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Ein Anstoß in barer Münze

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Erneut virtuell kamen Mitglieder der Anstoß-Stiftung und Vertreter der geförderten Vereine zur Spendenübergabe zusammen. © Wißner

Vereine und Initiativen in gießen und der Region können sich über Zuwendungen in Gesamthöhe von knapp 31000 Euro aus Mitteln der Stiftung Anstoß und Kooperationspartnern freuen.

Gießen. »Ein Segen für die Stadtgesellschaft was die Stiftung Anstoß hier leistet«, lobte Oberbürgermeister Frank-Tilo Becher in seinem Grußwort die Arbeit der Stiftung Anstoß, die erneut während einer Zoom-Veranstaltung Zuwendungsbescheide in Höhe von insgesamt 30.973 Euro überreichte. Fünfzehn Projekte von sozialen Gruppen und Institutionen aus Stadt und Landkreis Gießen werden in diesem Jahr von der Stiftung gefördert und mit einem »Anstoß« versehen.

Wie Stiftungs-Vorsitzender Wolfgang Balser betonte, fördere die Anstoß-Stiftung seit mittlerweile einem Vierteljahrhundert Projekte in der Region. Es habe deutlich mehr Anträge gegeben als es die Förderung zulässt. Deshalb wurde die Möglichkeit der Kooperation genutzt, etwa mit der Bürgerstiftung der Sparkasse Gießen wie auch der Cornelia-Patricia-Nix-Stiftung und einem Modehaus im Seltersweg. »Wir nutzen diese Kooperation für Projekte, wo unsere Mittel nicht reichen und die nicht in unserem Förderauftrag liegen«, betonte Balser.

In seinem Grußwort blickte der OB auf den Beginn der Stiftungsarbeit 1997 zurück: »25 Jahre Unterstützung, Helfen und Beteiligen und immer mit der Perspektive, etwas Anzustoßen, zu Initiieren - das war stets der Charakter der Stiftung. Und stets auch Toleranz zwischen den Kulturen und Generationen zu fördern. Genau die Spannbreite ist in dem, was gefördert werden soll, präsent«.

Von einem Festival der guten, sozialen Ideen, des großen Engagements und dies zum Nutzen der Menschen der Region, sprach Balser. »Wir sind froh, dass uns dies trotz der anhaltend niedrigen Zinsen gelungen ist und wir ihre Arbeit unterstützen können. Die Projekte zeigen eine große Vielfalt und es gibt einen großen Bedarf an der Unterstützung solcher Projekte«, verwies Balser auf den Armutsbericht des Landkreis Gießen, der aufzeige, dass zehn Prozent der Bürger im Landkreis armutsgefährdet sind und jedes siebte Kind in Armut lebt.

»Wir haben den Anspruch solche Projekte zu fördern, um konkrete Wirkungen und Verbesserungen für die Menschen in der Region zu erreichen.

Schweigeminute

Die stellvertretende Anstoß-Vorsitzende, Pfarrerin Jutta Becher, und Regine Leithäuser moderierten die bereits zum zweiten Mal in digitaler Form erfolgte Übergabe der Zuwendungsbescheide. »Wir leben in bewegten und bedrückenden Zeiten«, begann Becher die Zusammenkunft mit einer Schweigeminute angesichts des Kriegs in der Ukraine und zündete eine Kerze an. Durch die Zuwendungen soll sich die Lebensqualität für Menschen in schwierigen und sozialen Verhältnissen verbessern. Überhaupt sei es das besondere Anliegen der Anstoß-Stiftung, für soziale Gerechtigkeit und interkulturelle Toleranz einzutreten.

Der höchstdotierte Zuwendungsbescheid ging mit 3300 Euro an den Verein Dembe Eritreischer als Mietkostenzuschuss für sein eritreisches Vereinsheim. Mit jeweils 3000 Euro unterstützt wurden der Verein Christopher Street Day (CSD) Lahn, der im Juni zum zweiten Mal den CSD mit Kulturbühne und Umzug in der Ringallee abhalten will. Auch das Büro für angewandte Kultur und Bildung GIENNALE III, das seit 2017 ein Filmfestival ausrichtet, erhielt 3000 Euro für Workshops.

