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Ein angekündigter Mord

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Von: Petra A. Zielinski

Gießen. »Meine besten Ideen habe ich, wenn ich etwas Banales tue, wie beispielsweise die Spülmaschine auszuräumen«, verriet Ursula Poznanski. Die Bestseller-Autorin aus Wien las am Dienstagabend in der »Jungen Kirche Gießen« nicht nur aus ihrem Buch »Stille blutet«, sondern stellte sich im Anschluss daran auch gerne den Fragen ihrer Zuhörer.

Zu Beginn ihres eben erst erschienenen Buches, das den Auftakt zu einer neuen Thriller-Reihe bilden soll, lernt das Publikum die Wiener Nachrichtensprecherin Nadine Just kennen, die bei ihren Kollegen nicht sonderlich beliebt ist. Umso größer ist die (Schaden-)Freude, als sie vor laufender Kamera ihre eigene Ermordung ankündigt. Den entsprechenden Text liest sie, ohne groß darüber nachzudenken, vom Teleprompter ab.

Während der Chef von »Quick News« sich nach diesem Ereignis Sorgen um den Ruf des Senders macht, hält Nadine dies für einen schlechten Scherz und macht sich weniger Gedanken um ihr Leben als um ihre Karriere. Ein Fehler, wie sich schnell herausstellen soll. Denn kurze Zeit später ist sie tot. Und sie wird nicht die Einzige bleiben. Ebenso ergeht es dem Blogger Gunther Marzik nach einer ähnlich lautenden Ankündigung.

Wer hinter den kaltblütigen Morden steckt, ließ Ursula Poznanski genauso offen, wie die Frage, um wen es sich bei der geheimnisvollen Figur handelt, die den Leser direkt anspricht und mehr zu wissen scheint als die Polizei. »Wir kennen uns noch nicht, aber ich bin hocherfreut, dich zu sehen«, sagt die mysteriöse Person, die betont, nicht der Mörder zu sein, aber eine Überraschung parat zu haben.

Nach ihrer erfolgreichen Vanitas-Trilogie schickt die Wienerin mit Fina Plank eine junge Ermittlerin ins Rennen, die - wie sie augenzwinkernd betont - untypisch für das Genre und »weder depressiv noch drogenabhängig ist«. Fina Plank hat nicht nur mit dem Fall zu kämpfen, sondern auch mit ihren Kollegen, allen voran Oliver, der »nur zwei Typen von Partnern akzeptabel fand. Entweder einen Mann - vorzugsweise einen Kumpeltyp, der über seine Witze lachte, einen Buddy, mit dem er eine verschworene Einheit bilden konnte. Oder eine heiße Braut, die zu ihm aufblickte und seine Worte nur durch bewunderndes Nicken kommentierte.«

Unterwegs in der Medienwelt

Im Zeitalter von sozialen Medien, die Hashtags wie »inkürzetot«, Nachahmer-Beiträge und Memes hervorbringen, muss Fina Plank zwischen echter Spur und schlechtem Scherz unterscheiden. In »Stille blutet« wirft Poznanski nicht nur einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Medienwelt, sondern erzählt auch eine raffinierte Geschichte, in deren Zentrum schnell der Exfreund der ermordeten Nachrichtensprecherin gerät.

Für ihren Jugendthriller »Erebos« erhielt Ursula Poznanski 2011 den deutschen Jugendliteraturpreis. Dass sie allerdings über Bücher für die ganz Kleinen zum Schreiben gekommen ist, verriet die sympathische Autorin im Anschluss. Für ihre Ideen habe sie kein Rezept, verriet die »bekennende Couchschreiberin«. Das Ende habe sie allerdings immer im Kopf und wisse, wer warum hinter dem Verbrechen stecke.

Für fachliche Fragen stehe ihr ein »netter Wiener Ermittler« als Ratgeber zur Verfügung. Durch ihn habe sie auch erfahren, dass Polizeiarbeit in Wahrheit auch sehr viel Büroarbeit bedeute. »Die Menschen werden nicht immer zu Hause besucht, sondern eher bei der Polizei einbestellt«, erzählte sie. Aber das sei ja für einen Roman viel zu langweilig. Auch »hübsche Details«, etwa, dass die Spurensicherung zwar alle Spuren sichert, aber nicht alle auswertet, habe sie erfahren. Denn diese Auswertung sei nicht gerade billig. Und: In 90 Prozent der Fälle stecke hinter einem Verbrechen nicht der große Unbekannte, sondern vielmehr der (Ex-)Mann. Privat liest die Wienerin übrigens gerne auch mal einen Historienroman.

Pfarrer Alexander Klein, erstmals Gastgeber beim Krimifestival, bedankte sich bei Ursula Poznanski, deren neues Buchcover übrigens passenderweise mit dem Stephansdom auch eine Kirche ziert.

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