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Ein Idyll als perfekte Leinwand

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Ein Höhepunkt des Programms: die musikalische Tanzperformance von Miranda Glikson und Georg Wolf. Foto: Schultz © Schultz

Hardthof als Arthof Das zweitägige Kunstfest bot ein hochwertiges Programm mit Malerei, Performances, Installationen und Musik.

Gießen. Ein hochwertiges Programm bot am Wochenende die zehnte Auflage des Kunstfestivals »Hardthof/Arthof«. Auf dem Gelände des Unteren Hardthofs gehörten bildende Kunst im Innen- ,Außen- und unterirdischen Bereich ebenso wie Performances und Musik zum Programm.

Die Bewohner und die Mitglieder des Hardthofvereins hatten dabei natürlich beste Voraussetzungen, ihr bildschönes und teils verträumtes Anwesen ist eine Sehenswürdigkeit für sich. Zahlreiche Künstler waren mit ihren Werken zu Gast in der Galerie, in einigen Wohnräumen und natürlich dem ehemaligen Brauereikeller, der zum traditionellen Schauort ungewöhnlicher Installationen geworden ist.

Comicfiguren und Fadenkreuz

Paul Hess zeigte im Keller seinen kurzen Film »Ohne Amok« mit Zeichnungen des Anzeiger-Kolumnisten Andreas Eikenroth. Kein herkömmlicher Comic-Film, der aber den Charme der Vorbilder beibehält und zugleich eine willkommene Kooperation Gießener Künstler. Ganz hinten im Dunklen zeigte Wennemar Rustige grün schimmernde Bildtafeln (»Borderline I-III«). Darin zu sehen waren Flüchtlinge, die durch ein Nachtsichtgerät, zum Teil mit Fadenkreuz, geortet werden. Die Arbeit nimmt eindrücklich Stellung zu der dramatischen Situation an den Außengrenzen Europas im Jahr 2016 und den zum Teil bis heute andauernden Zuständen; sehr stimmungsvoll inszeniert.

Eher heiter war dagegen die Arbeit des Duos Vanessa Wagner & Bertram B. Ohne. Sie beschäftigten sich in ihrer performativen Installation mit der Frage, wie viel Zeit wir mit Schlafen, Essen und Freizeit verbringen. Die Figur eines aus Textilelementen geschaffenen Riesen belebte die ansonsten düstere Szene.

Tonkünstler Werner Cee - er überzeugte vor Kurzem mit einer Klangperformance im Kloster Arnsburg - präsentierte im großen oberen Innenhof eine kraftvolle, stimmige Synthese aus Musik, Klang und Natur. Grundlage war eine aufwändig produzierte Neufassung seiner »Dekonstruktion der Pastorale« von Beethoven, die mit ihren klassischen Elementen die Umwelt zum Schwingen brachte: ein Glanzlicht und ein Ort, an dem man im Klang schwelgend zu sich selbst finden konnte.

Einen markanten Akzent setzte Dorothea Gillert-Marien, Meisterschülerin der Kunsthochschule Mainz, in ihrer großformatigen Fotoinstallation mit dem Titel «_outside_in« an einer gemauerten Wand im Außenbereich, sehr ästhetisch auch im Regen.

Vielleicht die Hauptattraktion des Programms war die musikalische Tanzperformance der Gießener Tänzerin Miranda Glikson und des Kontrabassisten Georg Wolf in der Galerie. Glikson war lange Mitglied der Gießener Tanzcompagnie und widmete sich danach Projekten in der freien Szene. Dabei fand sie oft zur Kooperation mit dem Gießen Improvisers Pool, zu dem Wolf gehört. Umgeben von Bildern von vier Künstlern boten die beiden erstmals im Duo eine persönliche Interpretation des Raums, der Atmosphäre und des jeweiligen Tuns des anderen. Leicht, sensibel und zugleich packend, berührte diese gute Viertelstunde die Zuschauer intensiv.

Hinzu kamen weitere Künstler, die in der Galerie zu Besuch waren. Josef Krahforst zeigte impressionistisch angehauchte, abstrahierte Landschaften. Mona Löffler präsentierte digitale Fotocollagen: sehenswerte Arbeiten mit klarer malerischer Aussage. Anna Seibels war mit teils großformatigen Bildern vertreten, aus der ein kraftvoller weiblicher Akt herausragte. Und Michael Ackermann widmete sich industriellen »Lost places«, alten Industriegebäuden. Er vermag es, den Verfall dieser Orte in einem hochästhetischen, dabei aber nicht verklärenden Duktus darzustellen. Ein bisschen versteckt, zeigte Reiner Packeiser eine Reihe seiner mit Graphitpulver gemalten Malerei nach Fotovorbildern, die eine vibrierende Lebendigkeit der Gesichter und Objekte vermitteln, emotional intensiv und hochästhetisch.

Musik gab es auch: Jazz von Margot’s Jazz Lounge sowie Yacoub & Hannah sowie als Hauptgruppe Wait for June. Letztere stellten ihre neue CD mit einer abwechslungsreichen Mischung von Pop, Folk, Indie und einer Prise Funk vor und überzeugten auf rundum hohem Niveau.

Viele Besucher am Denkmaltag

Für Funk waren auch am Sonntag die Jazzer des Butzbacher Duos Smart Groove Project zu haben. Die beiden erfahrenen Musiker Ron Faust (Saxofon) und Shanaka Perera (Keyboards), bekannt durch ihre Mitarbeit bei den weihnachtlichen Auftritten von Black Coffee in Lich, unterhielten ihr Publikum auf mitreißende Weise.

Die Konzertvorstellung war gut, der anschließende Rundgang übers Denkmal Hardthof sogar sehr gut besucht. »Die Besucher kamen am Sonntag zahlreich,« freute sich Rainer Gläsel, Vorsitzender des Vereins, »die Rückmeldungen waren allgemein sehr positiv«.

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Perfekt in die Umgebung eingefügt: die Fotoinstallation von Dorothea Gillert-Marien. Foto: Schultz © Schultz

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