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Die Verwandlung eines Straßenhundes

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Tappi genießt das Leben heute sehr. © Nadine Burger

Gießen. Früher lebte Tappi in Ungarn auf der Straße, das Hündchen war verwahrlost, dünn und es ging ihm nicht gut. Heute klingt das wie aus einem anderen Leben, denn der schwarze Wuschelkopf hat bei Nadine Burger längst ein liebevolles Zuhause gefunden. Sein Frauchen hat sich die Mühe gemacht, die Geschichte ihres tierischen Begleiters aus seiner Sicht aufzuschreiben.

»Mein Start ins Leben war leider nicht gut, denn als ich noch ganz mini war, wurde ich in Ungarn auf der Straße ausgesetzt und verwahrloste. Ob mich damals jemand getreten hat, weiß ich leider nicht mehr. Dennoch war ich sehr verängstigt und alles, was mir unbekannt war, ließ ich nicht an mich. Ich war abgemagert und total verfilzt, als ich eines Tages in meiner Heimat gefangen wurde und man viele Fotos von mir machte. Da war ich circa drei Jahre alt. An mir wurden laute, knatternde Geräte benutzt, die mein langes Fell entfernten. Sie nannten es ›Schermaschine und Schere‹. Seltsame Dinge.«

Was Tappi damals noch nicht wusste: Das Dasein als Straßenhund war nun endlich vorbei. In einer Box wurde er zum Flughafen gebracht und nach Deutschland geflogen. In einem Transporter ging es gemeinsam mit einigen Artgenossen weiter in Richtung neues Leben. »Ich kam zu einer sehr netten Frau, von der ich nach meiner langen Reise gewaschen wurde und die mit mir zum Tierarzt ging, wo ich Spritzen und Tabletten bekam und mein kleines, schnell schlagendes Herzchen abgehört wurde. Ich war sehr zitterig, vertraute aber meinem neuen Menschen immer mehr«, schreibt Nadine Burger zu diesem Teil der Geschichte. Nun bekam Tappi auch endlich einen Namen, abgeleitet vom ungarischen »Tappancs«, was »Pfötchen« bedeutet.

Über das erste Aufeinandertreffen erzählt Nadine Burger aus der Sicht ihres Hundes: »Es war das erste Mal, dass ich mich wirklich wohl und zu Hause gefühlt habe. Diese Frau nahm mich auf ihren Arm, drückte mich fest an sich und war genauso glücklich wie ich. Diese Nähe und die Liebe, die ich in dem Moment bekam, fühlte sich unfassbar gut an.« Im neuen Heim warteten auf Tappi bereits Körbchen und Spielzeuge. Das Gassigehen an der Leine klappte immer besser und inzwischen »zucke ich auch nicht mehr zusammen, wenn ein Zug an mir vorbei rast oder etwas laut scheppert, weil mein neues Frauchen mal wieder etwas fallen lässt«.

Mit Nadine Burger und ihrem Partner erlebt Tappi nun viel, sie reisen, fahren Fahrrad »und wenn ich nicht mehr kann, setzen sie mich in einen Rucksack und kutschieren mich durch die Gegend, was ich voll genieße«.

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