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»Ein exzellenter Illustrator«

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Grafikdesigner Ali Mojahedi stellt zurzeit eine Auswahl seiner Arbeiten in der Praxis Greilich aus. Foto: Schultz © Schultz

Neue Kunst ist wieder aktuell in der Praxis Greilich in Kleinlinden zu sehen. Ali Mojahedi ist Grafikdesigner und zeigt eine Auswahl auch ganz aktueller Arbeiten.

Gießen . Neue Kunst ist wieder aktuell in der Praxis Greilich in Kleinlinden zu sehen. Ali Mojahedi ist Grafikdesigner und zeigt eine Auswahl auch ganz aktueller Arbeiten. Der Gießener Künstler befasst sich mit dramatischen Motiven mit pop-ikonografischem Charakter, zeigt aber auch ganz vertrauliche Porträts, darunter eine Gießener Ikone. Am Mittwoch war Vernissage.

Ali Mojahedi stammt aus Teheran und machte in Kassel sein Fachabitur für Gestaltung. Anschließend studierte er an der dortigen Kunsthochschule Grafikdesign. Schon während des Studiums fand er ins Berufsleben. Inzwischen lebt er in Gießen und arbeitet als Künstler und selbständiger Grafikdeseigner. Seine Vorlieben? »Ich interessiere mich gerade für Street Art, ich mag fröhliche Farben.« Seine handwerkliche Bandbreite umfasst Malerei in Acryl auf Leinwand, Zeichnen mit Copic-Marker und Bleistift, Tusche, Kolorierung. Anschließend werden die Bilder eingescannt und nachbearbeitet, bevor sie auf Papier ausgedruckt werden. Mojahedi gestaltet auch Fassaden malerisch, dann durchaus im ganz großen Format.

Laudator Hans-Michael Kirstein, selbst Grafikdesigner und Comiczeichner, war durchaus angetan von der Schau und nahm ein »hohes Repertoire als Maler und Zeichner« wahr. Man hatte sich bereits 2014 beruflich getroffen, als Kirstein Mitherausgeber des Gießener Kulturmagazins »Bogart« war (ursprünglich gedacht als Mitmachmagazin »Be our guest artist«), ein Versuch, zwischen 2008 und 2015 nicht nur die lokale Kunst- und Grafikszene darzustellen. Damals gelangte auch Mojahedi aufs Titelbild. Er porträtierte inzwischen etwa die Spieler des VFL Wolfsburg, eine professionelle Auftragsarbeit.

»Er ist ein exzellenter Illustrator mit echtem Gespür für das Mimische, das szenische Arrangement. Er besitzt die Fähigkeit, sich durch großes Einfühlungsvermögen psychologisch einzubringen. Er stattet seine Figuren zwar mit einer leichten Heroik aus, schafft dabei jedoch keine Übergestalten,« sagte Kirstein. »Den porträtierten Sportlern wird schon der Kranz geflochten, sie werden aber nicht zu Marvel-Helden.« Mojahedi habe ein sehr gutes Gefühl für die Zeichnung, die Königsdisziplin der Niederschrift. »Er ist als Maler nicht so subtil wie als Zeichner,« fügte Kirstein hinzu und lobte die sehr hohe Genauigkeit und das menschliche Engagement in der Zeichnung, welches nicht verraten, sondern gewürdigt werde. »Doch hinter all der Stilisierung realistischer, leicht cartoonesker Art bleibt das Menschenbild.«

Auch politische Bezüge sind vorhanden. Etwa im Porträt einer Frau, die mit einem modischen Hut und einer Coronamaske fast verhüllt ist, wobei sich der rote Mund durch die Maske drückt. »Hier wehrt sich Sinnlichkeit gegen Maskierung« sah Kirstein ein neu geschaffenes Narrativ und eine Verbindung zu den »heroischen demonstrierenden Frauen in Teheran. Ganz diskret blickt auch der »Schlammbeiser« in zwei farblichen Variationen von der Leinwand.

Manche Arbeiten fand zutreffenderweise Kirstein »etwas zu plakativ«, vor allem im Hinblick auf Mojahedis Kompetenz beim Porträt. »Ihr eigentliches Talent ist die feinziselierte, psychologisierende Darstellung des Menschen.« Bei aller Dramatik und Suspense in den intensiven Tableaus verleugne Mojahedi diesen Aspekt seiner Figuren nicht.

Bis auf weiteres in der Praxis Greilich, Kleinlinden, Waldweide 5, zu den üblichen Öffnungszeiten.

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