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Ehrungsreigen in Uni-Aula

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Von: Julian Spannagel

Für besondere Forschungsleistungen zur Bekämpfung von Corona, Leukämie und Hautkrankheiten sind Nachwuchswissenschaftler der JLU Gießen und der Marburger Philipps-Universität geehrt worden.

Gießen. Für besondere Forschungsleistungen zur Bekämpfung von Corona, Leukämie und Hautkrankheiten sind drei Nachwuchswissenschaftler der JLU und der Marburger Philipps-Universität von der Behring-Röntgen-Stiftung geehrt worden. Ein seltenes Ereignis stellte zudem die Verleihung von zwei Ehrenplaketten dar, die an das Professorenehepaar Netter gingen. Zahlreiche Gäste applaudierten den Würdenträgern und lauschten den Rednern in festlicher Atmosphäre.

Dr. Christin Müller ist Postdoktorandin am Institut für medizinische Virologie an der Justus-Liebig-Universität (JLU). Mit ihren 34 Jahren hat sie einiges bereits hinter sich. Sowohl ihren Bachelor und Master hat sie Viren gewidmet. Zudem kann sie auf Auslandaufenthalte in Großbritannien und den USA sowie Veröffentlichungen in hochangesehenen Fachzeitschriften zurückblicken. Ihre Forschung war wegbereitend für die Entwicklung antiviraler Mittel gegen Covid-19. Teil ihres Erfolgs ist eine enge Zusammenarbeit mit den Marburger Medizinern gewesen.

»Libero«-Zelle

Aus Marburg wurden zwei Doktoren geehrt. Zum einen konnten sich Dr. Christian Michel freuen. Sein Wegbegleiter Prof. Andreas Burchert beschreibt ihn als freundlichen und strukturierten Mensch, der obendrein ein guter Musiker sei. Als Mediziner zeichne ihn die Brücke zwischen Grundlagenforschung und Klinik-Betrieb aus. Geehrt wurde er insbesondere für seine Leukämieforschung. Der Blutkrebs-Patientin Juno Sommer rettete der 35-jährige Michel mithilfe personalisierter Medikamentengabe das Leben. In einem emotionalen Brief, den Burchert mitgebracht hatte, bedankt sie sich dafür, dass Michel sie nicht aufgegeben habe. »Ich werde sie nie vergessen, meinen Stern in der dunkelsten Nacht«, schreibt sie am Ende des Briefes. Stand jetzt geht es ihr gut. Michel gab sich bescheiden und lobte all jene, die an seiner Arbeit beteiligt sind.

Zum anderen erhielt Dr. Johannes Mayer den Nachwuchspreis. Er hat besondere Dienste in der Entzündungsforschung von Hautkrankheiten geleistet. Im Zuge dessen ist er weit herumgekommen, so folgten seiner Promotion in Schottland Aufenthalte in den USA und Neuseeland, bevor der seit 2019 nunmehr neunfach bepreiste Doktor nach Deutschland zurückgekehrt ist. Im Mittelpunkt Mayers Forschung steht die »dendritische Zelle«. Diese sind Teil des Immunsystems und entsprechend auch relevant bei der Forschung nach Ursachen für beispielsweise Allergien oder Neurodermitis. Prof. Wolfgang Pfützner, der Mayers Festrede hielt, zog den Vergleich zum Fußball.

Die Zelle sei wie ein Libero, der Bedrohungen auffange und das Spiel aufbaue. Sie befinde sich überall, »wo wir Kontakt mit der Außenwelt« haben. Für die Frage, weshalb Hautkrankheiten überhaupt auftreten, könne die Arbeit des 34-jährigen Doktors noch wichtig werden.

Alle drei erhielten eine Urkunde. Der Preis ist zudem mit je 5000 Euro dotiert. »Für die Zukunftsfähigkeit einer starken Hochschulmedizin sind optimal ausgebildete junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Voraussetzung und Garant zugleich«, betonte Stiftungspräsident Dr. Lars Witteck. JLU-Präsident Joybrato Mukherjee hielt ebenfalls eine Rede.

Lebenswerk

Nicht minder gewürdigt wurde zudem das Lebenswerk von Prof. Petra Netter und Prof. Joachim Netter. Petra Netter, bis 2002 JLU-Professorin, nahm ihre und die für ihren im Juli verstorbenen Ehemann verliehene Ehrenplakette entgegen. Die Gäste erhoben sich im Gedenken an den Verstorbenen. Joachim Netter hatte sich in Marburg auf Pharmakologie und Toxikologie spezialisiert. Lars Witteck sagte, beide seien Menschen »die mehr tun, als das, was sie müssen«. Dadurch werde Zivilgesellschaft geformt und gefördert. »Menschen an beiden Universitätsstandorten schätzen sie unendlich«, so Witteck. Sie machten den Unterschied, ob eine Stadt Universitätsstadt oder eine Stadt mit einer Universität sei. Petra Netter bedankte sich und entgegnete: »So viel Lob ist viel zu viel Lob«. Die Medizinerin und Psychologin freute sich jedoch sichtlich.

Witteck hob zudem die Spenden der Netters hervor die sich auf über 80 000 Euro belaufen und die von der Stiftung mitverwaltet werden. Insbesondere vor dem Hintergrund des Krieges, der wirtschaftlichen Lage und der Inflation betonte er das Finanzielle. Er legte zudem dar, dass die Stiftung kosteneinsparend umstrukturiert worden ist.

Umrahmt wurde das Ganze von einem Quartett aus Mitgliedern des Gießener Universitätsorchesters.

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