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Ein Hobby fürs ganze Leben

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Von: Eva Pfeiffer

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Die Mitglieder sind sich einig: Bridge ist ähnlich anspruchsvoll wie Schach. Fotos: Pfeiffer © Pfeiffer

Das Kartenspiel ist »Denksport für alle Altersgruppen«, sagen die Aktiven des Gießener Bridgeclubs. Wer das Spiel lernen möchte, für den gibt es bald einen Anfängerkurs

Gießen . Für den Schauspieler Omar Sharif war es »die zweitschönste Nebensache der Welt«: Das Kartenspiel Bridge, dem mitunter das Klischee anhaftet, dass es vor allem von älteren Damen bei einer Tasse Tee gespielt wird. Dabei sei Bridge keineswegs nur etwas für die ältere Generation, betont Barbara Werther: »Bridge ist Sport. Ein Denksport für alle Altersgruppen.«

Die 75-Jährige leitet den Bridgeclub Gießen, eine Abteilung des MTV 1846. Ihre Leidenschaft für das Kartenspiel währt bereits drei Jahrzehnte, damals hatte sie einen Anfängerkurs besucht. »Ein Kurs ist ratsam, denn man muss die Konventionen erlernen, wie auch bei Skat oder Rommé.«

Was gefällt der Abteilungsleiterin an dem Kartenspiel so gut? »Es hält den Geist in Bewegung. Und man hat sehr lange etwas von seinem Hobby, denn man kann es auch noch mit Rollator spielen.« Da sei es auch nicht schlimm, dass man als Anfänger erstmal die Regeln lernen muss. Je nach Lerngeschwindigkeit könne es mehrere Monate bis ein Jahr dauern, ehe man fit genug ist, um an Turnieren teilzunehmen. »Aber was ist ein Jahr, wenn man danach 20 oder 30 Jahre lang spielt?«

Für Neulinge bietet der Gießener Bridgeclub nach den Herbstferien wieder einen Anfängerkurs an. Barbara Werther hofft, auch Jüngere für das Kartenspiel begeistern zu können. Zusammen mit der stellvertretenden Abteilungsleiterin Doris Ihle hat sie beispielsweise in Fitnessstudios oder bei Lehrern Werbung gemacht. »In Polen wird Bridge sogar in der Schule gespielt«, weiß die 75-Jährige. »In Deutschland hat das noch Seltensheitswert.«

Jeden Mittwoch treffen sich die Bridgefreunde zu einem Turnier. Wer will, kann dabei auch Punkte sammeln, um an höherklassigen Turnieren teilzunehmen. In Gießen mache davon derzeit aber nur ein Teilnehmer Gebrauch. »Wir spielen gemütliches Turnierbridge«, sagt die Abteilungsleiterin. Dabei gehe es auch nicht um Geld, »sondern um die Ehre«. Wer gewonnen hat, errechnet am Ende der Computer.

Doris Ihle spielt seit 2018 Bridge, die Grundlagen brachte ihr ein Nachbar bei. An Turnieren außerhalb Gießens nimmt sie nicht teil: »Ich muss noch viel lernen.« Ohnehin lerne man beim Bridge immer dazu, auch noch nach Jahren. »Man muss ein bisschen Ausdauer mitbringen - und natürlich Interesse.«

Kurz vor der Pandemie hatte der Bridgeverein schon einmal einen Anfängerkurs geplant und auch zahlreiche Anmeldungen erhalten. Doch die Kontaktbeschränkungen machten den Kartenspielern einen Strich durch die Rechnung. »Wir hoffen, dass wir in diesem Jahr das Spiel aufrecht erhalten können.«

Für ein Spiel braucht es vier Personen, zwei sich gegenübersitzende Spieler bilden eine Mannschaft. Bridge-Partnerschaften haben mitunter über Jahrzehnte Bestand, erzählt Werther. Je besser die Partner eingespielt sind, desto besser sei am Ende auch ihre Platzierung. Doch auch wer noch keinen Partner hat, ist beim Bridgeclub willkommen: »Wir helfen gerne bei der Suche. Ich bin auch alleine gekommen«, verdeutlicht Doris Ihle. Auch eine MTV-Mitgliedschaft ist nicht notwendig, aber gerne gesehen. Nicht-Mitglieder zahlen ein geringes Startgeld für die Turnierteilnahme.

Der derzeit einzige Mann im Bridgeclub ist Sportwart Christoph Moritz. »Ich brauchte geistige Abwechslung, als ich für mein Diplom gelernt habe«, erinnert er sich an seinen ersten Kontakt mit dem Kartenspiel, das ähnlich geistig fordernd sei wie Schach.

Das sieht auch Christel Dütge so, die seit zehn Jahren spielt. »Bridge ist weitaus anspruchsvoller als Doppelkopf oder Skat. Das wäre so, als vergleiche man »Mensch ärgere dich nicht« mit Schach.«

Der Bridgeclub bietet nach den Herbstferien einen Anfängerkurs an. Ein Informationsnachmittag dazu findet am kommenden Freitag, 14. Oktober, ab 17.15 Uhr in der Cafeteria des Pflegeheims St. Anna in der Hermann-Levi-Straße statt. Ein negativer Corona-Test ist notwendig. Interessenten können sich auch bei Barbara Werther informieren unter 06426/7372 oder bbwerther@web.de. (red)

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Zwei sich gegenübersitzende Spieler bilden ein Team. © Eva Pfeiffer

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