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Die Probe sitzt

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Gießen. Die Konzerte der Musikschule Gießen im Levi-Saal sind eine vertraute Sache. Die Talente treten, zum Teil zum ersten Mal, vor richtigem Publikum auf und zeigen nach intensiven Proben, was sie können. Dem Publikum bieten sich dann neben dem Musikvergnügen auch Eindrücke vom Niveau des Nachwuchses sowie den Mühen, die in diesem Projekt stecken.

Am morgigen Sonntag steht wieder der Traditionswettbewerb »Jugend musiziert« auf dem Programm. Publikum ist allerdings wie im Vorjahr wegen der Pandemie nicht dabei. So wurde nun am Donnerstagabend bereits unter Wettbewerbsbedingungen im Levi-Saal öffentlich geprobt: Jeder hatte nur einen Versuch, während eine Kamera die Instrumentalisten aufzeichnete. Und ein paar Gäste waren - im Gegensatz zu Sonntag - auch zugelassen. Den Kindern attestierte Musikschulleiterin Katja Marauhn: »Darauf habt Ihr lange und hart hingearbeitet, und das ist schon der eigentliche Sieg für jeden, der so lange durchhält und an ›Jugend musiziert‹ teilnimmt.«

Der Ablauf glich dabei den Wettbewerbs-Tagen: Die Jüngsten fingen an, spielten ein kleines Repertoire von drei Titeln, bevor die älteren Jahrgänge an der Reihe waren. »Ich freue mich sehr, dass diese Veranstaltung überhaupt möglich ist«, sagte Katja Marauhn. Auch wenn für sie »Jugend musiziert« diesmal kein reiner Videowettbewerb hätte sein müssen, »weil ja auch sonst nur die Jury und vielleicht ein Begleiter im selben Raum anwesend ist«. Aber der Landesausschuss entschied sich bereits im November für diese Variante, bei der die Jury nicht im Saal sitzt, sondern die Filmaufnahmen von außerhalb studiert.

Die erste und jüngste Teilnehmerin Helen Maria Luise May (acht Jahre, Cello) begann dann mit Werken von Corelli, Mozart, Arlen und einem sicheren Ton. Beifall gab es erst nach dem letzten Titel. Cellist Jakob Brand, zwölf Jahre alt, gelang anschließend der zweite Satz aus Paul Hindemiths »Kleiner Sonate« besonders sicher. Eine hörenswerte Vorstellung zeigten auch Christina Berghoff (13, Cello) und Julia Berghoff (11, Klavier). Sie spielten sicher und geradezu hingebungsvoll Werke von Gabriel Koeppen, Bach und Saint-Saëns.

Konstantin Reus (12, Cello), begleitet von der engagierten Juliane Reus, wählte Werke von Bach, Dvorak und Stravinsky. Vor allem Dvorak realisierte er stimmungsvoll und mit Temperament. Schließlich musizierte Paula Brand (14, Violine) in Begleitung des umsichtigen Allan Duarte Manhas am Klavier drei Stücke von Händel, John T. Williams (»Schindlers Liste«) und Jean B. Accolay. Vor allem ihre Umsetzung des Filmthemas beeindruckte. Sie traf die wesentlichen Stimmungspunkte sicher und gelangte so zu beachtlicher Wirkung.

Insgesamt war es ein leistungsmäßig überwiegend beeindruckendes Konzert - der Wettbewerb kann kommen.

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