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Ein Dezember für Geschichtsbücher

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Dicke Wolken und nur wenige Lichtblicke: Dieser Anblick war typisch im Dezember 2022. Foto: Jung © Jung

»Liddy« und »Kerstin« waren für ungewöhnlich hohe Temperaturen im letzten Monat des vergangenen Jahres auch im Gießener Land mit verantwortlich.

Gießen. Der letzte Tag des Jahres und somit auch der Dezember geht - zumindest was das Wetter betrifft - in die Geschichte ein: Der zwölfte Monat verabschiedete sich 2022 mit einer außergewöhnlichen Wetterlage mit außergewöhnlichen Temperaturen. Die bisherigen Silvesterrekorde an vielen Wetterstationen wurden überschritten. Als höchsten Wert für die Station Gießen meldete der Wetterdienst Q.met 16,9 Grad tagsüber, als Minimum am Boden wurden 9,2 Grad gemessen.

Schmuddelwetter

Es blieb trocken, doch nur eine halbe Stunde zeigte sich die Sonne. Kaum Zeit also, um sich vom zu Ende gehenden Jahr würdig zu verabschieden. Dafür war der Wind deutlich zu spüren, 17,1 Meter pro Sekunde erreichte die höchste Windspitze, das sind immerhin 62 km/h pro Stunde. Die Meteorologen sprachen vom wärmsten Silvester seit Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Eine stramme südwestliche Strömung zwischen zwei ausgedehnten Luftdruckzonen, die Tiefs hießen »Liddy« und Kerstin«, über West- und Nordeuropa und eine Hochdruckzone von Nordafrika über dem Mittelmeerraum bis zum Kaukasus waren für das milde Wetter zum Jahreswechsel verantwortlich. Die Wettergebilde lenkten warme Subtropikluft nach Deutschland. Zum Grillen war der Silvestertag zwar nicht geeignet, doch das Silvesterfeuerwerk konnte man ohne dicke Jacke genießen, auch wenn der Wind ordentlich blies. Auch die Weihnachtsfeiertage gestalteten sich heuer wieder so, wie man es gewöhnt ist: mit Schmuddelwetter.

Begonnen hatte der Dezember ohne Niederschlag und ohne Sonne. Die machte sich im gesamten Wintermonat ziemlich rar, nur 27,1 Stunden schien sie, an 14 Tagen blieb es duster am Himmel. Doch im Vergleich zum vieljährigen Mittel von 1961 bis 1990 war das kein besonderer Ausreißer, mit 32 Sonnenstunden lag der Wert nur geringfügig höher, was 84,7 Prozent des Normalwertes entsprach.

Mit 58,2 Litern Niederschlag pro Quadratmeter war es nicht sonderlich nass und auch hier bewegten sich die Aufzeichnungen im normalen Bereich, der Wert liegt bei 73 Litern in den Jahren von 1961 bis 1990 - und somit bei 79,7 Prozent des Normalwertes.

Doch der Dezember zeigte auch seine kalte Schulter: Mit minus 13,4 Grad bewies er, dass er auch Winter kann, am 18. erreichten damit die 19 Frosttage - das sind Tage, an denen die Temperatur unter Null Grad fällt - ihren Höhepunkt. Am 19. Dezember, einem Montag, machte nach Regen in der Nacht, und damit Eisglätte am Morgen, den Pendlern das Leben schwer. Spiegelglatte Straßen führten zu einigen Autounfällen und Stürzen bei Fußgängern.

Zu trocken

Als Mitteltemperatur registrierte die Station Gießen im ersten Wintermonat 2,2 Grad, im vieljährigen Mittel sind es 0,9 Grad gewesen, sodass die Abweichung 1,3 Kelvin beträgt. Deutlich zu trocken und mit mehr Sonne als üblich wurde das Jahr 2022 verabschiedet, das wiederum ein Stück Wetter- und Klimageschichte geschrieben hat.

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