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Ehrenplatz für ein Gießener Ölporträt

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Von: Thomas Wißner

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Norbert Kissel (links) übergibt im Schützhaus das von ihm angefertigte Ölgemälde von Heinrich Schütz an Museumsleiter Dr. Maik Richter. Foto: Wißner © Wißner

Gießen (twi). Bis zum 6. November läuft das Gießener Heinrich-Schütz-Fest zu Ehren des Komponisten Heinrich Schütz (1685-1672), dessen Todestag sich in diesem Jahr zum 350. Mal jährt. Schütz gilt als einer der herausragendsten Musiker des Frühbarock. Eine hiesige Delegation besuchte nun im Rahmen des Festes das Wohnhaus des Komponisten in Weißenfels.

Dr. Gabriel Brand und Cordula Scobel hatten die Fahrt nach Sachsen-Anhalt organisiert und auch ein Geschenk für das dortige Museum mitgebracht: ein Ölgemälde, das Norbert Kissel exklusiv für diesen Anlass angefertigt hatte. Das Gemälde zeigt Schütz im Alter von 42 Jahren auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Als Leiter der kurfürstlichen Staatskapelle von Sachsen in Dresden hatte der Ausnahmekünstler damals eines der höchsten musikalischen Ämter im deutschen Sprachraum inne. In Weißenfels verbrachte Schütz seine Kindheit, hier wurde er auch von dem kunstsinnigen Landgrafen Moritz von Hessen-Kassel als Hochbegabung entdeckt und gefördert und hier beschloss Heinrich Schütz als hochbetagter Greis seinen Lebensabend.

Das Bild stellt die Rekonstruktion eines als verschollen geltenden Gemäldes dar, dass die Vorlage für einen erst vor wenigen Jahren entdeckten Kupferstich aus dem Jahr 1627 gewesen sein könnte. Schütz ist dort in der festlichen Hoftracht der damaligen Zeit dargestellt und betont damit die andere Seite des Schaffens des Komponisten, dessen »weltliche« Werke nahezu komplett verschollen sind.

Dr. Maik Richter, Musikwissenschaftler und Leiter des Schütz-Hauses, zeigte sich über das Gemälde höchst erfreut, dass im Museum einen Ehrenplatz erhalten wird, ist es doch die weltweit einzige Darstellung des Komponisten in dieser Art. Ein Überraschungsgeschenk war das Gemälde indes nicht: Richter und Kissel pflegen seit längerem einen regen Austausch, aus dem sich die Idee für das Vorhaben ergeben hatte. Der Leiter des Staatlichen Schulamtes und Organist der Michaeliskirche in Wieseck widmet sich in seiner knapp bemessenen Freizeit gerne der Malerei alter Meister und hat sich auf diesem Gebiet zu einem Meister seines Fachs entwickelt.

Richter bedankte sich bei der Gruppe aus Fachleuten und Musikliebhabern mit einer informativen Führung durch das medienpädagogisch beispielhaft gestaltete Schütz-Haus, das in jedem Raum zu eigenem Tun anregt und das Leben und Schaffen des Komponisten beeindruckend abwechslungsreich zur Starstellung bringt. »Schütz war ein Europäer«, betonte Richter »und seine Musik war in besonderer Weise politisch.« Belegstellen hierfür fänden sich in vielen Werken, die etwa neben der Bitte um Frieden auch versteckte Ermahnungen an die Fürsten seiner Zeit enthielten oder die damaligen Machtverhältnisse während des Dreißigjährigen Krieges widerspiegelten.

Die Delegation aus Gießen konnte auch zahlreiche Werkausgaben bestaunen, dazu Belege von der Wirkungsgeschichte des Komponisten, historische Musikinstrumente und einige archäologische Funde.

Dekanatskantorin Cordula Scobel hatte zum Abschluss des Besuchs ein kleines Konzert vorbereitet und brachte, begleitet von Johanneskantor Christoph Koerber an der Truhenorgel, zwei Werke aus den »Kleinen geistlichen Konzerten« von Schütz stilvoll zu Gehör. Dazu sang die Gießener Gruppe am vierseitigen digitalen Notenpult des Museums einige Chorsätze. Mit nach Hause nahmen die Gießener schließlich die Erkenntnis: »Das Schütz-Haus in Weißenfels ist eine Reise wert!«

Das Heinrich-Schütz-Fest Gießen wird am Mittwoch, 12. Oktober, um 19.30 Uhr mit einem Vortrag und musikalischen Beispielen mit Dekanatskantorin Cordula Scobel in der Johanneskirche fortgesetzt. Am 16. Oktober um 18 Uhr gibt es »Ein Schütz-Album« mit dem Chor der Gesamtkirchengemeinde Nord in der Michaelskirche Wieseck. Das komplette Programm ist unter www.schuetz-musikfest.de zu finden.

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