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Direktoren schlagen Alarm

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Unklare Zukunft: Die Klinikdirektoren am UKGM fordern Klarheit über die Finanzierung. Foto: Docter © Docter

Die unklare Zukunft am Universitätsklinikum Gießen und Marburg führe bereits zu Personalweggang - die Professoren fordern daher nun zeitnah eine Einigung zwischen Land und Eigentümer

Gießen (red/ebp). Wie geht es mit dem Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) weiter? Angesichts der unklaren Zukunft haben 71 Direktoren eine Stellungnahme veröffentlicht, in der sie »dringend eine Einigung« zwischen Land und Klinikbetreiber fordern. Es könne nicht sein, dass aus einer Nichteinigung »eine für das UKGM ruinöse Pattsituation über mehrere Jahre entsteht«.

Zur Erinnerung: Das Land als Minderheitsgesellschafter hatte rund 500 Millionen Euro, verteilt über zehn Jahre, für dringend notwendige Investitionen an den beiden Unikliniken in Aussicht gestellt. Doch in den Gesprächen hakt es, die Rhön-Klinikum AG hat eine Vereinbarung mit der Landesregierung zur Finanzierung des UKGM gekündigt. Bei den Klinikdirektoren stößt diese Entscheidung auf »Besorgnis und Unverständnis«.

UKGM bereits in »vulnerabler Phase«

Die angekündigte Finanzspritze eröffne »eine wichtige Perspektive für den laufenden Betrieb und die innovative Weiterentwicklung der Universitätsmedizin in Mittelhessen«, heißt es in der Erklärung der Klinikdirektoren. »Ohne diese Zuflüsse wären weder Gebäudesanierungen oder Neubauten noch eine notwendige medizintechnische Ertüchtigung der Gerätschaften und die Etablierung innovativer Methoden in der universitären Medizin möglich. Dieser inhaltliche Konsens aller Beteiligten sollte nun unbedingt in die Tat umgesetzt werden.«

Das UKGM müsse seit 2006 als einziges Großklinikum in Deutschland weitgehend ohne Landesmittel für Investitionen auskommen. Das vom Land in Aussicht gestellte Geld sei pro Standort immer noch deutlich niedriger als im Durchschnitt der deutschen Unikliniken.

Die Stagnation in den Verhandlungen treffe die beiden Universitätskliniken in einer bereits »vulnerablen Phase«. Denn neben dem Investitionsstau und der Erschöpfung der Mitarbeiter durch die Herausforderungen der Pandemie sei nun auch eine tiefe Verunsicherung bezüglich der Zukunftsentwicklung entstanden, die zur Abwanderung von dringend benötigtem Personal führe.

Eine Einigung zwischen Land und Eigentümer dürfe nicht nur finanziellen Erwägungen folgen, sondern müsse die »herausragende Bedeutung« des UKGM für die medizinische Versorgung der gesamten mittelhessischen Region und darüber hinaus im Blick haben. Mit der Übernahme von Rhön durch Asklepios seien jedoch unmittelbar laufende Investitionsprojekte angehalten worden. Auch Bauprojekte, zu denen sich teilweise die Rhön-Klinikum AG vorher verpflichtet habe, seien gestoppt worden.

Das Dilemma der Universitätskliniken in Gießen und Marburg habe bereits in den 1990er Jahren begonnen, »als die politisch Verantwortlichen davon ausgingen, dass Hessen zu viele Medizinstudierende ausbilde und deswegen einer der drei hessischen Uniklinik-Standorte zu schließen sei. Aus dieser - aus heutiger Sicht offensichtlich falschen - Annahme resultierte eine dramatische Reduktion jeglicher Investitionsmittel insbesondere für den Standort Gießen«. 2005/2006 folgte dann die Fusionierung der Standorte Gießen und Marburg und deren Privatisierung.

Landesregierung: Rhön soll weiter verhandeln

Die Landesregierung sieht sich durch die Resolution der Klinikdirektoren in ihrer Haltung bestätigt, dass die Verhandlungen über eine Anschlussvereinbarung an das Zukunftspapier dringend fortgesetzt und zu einem Ergebnis geführt werden müssen. Die Position der Professoren »unterstreicht, wie sehr Rhön mit seinem Verhalten die Verhandlungen in eine Phase der Unsicherheit gezogen hat«, erklärt Wissenschaftsministerin Angela Dorn (Grüne) in einer Pressemitteilung.

Angesichts der wichtigen Zukunftsperspektive »wollen wir den ›Letter of Intent‹ endlich umsetzen und rufen Rhön dazu auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren«, so die Ministerin weiter.

»Wir sind bereit, Landesmittel in Höhe von knapp einer halben Milliarde Euro zur Verfügung zu stellen, ohne dass wir gesetzlich dazu verpflichtet wären. Die Forderungen der Klinikdirektoren wären allesamt erfüllt, wenn wir die Inhalte des ›Letter of Intent‹ in eine verbindliche Vereinbarung umsetzen. Auch zu Forschung und Lehre und zur Trennungsrechnung sind dort wichtige Verbesserungen vorgesehen.«

Man nehme die Kritik der Klinikdirektoren sehr ernst, dass mit der Übernahme der Rhön-Klinikum AG durch Asklepios Investitions- und Bauprojekte am UKGM angehalten worden seien. »Auch wir sind der Ansicht, dass eine Fertigstellung der im Zukunftspapier verpflichtend vereinbarten Baumaßnahmen weiterhin vordringlich ist.« Absehbar könnten die allermeisten Projekte nicht bis 2024 realisiert werden. Die Verzögerungen seien aber aus Corona-Krise und Ukraine-Krieg alleine nicht zu erklären.

Rhön drohten daher Vertragsstrafen, wenn keine Anschlussvereinbarung mitsamt Fristverlängerung zustande komme. »Angesichts dessen sollte Rhön die Chance im Sinne der Universitätsmedizin und auch im Sinne ihrer Aktionärinnen und Aktionäre nutzen, um mit Unterstützung des Landes die wichtigsten Investitionen der kommenden Jahre endlich konsequent anzugehen«, heißt es abschließend.

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