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Ehemaliger Finanzreferent des Asta der THM wegen Untreue angeklagt

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Von: Jochen Lamberts

GIESSEN - Wegen Untreue muss sich seit Dienstag ein 31-jähriger Student der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM) vor dem Amtsgericht Gießen verantworten. Ihm wird zur Last gelegt, in seiner Amtszeit als Finanzreferent des Asta der THM zwischen 2011 und 2015 rund 74 000 Euro aus der Asta-Kasse veruntreut zu haben. Zudem lastet ihm die Staatsanwaltschaft an, am Abend des 1.

Oktober 2015, als eine Kassenrevision anstand, einen Raubüberfall vorgetäuscht zu haben, bei dem der Täter diesen Betrag in Bar aus dem Tresor des Asta im THM-Gebäude geraubt habe, nachdem er den Angeklagten gefesselt hatte. Der 31-Jährige aus dem Landkreis schweigt zu den Vorwürfen, ließ lediglich über seinen Anwalt seine Unschuld beteuern.

In seiner ersten Aussage nach dem Überfall gegenüber der Polizei hatte er angegeben, nachdem der Täter mit dem Geld verschwunden sei, habe er mit den Zähnen das Klebeband, mit dem er gefesselt wurde, durchgebissen und dann die Polizei gerufen. Genetische Untersuchungen des Klebebandes und der Rolle hätten darauf DNA-Spuren des Angeklagten, seines Bruders sowie Abdrücke eines bislang Unbekannten ergeben, was auch den Bruder nach Aussagen eines als Zeuge auftretenden Kripo-Beamten in den Focus der Ermittlungen brachte. Dieser, der gestern von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machte, begründete seine DNA-Anhaftungen an dem Klebeband damit, im Vorfeld im Büro seines Bruders mit der dort befindlichen Klebebandrolle gespielt zu haben.

Eine spätere Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten ergab nichts. Dafür aber die langwierige Auswertung aller sicherstellbaren Belege und Kontoauszüge, sowohl des Asta-Kontos wie auch der Konten des Angeklagten. Hierbei ergaben sich zahlreiche Ungereimtheiten, die, so die Staatsanwaltschaft, die Unterschlagungen belegen würden. Laut einer vom Richter vorgetragenen Auflistung hatte die Kasse 2011 bei Übernahme durch den Angeklagten einen Bestand von 8800 Euro. Im Dezember 2014 sollen es 14 100 Euro gewesen sein und im Juni 2015 müssten nach Berechnungen der Buchhalterin und Steuerberaterin der THM 53 000 Euro in bar im Tresor gelegen haben. Zuzüglich sollen in einem separaten Fach des Tresors in einem Briefumschlag noch einmal 25 000 Euro gelagert gewesen sein. Im Gegenzug konnten die Fahnder nach Analyse der Kontoauszüge des Angeklagten bei einer Bank in Offenburg Bareinzahlungen in Höhe von 13 000 Euro plus Bafög-Zugänge, und bei der Sparkasse in Gießen für den Zeitraum von 2012 bis Oktober 2015 ausschließlich Bareinzahlungen in Höhe von 43 000 Euro nachweisen, wobei jeweils wenige Tage nach der Einzahlung Barabhebungen erfolgten. Dieses Gießener Konto löste der Angeklagte eine Woche nach dem angezweifelten Raubüberfall auf.

Eine durchaus schwierige Prüfung ergab schließlich bei einem Einnahmevolumen von 113 000 Euro von 2011 bis 2015 und den Berechnungen der Einzahlungen auf das Asta-Konto sowie den Ausgaben einen Fehlbestand von rund 74 200 Euro. Unklar ist, weshalb angeblich soviel Bargeld in dem Tresor lagerte, denn eigentlich dürfen laut Vorgaben darin höchsten 500 bis 1000 Euro liegen.

Ziemlich deutlich wurde im Verlauf der gestrigen Verhandlung, dass die Asta-Kasse generell sehr mangelhaft geführt wurde und die Kontrollmaßnahmen als eher dürftig anzusehen sind. Auch von zumindest einer schwarzen Kasse war die Rede. So berichtete eine Finanzexpertin der Kripo, dass die Buchhalterin der THM die Einhamenhöhe zum Beispiel von Studentenfeiern aufgrund der Spesen und Getränkerechnungen und aus Erfahrungswerten habe schätzen müssen, da keinerlei Abrechnungen vorgelegen hätten. Unklar ist auch noch, weshalb der angeblich geraubte Betrag vornehmlich aus großen Geldscheinen zwischen 100 und 500 Euro bestanden haben soll, wenn gerade im studentischen Bereich eher kleinere Beträge eingehen.

Dass es um die Finanzverwaltung des Asta bei der THM wohl auch in den früheren Zeiten nicht sonderlich gut bestellt war, ergab sich aus einem Hinweis des Richters, wonach bereits in den Jahren 2006 bis 2008 Beträge im Tausenderbereich verschwunden waren. Weitere Aufklärung des Falls erhofft sich das Gericht am heutigen zweiten Verhandlungstag, bei dem auch der Vorgänger des Angeklagten gehört werden soll.

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