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Im August gestartet, nimmt das Projekt »Baustellen-Navi« langsam Fahrt auf (v.l.): IHK-Hauptgeschäftsführer Matthias Leder, Präsident Rainer Schwarz, Hans-Peter Seum (Bürgermeister Nidda) und Stephan Paule (Bürgermeister Alsfeld).

Digitalisierungsrücklage zugestimmt

Gießen (red). Auf der digitalen Vollversammlung (VV) der Industrie- und Handelskammer Gießen-Friedberg (IHK) haben die VV-Mitglieder den Wirtschaftsplan 2022 einstimmig verabschiedet. Für eine fortschreitende Digitalisierung hat die Vollversammlung einer zweckgebundenen Digitalisierungsrücklage einstimmig zugestimmt.

»Unsere IHK steht erfreulicherweise auf einem soliden finanziellen Fundament«, erklärte Rainer Schwarz, Präsident der IHK Gießen-Friedberg. Die Rücklage kann in den Jahren 2023 und 2024 verwendet werden. Präsident Schwarz begrüßte als neues Mitglied der Vollversammlung Heiko Dietewich, Geschäftsführer von Glasgard GmbH in der Wahlgruppe Industrie, Landkreis Gießen. Ausgeschieden ist Sabine Bender-Suhr von Bender GmbH & Co.KG.

Kritik an Inzidenzzahlen

Wie wenig aussagekräftig die Inzidenzzahlen der Corona-Pandemie sind, kritisierte Hauptgeschäftsführer Matthias Leder. Die Inzidenzwerte basierten oft auf einer willkürlichen Erfassung und würden nicht die tatsächliche Verbreitung des Infektionsgeschehens spiegeln. Asymptomatisch Infizierte würden systematisch ignoriert. Kinder in Hessen würden an den Schulen dreimal pro Woche getestet, in Rheinland-Pfalz einmal pro Woche und in Thüringen gar nicht. »Wir plädieren ganz klar für repräsentative Stichproben, so wie man es seit Jahrzehnten bei Meinungsumfragen gewohnt ist. Dann könnte man beispielsweise Impfdurchbrüche im Zeitablauf erfassen, die hohe Anzahl an asymptomatisch Infizierten oder Infektionsherde nach Berufs- oder Bevölkerungsgruppen feststellen«, so Leder.

Das mit sechs IHKs im August gestartete Baustellen-Navi nimmt Fahrt auf. Es bietet frühzeitige und schnelle Informationen zu bestehenden und geplanten Baustellen, damit sich Unternehmen rechtzeitig auf die eingeschränkte Erreichbarkeit einstellen können. Initiator war die IHK Gießen-Friedberg.

»Wir haben dieses Projekt deutschlandweit allen 79 IHKs vorgestellt. Gerade mit den Thüringischen IHKs sind wir im Gespräch, einige weitere IHKs haben Interesse angemeldet.«

Als besonderes Ereignis steht im kommenden Jahr das 150-jährige Jubiläum an. Unter dem Motto »150 Jahre IHK Gießen Friedberg: Innovationen gestern - heute - morgen« sind als Meilensteine der Festabend am 28. Juni mit dem Festredner Ministerpräsident Volker Bouffier, eine Baumpflanzaktion, die Jubiläumsaktion mit dem Bäckerhandwerk und die Herausgabe einer Festschrift geplant. »In allen drei Landkreisen wollen wir in enger Abstimmung mit den Regionalausschüssen 300 Bäume pflanzen: 150 Bäume für die Vergangenheit, weitere 150 Bäume für die Zukunft«, erklärte Matthias Leder.

Wenig Erfreuliches berichtete Michael Kraft, Vizepräsident, zum innerstädtischen Verkehr. Die IHK habe dem Magistrat der Stadt Gießen eine Stellungnahme zum Verkehrsentwicklungsplan vorgelegt. »Der aktuelle Stand des Verkehrsentwicklungsplans verdeutlicht, dass bei den durchgeführten Akteursgesprächen die Vertreter des Individualverkehrs unterrepräsentiert sind. Eine City-Maut, deutliche Erhöhung der Parkgebühren und eine de facto Pflicht zum Umsteigen auf Elektrofahrzeuge sind harte Eingriffe, die nicht zuletzt auf die Unternehmen vor Ort zurückfallen werden.«

Innovative Konzepte der Wirtschaftsförderung stellten Bernd-Uwe Domes und Klaus Karger, beide Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Wetterau (wfg), vor. Ein Projekt ist der Interkommunale Gewerbepark Oberhessen unter Beteiligung der Kommunen Nidda, Gedern, Ortenberg, Schotten, Echzell und Hungen. Leitmotiv ist »grün statt grau«. »Wir wollen nicht nur gemeinsam mit mehreren Kommunen, der Technischen Hochschule Mittelhessen und der Bevölkerung eine gewerbliche Fläche entwickeln, sondern eine attraktive Gebietsadresse mit nachhaltiger und technologischer Prägung schaffen«, erklärte Domes.

Grüne Visitenkarte für Gewerbepark

Auf einer Fläche von 19 Hektar sollen 2000 Arbeitsplätze entstehen, eine Erweiterung auf 30 Hektar ist möglich. Fuß- und Radwege sollen Borsdorf und Harb verbinden, eine starke Begrünung in den öffentlichen Räumen sowie eine Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr sind geplant. Mittels einer innovativen Solararchitektur soll Energie gewonnen und gespeichert werden. »Unser zentraler Ansatz ist es, eine grüne Visitenkarte für Unternehmen schaffen«, führte Domes aus.

Erstmalig wird in Hessen die Landesgartenschau (LGS) im Jahr 2027 interkommunal ausgerichtet. Die LGS ist ein mehrjähriges Sonder-Konjunkturprogramm für die mitwirkenden Kommunen und führt zu einer dauerhaften Aufwertung. Sie sei, so Klaus Karger, eine sehr seltene Gelegenheit, überregional in den touristischen Fokus zu gelangen und sich zu profilieren.

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