicals, für die er als Co-Autor, Dramaturg und Regisseur arbeitet. Derzeit sitzt das Team an einer Neubearbeitung von »Die Päpstin«, die 2024 auf die Bühne des Schlosstheaters kommen und wieder Tausende Besucher in die Domstadt locken soll.

»Ich bleibe neugierig«, lautet das Motto des stets Gelassenheit und Optimismus ausstrahlenden Künstlers. Sein Publikum hält es genauso. Wer die Reihe selbst einmal erleben will: Die nächste Folge von «Stories.Wein.Musik« gibt es am 14. Februar. Frühzeitiges Kartensichern wird empfohlen. Weitere Infos gibt es im Internet: https://storieswein musik.de.

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