AFBA, »All Family Building Association«, hat in Gießen einen Raum für Begegnung und Angebote für migrantische Familien als Untermieter gefunden und erhielt ebenfalls 3000 Euro. Das Frauenhaus Gießen will mehrere Werbevideos gegen »Gewalt im Namen der Ehre« in acht Sprachen produzieren und Kerstin Pfeiffer erhielt dafür 2753 Euro. Holger Klaus von der gemeinnützigen Gesellschaft für Integration, Jugend und Berufsbildung (IJB gGmbH) konnte sich über 2299 Euro freuen, von denen unter dem Arbeitsnamen »Regenschirm« ein Vordach als Wetterschutz für einen Bauwagen angeschafft werden soll. Erneut gefördert werden die Radfahrkurse für Frauen und Diverse von AllRad mit 2200 Euro. Das Kunstprojekt »mehr Impulse« in Kooperation mit dem Verein künstLich und ZIBB »ich bin ich!« für Kinder und Jugendliche erhielt 2190 Euro. Zur Finanzierung einer Abendaufsicht im Wohnheim für junge Frauen erhielt der Verein Aktion Perspektive 2000 Euro, wobei sich hier auch die Cornelia-Patricia-Nix Stiftung einbringt.

Sophie Weckmüller dankte beiden Stiftungen, die es ermöglichten, dass das Angebot noch um diesen Baustein erweitert werden könne, von dem die Frauen profitieren werden. Julia Birnthaler vom Verein Wildwasser Gießen sprach von einem »wahren Schub«, den die 1886 Euro für die Aktualisierung der Leihbibliothek darstelle. Bärbel Weigand von der Werkstattkirche in der Nordstadt konnte sich über 900 Euro für eine Musikwerkstatt für Kinder aus prekären Familienverhältnissen freuen. Das Forum Alter und Jugend Bildung erhielt 885 Euro, mit denen Sprachtandems bei der Stabilisierung von Sprachpatenschaften gefördert werden, wie Anne Thomas berichtete. »Wir freuen uns ganz doll« versicherte Kornelia Steller-Nass von der AWO, deren generationsübergreifendes Gartenprojekt »Von Oma und Opa lernen« in Kleinlinden 400 Euro für eine Bauerngartengruppe erhielt. Die Anschaffung einer Stickmaschine finanziert der Jugendwerkstatt das Modehaus Köhler. Wie Geschäftsführer Ludwig Vordemfelde berichtete, habe sein Haus bereits lange überlegt, alte Kleidung in neue zu verwandeln. Dies praktiziere die Jugendwerkstatt bereits und so könne ab dem 2. April bei Köhler gebrauchte Kleidung abgegeben werden, aus denen dann von der Jugendwerkstatt kreative, neue Sachen angefertigt werden.

Aus Alt mach Neu

Zum Start der Aktion wird die Jugendwerkstatt im Modehaus anwesend sein. Im September sollen dann die Ergebnisse ausgestellt und auch käuflich erworben werden. »Wir freuen uns auf Krawatten, daraus kann man die tollsten Sachen machen«, so Vordemfelde abschließend. »Bleiben sie sehr dran, denn solche Dinge sind hoffnungsvoll - und das brauchen wir in diesen Zeiten«, so Jutta Becher, während Balser in seinem Schlusswort bedauerte, dass erneut durch die digitale Form der Austausch und das Gespräch untereinander nicht möglich waren. Doch eine Möglichkeit dies nachzuholen soll das 25-jährige Stiftungsjubiläum sein, das am 6. Juli - hoffentlich nicht mehr durch Corona eingeschränkt - gefeiert werden soll.

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