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Ein Fan des Elefantenklos

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Blieb zum Quatschen etwas länger: Kabarettist Jürgen Becker. Foto: Czernek © Czernek

Der Kölner Kabarettist Jürgen Becker kam in die Kongresshalle - mit aktuellen Themen und Bier für alle.

Gießen (bcz). Zu einem kabarettistischen Rundumschlag holte Jürgen Becker bei seinem Gastspiel am Wochenende in der Kongresshalle aus: Der einem breiten Publikum durch die langjährige Moderation der WDR-«Mitternachtsspitzen« bekannte Kölner stellte sein aktuelles Programm »Die Ursache liegt in der Zukunft« vor. Lässig an einen Stehtisch gelehnt führte der 63-Jährige eine Art Kneipengespräch mit dem Publikum über aktuelle, auf den Nägeln brennende Themen.

Corona ist vorbei und liefert dennoch nach wie vor den besten Stoff, denn vor drei Jahren hätte wohl niemand daran gedacht, dass man nur mit einer Maske eine Bank betreten dürfe, bemerkte Becker. »Früher hätte es da echte Probleme gegeben.« In München wurde zweimal das Oktoberfest abgesagt, »doch der Kölner Karneval muss stattfinden, denn das ist ja Volkskunst«. Im übrigen seien ja auch die ganzen Karnevalsspaßbremsen an der Verbreitung von Corona schuld: Die seien nämlich alle nach Ischgl gefahren und mit Corona im Gepäck zurückgekommen. Beckers entsprechend sarkastisches Fazit: Zuhause feiern, auch wenn ein paar hundert Kilometer weiter die Bomben fallen. »Das tut den Menschen gut.«

Mit jovialem Zungenschlag widmete sich der Kölner Allgemeinplätzen, die von Politikern gerne in Talkshows serviert werden. Dazu zählt etwa der Satz: Die Zukunft ist ungewiss. »Natürlich ist die Zukunft ungewiss, das liegt in der Natur der Sache, nur sind wir Menschen im Gegensatz zu den Tieren zukunftsgeil. Einen Bären juckt die Debatte um die Energiekrise nicht, der macht einfach Winterschlaf«.

Ernst wurde der Kabarettist beim Thema Gesundheitssystem. Für seine Kritik an den Arbeitsbedingungen und der Bezahlung von Pflegepersonal bekam er herzlichen Applaus, in Gießen traf er damit auf offene Ohren. Auch, dass die Lufthansa in der Pandemie mit staatlichen Milliardensummen gestützt wurde, sorgte bei dem Kölner für Unmut. Schließlich sei damit auch der CO2-Ausstoß befördert worden. »Solchen Wachstum braucht kein Mensch.« Entsprechend kritisch ging der Kabarettist mit Themen wie Kapitalismus und dem Glauben an ungeteiltes Wachstum. Schuld an diesem Irrglauben seien einzig und allein die Betriebswirtschaftler, die alles unter dem Aspekt der Gewinnmaximierung betrachten würden. »Wir brauchen einen Kapitalismus ohne Wachstum.« Wenn die Betriebswirtschaftler regierten, gehe es schief, wie man es heute sehen würde. Daher lautete Beckers Bitte: »Lasst das normale Menschen machen. Das ist wie bei einer Pizza: Zuviel Belag bringt nichts. Weniger ist mehr«. In dieser kurzweiligen Art ging der Rheinländer weitere Themen wie die Digitalisierung, den öffentlichen Nahverkehr, chinesische Großkonzerne oder veganes Essen durch.

Atmosphäre eines Kneipengesprächs

Zu jedem guten Kneipenbesuch gehört auch ein Bierchen und das gab es tatsächlich im Anschluss ans Programm: Becker hatte für jeden ein Fläschchen dabei. »Einfach so, damit wir noch ein bisschen zusammenstehen und reden können, zum Beispiel über das Elefantenklo«. Das Bauwerk findet er klasse, am Liebsten würde er darüber mal ein Programm mit einem hiesigen Künstler zusammen machen, bekannte er. Der ausgeschenkte Gerstensaft war natürlich feinstes Kölsch, denn etwas anderes kann es für einen bekennenden Kölner gar nicht geben.

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