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Ein Abend, so vielfältig wie Konfetti

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So sehen Sieger aus: Poetry Slammer Philipp Herold nahm die Siegerpreise entgegen. © Müller

Gießen. Beim Poetry Slam Dreikampf im Großen Haus des Stadttheaters blieb am Wochenende kaum ein Auge trocken. Die drei angetretenen Künstler sowie Stamm-Moderator Lars Ruppel lieferten einen so amüsanten wie vielfältigen Abend. Geschlechtsverkehr, das Thomas-Syndrom, Beatbox-Klänge oder eine Power-Point-Präsentation über Dummheit waren nur einige der Programmpunkte.

Doch auch eher nachdenkliche Töne trafen ins Schwarze.

Etwa beim späteren Sieger Philipp Herold aus Heidelberg, der sich die sozialen Medien vornahm. »Versuche Yoga, geh pumpen, mach was alle tun, sei gleich. Nur um am Ende festzustellen, dass man das perfekte Produkt ist. Aber irgendwo gibt es schon wieder etwas besseres als dich.« Der 31-Jährige überzeugte die Zuhörer und die fünfköpfige Publikums-Jury in den Disziplinen Text, Musik und Freestyle mit seiner Mischung aus Witz und Tiefgang am meisten. Zudem überraschte Herold, als er sich für seinen Musikpart Unterstützung aus der Lahnstadt holte. Der Gießener Beatboxer und Slam-Poet Stefan Dörsing lieferte die basslastigen Klänge für den Rapsong des Heidelbergers.

Definitiv die meisten Lacher auf seiner Seite hatte Sebastian Rabsah alias »Sebastian 23«. Der Bochumer nahm sich den »Geschlechtsverkehr« vor: »Ich weiß, ich bin auf die Bühne gekommen und ihr habt sofort gedacht, hoffentlich redet der Typ über Sex. Ich kenne mich da aus.« Pointiert zog er die »typisch deutsche Sexiness« durch den Kakao, die sich vor allem durch Überkorrektheit und Pünktlichkeit auszeichne.

Den Abend komplettierte Leticia Wahl, von Ruppel als »so vielfältig wie Konfetti« vorgestellt. Die Kasselanerin trug ein von Erich Kästners »Lyrischer Hausapotheke« inspiriertes Gedicht vor, das die Macht der Sprache zum Thema hatte. »Menschen sind wie Schwämme, jeder muss für sich selbst rausfinden, wie er sich am besten ausdrücken kann.«

Den Schlusspunkt setzte sie mit einem fetzigen Schlager. Bei ihrer Liebeserklärung an das prickelnde Getränk »Viertel vor Sekt« stimmten auch die drei anderen Bühnenkünstler mit ein. Gewinner Philipp Herold freute sich, wie beim Gießener Poetry Slam üblich, schließlich über spektakuläre kleine Preise, die vom Publikum mitgebracht wurden. Eine Kaugummipackung, eine DVD-Sammlung des Fußballmagazins »Kicker« mit den »besten Spielen aus 50 Jahre Bundesliga« sowie eine Sparbuch-Hülle. Das kann sich doch sehen lassen.

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