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Dietrich Taube ist gestorben

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Dietrich Taube (1932-2021). © privat

Gießen (red). Dietrich Taube, von 1966 bis 1978 Intendant des Stadttheaters Gießen, ist vor wenigen Tagen im Alter von 89 Jahren gestorben. In seine Amtszeit fallen umfassende Umbauarbeiten im Theater sowie die Gründung der ersten Studiobühne, meldet das Stadttheater in einer Pressemitteilung.

Seine Amtszeit war so lang wie keine seiner Vorgänger: 1964 kam er als Oberspielleiter nach Gießen und leitete anschließend die Geschicke des Hauses von 1966 bis 1978 als Intendant und Geschäftsführer. Das Theater erhielt in Taubes Amtszeit leistungsfähige Ton- und Beleuchtungsanlagen und erfuhr eine umfassende Neugestaltung des Innenraums. So wurden die Logen im ersten Rang abgeschafft und durch die ominösen »Omnibussitze« ersetzt.

Mit dem »Zig« entstand eine erste Studiobühne in der ehemaligen Zigarrenfabrik Schirmer an der Ostanlage, »ein Experimentierfeld für zeitgenössische, avantgardistische Dramatik, ein Treffpunkt zum gemeinsamen Feiern, ein Forum zu Diskussionen«, wie es 1974 in einer Ankündigung hieß. Diese zweite Spielfläche sollte auch Raum geben für »außerhalb des offiziellen Programms laufende Aktivitäten wie Autorenlesungen, Jugendfeiern, Beat-Lyrik-Bier-Abende, Jazz-Workshops, literarisches Kabarett« und vieles mehr. Das »Zig« etablierte sich schnell als beliebter Treffpunkt bis zu seinem Abriss 1990 mit bis heute legendärem Ruf. Nicht nur bei der Namensfindung der Studiobühne setzte Taube auf Publikumsinteraktion, sondern auch bei der Gestaltung eines neuartigen Theaterlogos.

Über 60 Inszenierungen hatten unter unter seiner Ägide Premiere, neben Klassikern wurden auch viele Stücke zeitgenössischer Autoren aufgeführt, etwa Dürrenmatts »Play Strindberg«. Immer wieder stand Taube auch selbst als Schauspieler auf der Bühne.

Geboren wurde der Theatermacher 1932 in Walzen/Oberschlesien, von wo er 1945 mit seiner Familie nach Westfalen flüchten musste. In München studierte er Germanistik, Französisch und Geschichte, um für eine Ausbildung an die Otto-Falckenberg-Schule, die Schauspielschule der Münchner Kammerspiele, zu wechseln. Von 1957 bis 1964 war er als Schauspieler, Regisseur und Assistent des Intendanten an den Städtischen Bühnen Freiburg beschäftigt, bevor er 1964 nach Gießen kam.

Auf eigenen Wunsch wechselte Taube 1978 als Intendant an das städtische Theater in Mainz und wurde in der Spielzeit 1990/1991 erster Intendant und künstlerischer Geschäftsführer der neu gegründeten Staatstheater Mainz GmbH. Es folgte sein Engagement von 1991 bis 2002 als Generalintendant der Städtischen Bühnen Erfurt bzw. seit 1994 des Theaters Erfurt. In dieser Zeit gründete er dort nicht nur ein eigenständiges Kinder- und Jugendtheater, sondern auch die Domstufen-Festspiele. Taube verfasste auch einige Bühnenstücke.

Beerdigt wird er am heutigen Mittwoch um 10.30 Uhr auf dem Friedhof Obermenzing/München.

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