"Durchbruch" bei Tarifverhandlungen am Klinikum Gießen-Marburg

  • schließen

GIESSEN - (fod). Die Nachricht vom "Durchbruch" kam am späten Donnerstagnachmittag: In der dritten Runde der Tarifverhandlungen für den nicht-ärztlichen Dienst am Uniklinikum Gießen-Marburg (UKGM), der rund 7800 Beschäftigte beider Standorte betrifft, haben die Geschäftsführung und die Gewerkschaft Verdi eine Einigung erzielt. Hierbei habe man "ein großes Tarifpaket geschnürt", vermeldet UKGM in seiner Pressemitteilung.

Hierzu gehören eine Vergütungserhöhung und Corona-Sonderzahlung sowie Regelungen zu Urlaub, Bereitschaftsdiensten und die Nutzung des Job-Tickets. Die Verhandlungsergebnisse in diesen Punkten könnten "sich sehen lassen", führt Verdi-Fachsekretär Fabian Dzewas-Rehm in der Mitteilung der Gewerkschaft aus. Deren Verhandlungskommission empfiehlt den Mitgliedern, die Ergebnisse anzunehmen. Diese werden bis Ende März befragt. Sollte der Tarifvertrag auf Wohlwollen stoßen, gilt diese Vereinbarung bis zum 30. September 2022.

Die Corona-Pandemie habe nicht nur die Mitarbeiter "in besonderer Weise gefordert", sondern auch beide Universitätsklinika "wirtschaftlich in eine schwierige Lage gebracht - diese beiden Seiten einer Medaille galt es zusammenzubringen", formuliert es der Vorsitzende der Geschäftsführung, Dr. Gunther K. Weiß. Voll umfänglich zufrieden ist man aufseiten der Gewerkschaft jedoch nicht. So moniert Dzewas-Rehm, dass "die Eingruppierung gekündigt bleibt, da noch viele weitere Berufsgruppen verhandelt werden müssen". Daher sei in diesem Jahr mit weiteren Streikaktionen zu rechnen.

Zu den am meisten mit Spannung erwarteten Verhandlungspunkten gehört die Corona-Prämie. Laut Einigung wird im ersten Halbjahr 2021 eine einmalige Sonderzahlung an alle Mitarbeiter erfolgen, die gestaffelt ist: von 225 Euro für Auszubildende über 600 Euro für untere Vergütungsgruppen, 400 Euro für mittlere und 300 Euro für höhere Vergütungsgruppen. Teilzeitbeschäftigte erhalten diese Sonderzahlung anteilig. "Uns freut vor allem, dass wir das Trauerspiel um die Corona-Prämie beendet haben und nun alle Beschäftigten eine Prämie erhalten", betont der Verdi-Vertreter.

Die Löhne steigen dann zum 1. Juli 2021 um 2,2 Prozent, mindestens jedoch um 60 Euro, die der Auszubildenden und Praktikanten zum gleichen Zeitpunkt um 30 Euro. Darüber hinaus erhalten langjährig Beschäftigte ab 1. April 2022 eine Vergütungserhöhung um 2,5 Prozent durch die Einführung einer weiteren Gehaltsstufe. Überdies werden zum 1. Juli dieses Jahres die geleisteten Bereitschaftsdienste höher als Arbeitszeit bewertet und damit besser bezahlt. Ebenfalls wurde für mehrere Berufsgruppen die Eingruppierung ab 1. Januar 2022 verbessert, so zum Beispiel für medizinisch-technische Angestellte (MTLA, MTA, MTA-F), Physio- und Ergotherapeuten, Logopäden, Erzieherinnen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie, Kardiotechniker und Pflegedienstleitungen. Es sei beabsichtigt, die Verhandlungen über den Eingruppierungstarifvertrag nach den Sommerferien 2021 fortzusetzen, lässt UKGM wissen.

Zudem wurde die Urlaubsregelung verändert: Alle Beschäftigten erhalten ab 1. Januar 2022 mindestens 30 Urlaubstage. Zum selben Datum wird ein RMV-weites Job-Ticket für alle UKGM-Beschäftigte beider Standorte eingeführt. Zusätzlich soll die Anschaffung von Job-Bikes ermöglicht werden.

Das könnte Sie auch interessieren