"Ein enges Rennen" in Gießen

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GIESSEN - (olz). Spannung bis nach Mitternacht. Dann steht fest: Alexander Wright von den Grünen und Frank-Tilo Becher von der SPD gehen in die Stichwahl um das Oberbürgermeisteramt. Wie haben die Fraktionsvorsitzenden der Stadtverordnetenversammlung den Wahlkrimi erlebt?

"Ich freue mich, dass es zwei Kandidaten aus dem progressiven Lager in die Stichwahl geschafft haben. Für die bestehende Koalition ist das stabilisierend", sagt Ali Al-Dailami. Nun drücke man beiden Kandidaten die Daumen, so der Fraktionsvorsitzende der "Gießener Linken". Amtskollege Christopher Nübel von der SPD ist froh, dass Frank-Tilo Becher in der Stichwahl ist. "Wir rechnen uns gute Chancen aus." Als Person und mit seinem Programm stehe Becher dafür, die Stadtgesellschaft zusammenzubringen, und nicht nur für ein Thema. "Er ist sicher auch ein gutes Angebot für Wähler aus dem konservativen Lager."

"Chaotische Zustände"

Das Wahlergebnis zeige, dass viele Gießener die grün-rot-rote Mehrheit haben wollten, bewertet Heiner Geißler. Er sei gespannt, wie die Arbeit im Parlament - für die die Koalition einen "neuen Stil" proklamiert habe - mit einem Oberbürgermeister aus den Reihen der Partner weitergehe. Seine Fraktion hoffe, dass sich die "chaotischen Zustände" im Parlament künftig nicht im Magistrat fortsetzten, betont FDP-Fraktionsvorsitzender Dominik Erb. Es sei unklar, wer die Stichwahl gewinnt, aber "wir hoffen, dass der neue Oberbürgermeister die Zusammenarbeit mit allen demokratischen Kräften sucht", erläutert Erb.

"Das war ein schlechter Tag für die Union", analysiert CDU-Fraktionsvorsitzender Klaus Peter Möller. Leider habe Frederik Bouffier die Stichwahl nicht erreicht, aber "er hat toll gekämpft." Möller spricht von einem Achtungserfolg, denn erst am Ende des Wahlabends hätten sich die Konkurrenten in geringem Maß vom CDU-Kandidaten abgesetzt. "Frederik Bouffier hat das Wählerpotenzial gehoben, das zu heben war", wertet der Fraktionsvorsitzende, der als Ursachen für die Niederlage unter anderem ein gefestigtes linkes Lager in der Stadt und den Bundestrend nennt. "Gießen bekommt ein Weiter-So was ideologisch verblendete Klimapolitik betrifft. Egal, ob am Ende Becher oder Wright das Rennen macht", denkt AfD-Fraktionsvorsitzende Sandra Weegels.

"Uns war immer klar, dass es ein enges Rennen wird", berichtet Lutz Hiestermann. Mit dem Erreichen der Stichwahl sei die erste Aufgabe aber gemeistert, wenn auch knapp, meint der Vorsitzende der Fraktionsgemeinschaft Gigg+Volt, die eine Empfehlung für Frank-Tilo Becher ausgesprochen hat.

"Wir waren in vier Wahlen hintereinander stärkste Kraft in Gießen. Das ist ein Supererfolg, auch das Ergebnis der OB-Wahl ist super", freut sich Klaus-Dieter Grothe, langjähriger Fraktionsvorsitzender der Grünen. Der Abstand zwischen beiden Kandidaten sei knapp, aber "wir werden in den nächsten vier Wochen alles geben, um zu zeigen, dass Alexander Wright ein Kandidat für alle ist, nicht nur für die Jüngeren", resümiert Grothe.

"Wir wussten, dass wir nur als Sieger nach Hause gehen können. Was wir aber nicht geahnt haben war, dass alle anderen so stark verlieren würden. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten nun den Kandidaten, die Unmengen an Geld ausgegeben haben, um ihre Wahlplakate in den Straßengraben vandaliert zu sehen", kommentieren die Stadtverordneten Darwin Walter und Andrea Junge von Der Partei.

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