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Drei Projekte für noch bessere Lehre

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Mit Lehrmodulen rund um den 3D-Druck beschäftigt sich eines der drei THM-Projekte, die durch das Programm »Freiraum 2022« gefördert werden. Symbolfoto: THM © Red

Die THM Gießen-Friedberg ist im Programm »Freiraum 2022« gleich dreifach erfolgreich. Pandemie-Erfahrungen wurden aktuell in die Lehr-Normalität mitgenommen.

Gießen (red). Wenn in den vergangenen beiden Jahren die Rede auf innovative Lehrformate kam, waren fast ausschließlich digitale Ideen gemeint. Die Pandemie zwang in Video-Konferenzen. Die Studierenden aktiv einbeziehende Lehrveranstaltungen waren gefragt. Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) hat aus dieser Zeit vieles in die wiedergekehrte Lehr-Normalität mitgenommen und dennoch nicht vernachlässigt, dass ihre Lehre - in der Regel - in Präsenz stattfindet. Auch die »klassische Lehre« muss ständig fortentwickelt werden, braucht Innovation. Drei gute Ideen der THM werden jetzt für ein Jahr gefördert.

Anfang des Jahres hatte die »Stiftung Innovation in der Hochschullehre« (StIL) das Förderprogramm »Freiraum 2022« ausgerufen. Damit soll die Entwicklung, Erprobung und Reflexion von Ideen mit einem Fokus auf die Lernprozesse der Studierenden gefördert werden. Offen sein durfte die fachliche Ausrichtung, weshalb an der THM ab September drei völlig unterschiedliche Projekte gefördert werden, jeweils mit 300 000 Euro über zwölf Monate.

Die Professoren Frank Kammer, Markus Siepermann und Armin Wagenknecht vom Fachbereich Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik (MNI) wollen mit »Easy Tutor« ein auf Künstliche Intelligenz gestütztes Tutorensystem zur einfachen Erstellung und automatischen Korrektur komplexer E-Learning-Aufgaben schaffen.

Ähnliche heutige Systeme vergleichen die Abgaben der Studierenden meist mit einem Pool an Musterlösungen der Dozierenden oder basierend auf sehr vielen Regeln. Entsprechend aufwendig zu erstellen und pflegen sind sie. Die Forscher entwickeln nun ein selbstlernendes System, das mit der Zeit immer besser darin wird, intelligentes Feedback zu geben. Als Grundlage dienen mehr als 20 000 anonymisierte Studierenden-Lösungen, die in den vergangenen Jahren in verschiedenen Lehrmodulen am Fachbereich MNI eingegangen sind.

Das System soll mittelfristig auch korrekte, aber von den Musterlösungen abweichende Antworten erkennen. Die digitale Transformation der Arbeitswelt bereits in der ingenieurswissenschaftlichen Ausbildung zu verankern, ist übergeordnetes Ziel des Projektes »DigiA-Z« von Dr. Gisa von Marcard vom Fachbereich Life Science Engineering (LSE). Im Fokus steht dabei die beispielhafte Entwicklung einer »smarten« Abwassertechnik durch praxisnahe, innovative Lehrkonzepte in Bachelor- und Masterstudiengängen. Die Herausbildung digitaler Kompetenzen wurde bislang in Lehr- und Lernkonzeptionen wenig berücksichtigt. Im beantragten Projekt werden die beteiligten Studierenden daher aktiv in den Entwicklungsprozess der neuen Lehr- und Prüfungsformate eingebunden. Entstehen sollen ein Bachelor- Modul »Digitalisierung und Automatisierung einer verfahrenstechnischen Anlage« und ein Master-Modul »Optimierung verfahrenstechnischer Anlagen mittels digitaler Zwillinge«.

Das Projekt »3DP4E« (3D Print 4 Everyone), beantragt von Christopher Butka vom Fachbereich Maschinenbau und Energietechnik sowie Marc André Aghili Pour aus dem Referat Transfer, soll dem im Entstehen begriffenen 3D-Druck-Zentrum der THM zugutekommen. Das Zentrum soll der gesamten THM-Öffentlichkeit zur Verfügung stehen - sei es, um Lehrinhalte von der Theorie in die Praxis umzusetzen, Ideen für Abschlussarbeiten oder Gründungsvorhaben zu verwirklichen oder maßangefertigte Teile für Forschungsvorhaben zu erhalten. Neben Räumen und moderner Technik braucht es betreuendes Fachpersonal auf dem Stand des Wissens und insbesondere auf die Fähigkeiten des Zentrums zugeschnittene, hochschulweit verständliche Lehrkonzepte, die Theorie und Praxis in Einklang bringen.

Insgesamt werden 204 Projekte im Volumen von rund 46 Millionen Euro gefördert, davon acht an Hochschulen aus Hessen. »Dass drei davon aus der THM kommen, werte ich als deutlichen Beleg für das starke Engagement unserer Lehrenden«, sagt Prof. Dr. Katja Specht, Vizepräsidentin für Studium und Lehre. »Hier haben die Kolleginnen und Kollegen wirklich innovative Lehr- und Lernkonzeptideen eingereicht, die für ihre Studierenden einen bleibenden Mehrwert schaffen.« Es sei gut, dass diese Ideen ab September in der Praxis getestet und weiterentwickelt werden.

Die Ausschreibung ist vonseiten der Stiftung wiederkehrend geplant, die neue Bewerbungsrunde startet voraussichtlich im Sommer 2023. Schon jetzt gibt es erste Interessenten aus der THM.

Auch zwei diesmal nicht berücksichtigte, 25-monatige Projekte des Fachbereichs Life Science Engineering haben die Möglichkeit, nochmals teilzunehmen.

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