1. Startseite
  2. Stadt Gießen

»Die Richtlinie ist gültig«

Erstellt:

giloka_fernwaereme_1509_o_4c
Mit dem Förderprogramm will der Magistrat einen Anreiz schaffen, auf Fernwärme umzusteigen. Symbolfoto: dpa © Red

Die Stadt Gießen will den Umstieg von Gasheizung auf Fernwärme forcieren. Eine Förderung von 500 Euro ist dafür vorgesehen.

Gießen. Die städtische Förderrichtlinie zur Fernwärme ist beschlossene Sache. Nachdem der Magistrat zugestimmt hat, ist »die Richtlinie jetzt schon gültig«, sagt Bürgermeister Alexander Wright. Insgesamt 90 000 Euro stelle die Stadt in diesem Jahr dafür zur Verfügung. Unterstützt werden Eigentümer von Wohn- und Gewerbegebäuden, Mieter und Pächter mit Zustimmung des Eigentümers sowie Wohnungseigentümer bei Zustimmung der Eigentümergemeinschaft. Sie erhalten 500 Euro pro ausgetauschter Gas- beziehungsweise Etagenheizung. Auf ihrer Internetseite hat die Stadt eine Karte veröffentlicht, auf der Interessenten sehen können, ob der Anschluss in ihrem Gebiet möglich ist.

Genehmigung per Bescheid

Die Richtlinie basiert auf einem Beschluss der Stadtverordnetenversammlung vom 14. Juli. Das Ziel ist klar definiert: Wegen der Gaskrise will das Parlament einen Anreiz setzen, dezentrale Gasheizungen im Stadtgebiet gegen einen Fernwärmeanschluss auszutauschen. Das nun beschlossene Papier präzisiert das Ziel, dass mit dem Fernwärmeanschluss »die Energieeffizienz erhöht wird und in Folge dessen die CO2-Emissionen erheblich sinken. Das Gießener Fernwärmenetz ist bereits nach heutigem Stand äußerst effizient im Umgang mit den eingesetzten Ressourcen. Der Primärenergiefaktor beträgt 0,25, wodurch derzeit mit dem Förderprogramm ›Bundesförderung für effiziente Gebäude‹ ein zusätzlicher Zuschuss in Höhe von (bis zu) 35 Prozent beantragt werden kann.« Voraussetzung einer Förderung sei der vollständige Ersatz einer Erdgasheizung durch den Anschluss an das Fernwärmenetz sowie die Einreichung der Schlussrechnung des Fördergegenstandes bei der Bewilligungsstelle. »Die Heizungsanlage muss zudem hydraulisch abgeglichen werden. Der Förderantrag muss vor der Auftragserteilung zum Einbau einer Übergabestation durch die Stadt Gießen genehmigt worden sein. Die Genehmigung erfolgt durch einen Bewilligungsbescheid«, ist in der Förderrichtlinie nachzulesen.

Dort ist ebenfalls zu erfahren, dass Interessenten noch bis zum 31. Oktober 2023 einen Antrag beim Klimaschutzmanagement der Stadt stellen können. Der Zuwendungsantrag bestehe aus dem vollständig ausgefüllten Antragsformular. Und »einem durch einen Fachbetrieb unterschriebenen Angebot zum geplanten Vorhaben, inklusive Durchführung eines hydraulischen Ausgleichs, mit dem die Erbringung der Leistung unter Angabe des voraussichtlichen Durchführungszeitraums, spätestens aber ein Jahr nach Antragsstellung, bestätigt wird.« Förderungen würden in der zeitlichen Reihenfolge des Eingangs vollständiger Antragsunterlagen vergeben. »Es gilt der Zeitpunkt des Antragseingangs. Im Falle der Mittelausschöpfung erfolgt bei zeitgleichem Antragseingang ein Losentscheid«, heißt es in den Richtlinien.

Bindungsfrist von fünf Jahren

In der Rubrik »Verwendungsnachweis, Auszahlung, Zweckbindungsfrist« des Papiers ist explizit gemacht, dass die Schlussrechnung spätestens zwei Monate nach Ablauf des Bewilligungszeitraums vorliegen muss. Und: »Der Anschluss an das Fernwärmenetz ist mindestens fünf Jahre ab dem Zeitpunkt der Auszahlung der Fördersumme zu betreiben. Werden vor Ablauf dieser Bindungsfrist die nach dieser Förderrichtlinie geförderten Fernwärmeübergabestationen abgebaut oder außer Funktion gesetzt, ist der Antragssteller verpflichtet, dies der Stadt Gießen unverzüglich schriftlich mitzuteilen und den Förderbetrag in voller Summe zurückzuzahlen.« Interessenten finden weitere Informationen, Antragsunterlagen und die Übersichtskarte auf der städtischen Internetseite in der Rubrik »Aktuelle Meldungen« mit Datum vom 7. September.

Dort finden sich auch Verweise zu weiteren Förderprogrammen sowie Hintergründe zur Fernwärme. Darunter »versteht man die leitungsgebundene Versorgung von Gebäuden mit Wärme, die an einem anderen Ort produziert worden ist. Diese Wärme können Haushalte dann zum Heizen und zur Warmwasseraufbereitung verwenden. Fernwärme ist energieeffizienter und klimaschonender als zentrale Gasheizungen, da als Quelle unter anderem auch Abwärme aus Industrieprozessen oder Biogas verwendet werden kann.« Mit dem Förderprogramm reagiere die Stadt auf die zweite Gaswarnstufe. Interessenten, die ihr Wohngebiet nicht auf der eingestellten Karte finden, sollten sich an die Stadtwerke wenden.

»Wir konsolidieren und optimieren im Moment«, hatte der Technische Stadtwerkevorstand Matthias Funk im Juli im Hauptausschuss zum Thema Fernwärme erläutert. Die SWG hättem ein Verdichtungspotenzial im Volumen des Bedarfs von 3100 Einfamilienhäusern. Sie erzeugten die Wärme auch mit fossilen Brennstoffen, räumte Funk ein. Aber das Unternehmen setze auf neue Projekte wie iKWK (innovative Kraft-Wärme-Kopplung). Damit verbunden sei eine Wärmepumpe, die die SWG an der Lahn bauen wollten. Mit solchen Geräten finde eine Ablösung von fossilen Brennstoffen statt.

Auch interessant