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Durch die Künstlerbrille

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Die beiden Künstlerinnen Ramsheke Thillainathan (links) und Ceren Eda Neccar schließen gerade ihr Studium am Gießener Institut für Kunstpädagogik (IfK) ab. © Schultz

»Feelings«: Zwei junge Malerinnen stellen heute in der Galerie im Hardthof ihre Malerei vor, die sich zwischen Filmbildern und Naturbetrachtungen bewegt.

Gießen. Es geht um Gefühle: Zwei junge Künstlerinnen zeigen ab heute ihre Arbeiten in der Galerie im Unteren Hardthof. Ramsheke Thillainathan und Ceren Eda Neccar schließen gerade ihr Studium am Gießener Institut für Kunstpädagogik (IfK) ab. Im Rahmen ihrer Examensarbeiten präsentieren die beiden eine umfangreiche Schau ihrer Malerei, die heute um 18 Uhr mit der Vernissage eröffnet wird.

Ramsheke Thillainathan, Jahrgang 1997, stammt aus Frankfurt und studiert in Gießen Mathematik und Kunst fürs Lehramt. Sie befasst sich in ihren Arbeiten mit Film- und Videostills aus Musikvideos, die sie interessant fand und mit Schwerpunkt auf Licht- und Farbinszenierungen auswählte. Das gemeinsame Motto kommt daher, dass beide nach ihren Gefühlen »bestimmte Bildabschnitte gewählt haben, die wir im malerischen Prozess veränderten.« Das betrifft farbliche Veränderungen oder auch die Lichtführung, sagt Thillainathan. Sie fügte auch mehrere Szenen in einem Bild zusammen. Da verläuft die Farbe schon mal, und die Anmutung hat offenkundig keine realistischen Verhältnisse zum Ziel. Es geht darum, »einen malerischen Erkennungswert« zu schaffen, erklärt die Frankfurterin, weshalb auch stets ein malerischer Hintergrund den aus dem Film ersetzt. Es sind Musikvideos, aus denen die Malerin Szenen mit viel Dramaturgie auswählte, bisweilen auch mit »Bewegungsunschärfe oder Mehrfachbelichtungen« .

Ceren Eda Neccar, geboren 1998 in Lüdenscheid, kam ebenfalls zum Studium nach Gießen. Englisch und Kunst sind ihre Lehramts-Fächer, noch in diesem Jahr soll das Staatsexamen gelingen. Sie legt den Fokus auf »Form und Struktur in der Natur«. Und auch bei ihr folgt die Farbgestaltung nicht der realen Vorgabe des Motivs. »Der Betrachter sieht durch meine Brille und erhält meinen Fokus«, sagt Neccar.

Beiden Künstlerinnen ist wichtig, dass der Eindruck einer Illusion entsteht. »Es war ein langer Prozess, bis wir diese Arbeitsweise und dann den Titel unserer Ausstellung gefunden haben«, erläutert Neccar. Wesentlich für das Künstlerinnenduo war, dass die malerischen Entscheidungen auf ihren Gefühlen basierten. Wichtig sei zudem, dass jeder Betrachter andere farbliche Aspekte bemerke, auch in der Natur.

Ein ungewöhnlicher Akzent der Schau ist die Musikbegleitung. Die beiden lernten einen Berliner Produzenten kennen und fragten ihn, ob er vielleicht eine Musik für ihre Schau schaffen könnte? Das Ergebnis ist heute Abend und an den anderen Öffnungstagen zu hören und passt gut zum Besuch der Ausstellung. Auch ungewöhnlich sind die zahlreichen kleinen Polaroid-Fotos, die an mehreren Orten in der Galerie ausgelegt sind und allerlei berufliche wie private Ansichten der beiden Künstlerinnen zeigen, ein spielerischer Aspekt.

Thillainathan und Neccar arbeiten seit Dezember 2021 enger zusammen. Sie zogen das Studium in Gießen dem in Frankfurt vor, weil es dort deutlich unpersönlicher und anonymer zugehe, sagen sie. Neccar malt schon seit der Kindheit, Thillainathan fing irgendwann »hobbymäßig« damit an. »Feelings« ist nun die Ausstellung zweier junger Künstlerinnen, die über differenzierte gestalterische Fähigkeiten verfügen und attraktive malerische Arbeiten zeigen. Zudem ist trotz des Mottos keinerlei schwärmerisch-verschwommene Machart zu bemerken. Die Bilder besitzen einen durchaus verbindlichen Charakter.

Die Ausstellung ist am heutigen Samstag und am Samstag 12. März (jeweils 16 bis 19 Uhr) in der Galerie im Hardthof zu sehen.

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