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»Die Mullahs müssen weg«

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Von: Rüdiger Schäfer

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Mit dem Banner »In Solidarität mit der Menschenrechtsbewegung im Iran« wurde der Marsch vom Oswaldsgarten zum Rathausplatz angeführt. Foto: Schäfer © Schäfer

Eine privat organisierte Demo unterstützt die Menschenrechtsbewegung im Iran. Vor dem Rathaus in Gießen bildete sich eine Menschenkette mit etwa 350 Teilnehmern.

Gießen. »Weg, weg, weg! - Die Mullahs müssen weg!« Dies schallte etwas verfremdet klingend am Samstagnachmittag bei einem Demonstrationszug durch Neustadt, Marktstraße, über den Marktplatz, Schulstraße und Neue Bäue bis zum Berliner Platz. Ronja Marte und ihre Freundin Jana Kreide hatten in Kooperation mit ein paar iranischen Freunden Zug und Kundgebung für Solidarität mit den Demonstrierenden im Iran organisiert.

Privat organisiert

Als Privatpersonen hatten sie die Veranstaltung beim Ordnungsamt angemeldet. 100 Personen hatten sie erwartet. Tatsächlich waren es dann etwa 350, die sich gegen das Mullah-Regime im Iran positionierten und Solidarität mit den dortigen Demonstranten zeigten. Mit dem Banner »In Solidarität mit der Menschenrechtsbewegung im Iran« wurde der Marsch vom Oswaldsgarten zum Rathausplatz angeführt. Musik dröhnte aus einem vorausfahrenden Wagen, während zwei Animateurinnen dahinter für die Choreografie sorgten. Unter die protestierenden Iraner hatten sich viele deutsche Bürger gemischt. Auch die Antifa skandierte ein »Hoch auf die internationale Solidarität«. ARAG und 8.-März-Bündnis forderten auf Bannern »Frauen kämpfen international - gegen Patriarchat und Kapital« sowie »Keine Gewalt gegen Frauen!«

Um auch in Deutschland, auch hier vor Ort in Gießen eine Stimme für das iranische Volk zu sein, sei man heute hierhergekommen, sagte Sara Shani, die die Rede bei der Kundgebung auf dem Rathausplatz hielt. Das iranische Volk wolle die Freiheit der Frauen, die Rede und Meinungsfreiheit, Wahlfreiheit und Freundschaft mit der ganzen Welt. »Keinen Krieg und keine Konflikte! Dafür stehen wir ein und gehen heute hier in Gießen auf die Straße.« Im Iran würden seit Wochen Menschen erschossen; bis heute auch 40 Kinder. Tausend Menschen seien verhaftet worden oder verschwunden, rechnete sie vor. »Und ihre Familien haben nichts mehr von ihnen gehört.«

Das Feuer in dem politischen Gefängnis Ervin sei nur ein weiteres Zeichen der Brutalität des iranischen Regimes. Das terroristische Verhalten der islamischen Republik gegenüber ihrer Bevölkerung zeige sich auch in brutalen Übergriffen auf Kinder. Die Menschen im Iran wollten eine freie und demokratische Regierung und seien für ihre Forderungen auf die Straße gegangen. Aber sie bräuchten starke internationale Hilfe. »Deswegen fordern wir von den deutschen Politikerinnen und Politikern dass sie sich auf die Seite des iranischen Volkes stellen. Dass sie ihren Einfluss nutzen, um denen zu helfen, die für ihre Freiheit kämpfen.« Dem iranischen Staat müsse gezeigt werden, dass die Welt sehe, welches Unrecht geschehe.

»Wir fordern Sanktionen, die das iranische Unrechtsregime treffen und die, die auf ihre eigene Bevölkerung schießen.« Für die Unternehmen, Organisationen und Einzelpersonen, die dieses brutale Regime unterstützten, müsse es Konsequenzen geben. Nicht gegen das iranische Volk, sondern gegen die Machtelite müsse »bewusst« eingegriffen werden. Shani forderte die Menschenmenge auf, sich vorzustellen, dass sie gefangen genommen würden, nur weil sie ihre Haare in der Öffentlichkeit zeigten.

»Stellen Sie sich vor, dass man sie foltert und tötet, weil sie für Ihre Rechte auf die Straße gehen!« Das sei die derzeitige Situation im Iran. »Und weil uns das nicht egal ist, sind auch wir heute hier und solidarisieren uns mit diesen mutigen Menschen.«

Im Iran finde derzeit die größte Frauenrevolution statt. Dazu in einem freien Land lebend zu schweigen entziehe uns das Recht, in Zukunft über Menschenrechte, Frauenrechte und Feminismus zu sprechen. Eine »Kette« aus 350 sich die Hände haltenden Menschen bildete nach der Rede einen riesigen Kreis auf dem Rathausplatz. Auf einer Bilderkette waren viele Porträts abgebildet. »Die alle sind im Iran in den letzten Wochen getötet worden«, so ein Exiliraner.

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Die etwa 350 Teilnehmer bildeten zum Abschluss eine Menschenkette auf dem Rathausplatz. Foto: Schäfer © Schäfer

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