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Ehefrauen morden klüger

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Lesung ist keine ganz treffende Bezeichnung für seine Auftritte: der Schauspieler, Autor und Gefängnisarzt Joe Bausch in Hungen. Foto: Czernek © Czernek

Gefängnisarzt, Autor und »Tatort«-Schauspieler: Joe Bausch sprach in Hungen über den Unterschied zwischen Mördern und Mörderinnen.

Gießen. Joe Bausch ist ein begeisternder Geschichtenerzähler. Allerdings handeln seine Erzählungen von Mördern, Psychopathen und anderen harten Kerlen, die ihm im Laufe seines Berufslebens als Gefängnisarzt begegnet sind. Das ist nicht für schwache Nerven, jedoch bestens passend für alle Krimifans. Schon zum wiederholten Mal war der als Kölner »Tatort«-Rechtsmediziner bekannte Schauspieler, Schriftsteller und Arzt Gast des Gießener Krimifestivals. Auch am Donnerstagabend in der Hungener Stadthalle: Mehr als 200 Besucher waren gekommen, als er sein neues Buch »Maxima Culpa - Jedes Verbrechen beginnt im Kopf« vorstellte.

Auftritt komplett ausverkauft

Die Veranstaltung war komplett ausverkauft, obwohl er erst im Februar an gleicher Stelle sein zweites Buch »Gangsterblues« vorgestellt hatte. Kein Zweifel, seine Geschichten faszinieren. So eloquent, klar und mit der genau richtigen Dosis trockenen Humors kann kaum ein anderer wie er über das Leben im Knast berichten.

So ist der gebürtige Westerwälder auch seit vielen Jahren ein gefragter Interviewpartner, wenn es sich um Justizvollzugsanstalten geht. Da er als Dr. Roth aber auch schon bereits seit 25 Jahren im Kölner Tatort-Team dabei ist, wird er in Talkshows nur selten auf seine Anliegen angesprochen. So wurde er zum Autor. »Bücher sind toll. Da kann man alles aufschreiben, was man zu erzählen hat«, befand er - und nutzte den Abend zu einem flotten Parforceritt durch alle seine drei Bücher. Wer daher zuvor schon bei Bauschs Lesung im Februar dabei war, dem kam das ein oder andere bekannt vor, doch einem guten Geschichtenerzähler hört man auch gerne zweimal zu.

Lesung ist zudem keine ganz treffende Bezeichnung für seine Auftritte, denn er liest nur selten vor. Stattdessen erzählt Bausch lieber aus dem reichen Fundus seiner Erlebnisse, die er im Laufe seiner 30-jährigen Tätigkeit als Gefängnisarzt in der Justizvollzugsanstalt Werl sammeln konnte. Zudem plaudert er viel zu gern mit dem Publikum.

In »Maxima Culpa« widmet er sich besonders skrupellosen Verbrechen, die von Psychopathen begangen wurden. Für dieses Buch hat er zehn spektakuläre Kriminalfälle der jüngsten Vergangenheit recherchiert und nacherzählt. Dabei stellte er fest, dass es in Deutschland 80000 Gefängnisplätze gibt, von denen 70000 belegt sind. Darunter sind allerdings nur 2500 Frauen. Die seien »einfach cleverer als Männer, wenn es um das Morden geht«.

Ein Argument: Die Zahl der Giftmorde sei unter die statistische Nachweisgrenze gesunken. Und Giftmorde würden von je her eher den Frauen zugeschrieben. »Frauen morden anders und auch aus anderen Motiven heraus«. Sie würden einen Mord wie eine Geburtstagsfeier planen und ihn mit der entsprechenden Nüchternheit durchführen. Während Männer zum Beispiel ihre Exfrauen deswegen ermorden würden, damit sie kein anderer bekäme, würde Frauen morden, damit der Mann endgültig weg ist. »Eine sauberere, klare Lösung«.

Allerdings hatte Joe Bausch noch einen guten Rat für alle Frauen im Publikum parat, die nun vielleicht mit dem Gedanken spielen würden, sich ihres Partners zu entledigen: »Machen Sie es alleine. Sobald ein Mann als Mitwisser dabei ist, geht es schief.«

Klar positionierte sich der Autor in Bezug auf Psychopathen und andere schwer gestörte Persönlichkeiten. Er habe erst lernen müssen, dass sie ihrem Wesen treu blieben. »Wir lassen sie das nur nicht ausleben«. Biografische Erklärungen für die Taten wie etwa eine schwere Kindheit sucht man in seinem Buch vergebens. »Das sind Sätze, die die Verteidigung vor Gericht spricht. Das werden Sie von den Insassen selbst aber nicht hören.« Auch Reue sei Psychopathen unbekannt. So habe sich ein Gefängnisinsasse einmal bei ihm beschwert, dass er ja wegen einer »Schlampe« 15 Jahre hier einsitzen würde. »Das müsste doch dann auch mal gut sein.«

Bücherstand leergekauft

Im gleichen unterhaltsamen Tonfall, in dem Joe Bausch den Abend in Hungen bestritt, sind auch seine Bücher verfasst. Daher war es wenig verwunderlich, dass der Bücherstand umgehend leergekauft wurde. Einen Trost für alle, die leer ausgingen, hatte er zum Schluss parat: Er arbeitet bereits an einem neuen Werk, das viel Persönliches enthalten soll. Auch etwas Fiktionales schwebt ihm vor.

Augenzwinkernd gestand Bausch aber, dass er aufpassen müsse, was er schreibe, damit er nicht selbst einmal in der JVA landen würde, denn dort würden schon ein paar Leute auf ihn warten. Besser wäre es, er macht sein Versprechen wahr - und kommt wieder zu Besuch in die Region.

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