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Ein »Gaukler Gottes« geht

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Wehmütiger Abschied: Die Konfirmandinnen und Konfirmanden sagten mit einem Spalier »Auf Wiedersehen«. Foto: Jung © Jung

Pfarrer Wolfgang Heger verlässt den Gießener Stadtteil Rödgen in Richtung Eschwege, und will Ruhe im Ruhestand finden. Es war ein leicht wehmütiges Abschiedsfest,

Gießen. »Der Pfarrer geht, die Gemeinde bleibt«, stellte wehmütig Pfarrer Wolfgang Heger im Verabschiedungsgottesdienst in der Rödgener Kirche von der Kanzel herunter fest. Ein Festgottesdienst im voll besetzten Gotteshaus und ein »Überraschungsfest« zu Ehren des Mannes, der 20 Jahre als evangelischer Seelsorger im Stadtteil arbeitete, waren nur äußerliche Zeichen der Würdigung und Anerkennung des beliebten Pfarrers.

Die Verbundenheit zu dem 65-Jährigen, der das christliche Leben der Rödgener zwei Jahrzehnte auf vielfältige Art und Weise gestaltete und große Spuren hinterlässt, war deutlich bei der Verabschiedung zu spüren: In Worten, dem Händedruck und auch mit Tränen. Ein Abschied hinterlasse eine Stimmung, sagte Wolfgang Heger, der zu Beginn seiner Predigt auf humorvolle Weise seine Rolle als Pfarrer, unterlegt mit den entsprechenden Requisiten darstellte. Es wurde zu Beginn viel gelacht. Heger bekannte, sein Idol sei Peter Lustig, »man sollte seine Löwenzahn-Sendung heiligsprechen, forderte er.

»Was kommt auf uns zu?«, ist eine der Fragen, die im Raum steht. »Finden wir jemand, fragen sich nun die evangelischen Gläubigen«. In seinen Worten der Predigt erwähnte er auch die Küsterin Emmi, die seit 47 Jahren im Dienst der Kirchengemeinde stand und die er als sein »größter Fan« bezeichnet. Wolfgang Heger kehrt in die alte Heimat nach Eschwege zurück, wo sein Vater mit bald 103 Jahren lebt. Und er will zur Ruhe kommen, wenn sie ihm zu viel wird, »dann bin ich sofort wieder hier«, kündigte er an und langanhaltender Applaus signalisierte Zustimmung. Propst Matthias Schmidt entpflichtete Wolfgang Heger von seinem Amt und segnete ihn für seinen weiteren Weg. »Man sieht die Zuwendung zum Menschen hin«, beschrieb er zutreffend den in Ruhestand gehenden Seelsorger. Rödgen sei dessen Ankerpunkt gewesen, stellte Schmidt fest. Heger habe zu den, vom Kabarettisten Hans-Dieter Hüsch sogenannten, »Gauklern Gottes« gehört.

Pfarrer Wolfgang Heger hatte ab 1975 evangelische Theologie in Göttingen, München und Marburg studiert, war sechs Jahre in wissenschaftlicher Assistenz in Marburg und Heidelberg tätig und absolvierte sein Vikariat in Kassel. 1990 war die Ordination in der Marburger Elisabethkirche. Er wechselte durch Heirat in die südhessische Kirche zu seiner Ehefrau nach Großen-Buseck. Zwei Söhne kamen dort zur Welt. Ab Mai 2002 übernahm er die Pfarrstelle in Rödgen, 2005 kam Trohe hinzu. Seit acht Jahren war Heger auch für Gottesdienst und Seelsorge im Seniorenzentrum Annerod zuständig.

Mit Erinnerungen an die Gemeindefeste der vergangenen Jahre, die durch eine Kirchenvorsteherin und einen Vertreter der Burschenschaft - in der Heger übrigens Mitglied ist - vorgetragen wurden, konnte die Festgemeinde zur Verabschiedung erkennen, dass die Kirchengemeinde durch die Mitwirkung des Pfarrers in allen Bereichen des Dorfes eingebunden ist. Nach einer solch langen Zeit ging der Abschied allen Beteiligten sehr zu Herzen, »der Gemeinde, wie mir selbst«, stellte Heger im Gottesdienst fest. »So ein Abschied kostet richtig Kraft!. Aber mehr noch bleibt die Dankbarkeit, und die Hoffnung auf noch viele Besuche von ihm in die Gemeinde. Ein Lob sprach der Scheidende den Rödgener Gläubigen aus: »Sie waren von Anfang an sehr dankbar und aufgeschlossen für neue Ideen«. Es habe immer verlässliche Kräfte und »gute Seelen« im Zusammenhalt des Gemeindelebens gegeben, erinnerte er an die harmonische Zusammenarbeit.

Den Gottesdienst umrahmten musikalisch Danilo Kuhn (Orgel) und Katharina Pior (Geige) sowie ein Chor aus Mitarbeitenden der Kirchengemeinde.

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