1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Duftige Klänge, poetisch genau

Erstellt: Aktualisiert:

Gießen (rfi). In der Reihe der Feierabendkonzerte zugunsten einer neuen Orgel in der Johanneskirche spielte nun das Trio d’accord mit Katharina Fendel (Flöte), Selma Bonney-Raven (Violine) und Julia Reck (Klavier) ein anrührendes Programm mit französischer Musik an der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Alle drei Künstlerinnen sind ausgebildete Instrumentalpädagoginnen und lehren in Marburg sowie Gießen.

Im Feierabendkonzert in der Johanneskirche erzeugten sie eine dichte poetische Atmosphäre voll duftiger Klangwunder.

Den Anfang machten die Musikerinnen mit »Deux Interludes« für Flöte, Violine und Klavier von Jacques Ibert (1890-1962). Die Komposition exponierte melodiöse Klänge in stilistischem Spannungsfeld von Spätromantik, Impressionismus und Neoklassizismus. Eine stilistische Einordnung Iberts ist kaum möglich. »Alle Stilrichtungen sind gut«, erklärte er, «vorausgesetzt, dass man sie verwendet, um Musik zu machen«.

Die Musikerinnen interpretierten das kantable Stück mit homogenem Ensembleklang. Dabei agierten die Pianistin mit differenziertem Anschlag, die Flötistin mit präzisem Ansatz und die Geigerin mit lupenreiner Intonation. Das erste Stück Andante espressivo erinnerte in seiner poetischen Konzentration an die Klangwunder Maurice Ravels. Große kantable Linien, funktionsfreie Akkorde und eine anrührende Gesanglichkeit zeichneten das Zwischenspiel aus. Das anschließende Allegro vivo lebte von folkloristischen Anklängen an die spanische Klangwelt von Albeniz und Granados. Dabei bestach das Werk durch seine tänzerischen Züge, die das Ensemble klangschön herausarbeitete.

Die Komponistin Melanie Bonis (1858-1937) nannte sich Mel Bonis, um in einer frauenfeindlichen Umwelt ihre Identität zu verschleiern. Von ihr erklang die Suite en Trio. Eröffnet wurde das Stück durch eine Serenade in transparentem Ensemblespiel. Dabei interpretierte das Trio die Komposition klangschön und mit Musizierfreude. Höhepunkt des Werkes war die innige Pastorale. Den Ausklang bildete ein schelmisches humoristisches Scherzo, das Trio d’accord gekonnt musizierte.

Abschließend erklangen Philippe Gauberts (1879-1941) »Medailles Antiques«. Im ersten Stück erinnerten die melodisierten Akkorde und Passagenan die Lichtbrechungen durch ein Prisma. Das zahlreiche Publikum bedankte sich mit wahren Ovationen.

Auch interessant