1. Startseite
  2. Stadt Gießen

Ein Kaisermantel für’s Volk

Erstellt:

Der Carl von Linné hat den Schmetterling des Jahres 2022 auf den wissenschaftlichen Namen Argynnis paphia getauft - wir nennen ihn einfach Kaisermantel.Und der ist auch in Gießen zu finden.

Gießen. Man muss nicht auf die Fashion Week nach London. Auch nicht die Kleiderkammer des japanischen Kaisers durchstöbern, um einen Kaisermantel zu finden. Schon an einem sonnigen Waldrand oder im blütenreichen Botanischen Garten kann man ihm begegnen. Das liegt einfach daran, dass es sich hier nicht um ein Kleidungsstück handelt, sondern um einen Schmetterling. Seinen Namen verdankt er dem Volk und dessen wunderlichen Vorstellungen über des Kaisers neue Kleider.

Der Edelfalter flattert in den gemäßigten Zonen Mitteleuropas bis nach Japan herum. Die bis zu 65 Millimeter spannenden Flügel sind auf der Oberseite orange-hellbraun eingefärbt und mit schwarzen Punkten verziert. Auch die Unterseite der Tragflächen ist im Gegensatz zu vielen anderen Vertretern der Schmetterlinge prächtig gestaltet.

Perlmuttfalter

Neben moosgrüner Farbe tauchen Silberstreifen auf. Sie bedingen den Namen Silberstrich und überführen den Tagfalter als ein Mitglied der Perlmuttfalter. Der Erstbeschreiber Carl von Linné hat den Schmetterling des Jahres 2022 auf den wissenschaftlichen Namen Argynnis paphia getauft. Der Gattungsname bedeutet nicht nur die Silberne, sondern ist ein Beiname der Venus. Also der Liebesgöttin, die einst als Aphrodite an der Küste Zyperns aus dem Schaum geboren wurde.

Auf die Lokalisation dieses Ereignisses wird im Artepitheton hingewiesen: »paphia« gleich Bewohnerin von Paphos auf Kypros. Also bereits Linné hat bei der Namensgebung ganz ordentlich Fantasie gezeigt. Aphrodite hätte ihre helle Freude an dem Kaisermantel gehabt. Schließlich gehören neben der Liebe noch die Schönheit und die sinnliche Begierde zu den Tätigkeitsfeldern der Liebesgöttin.

Die männlichen Schmetterlinge haben da einiges zu bieten. Auf ihren Vorderflügeln weisen sie vier dunkle Streifen auf. Hier befinden sich Duftschuppen, mit denen der Schmetterlings-Hochzeiter verführerische Sexuallockstoffe in den Äther abgeben kann. Bei der Balz sollen sie das Weibchen in seinem Sinne beeinflussen. Nach der Paarung legt das Weibchen die Eier einzeln ab. Allerdings in der Regel nicht an den Futterpflanzen der Raupen, sondern an geschützten Stellen unter der Baumrinde, gerne in der Nähe von Veilchen. Wenn die Raupen im Sommer schlüpfen, machen sie sich über die leeren Eihäute her. Ohne weitere Nahrungsaufnahme überwintern sie in Verstecken.

Hunger auf Veilchen

Im nächsten Frühjahr haben sie einen mächtigen Kohldampf, den sie mit dem Verzehr verschiedener Veilchenarten stillen. Aus den Puppen schlüpft zwischen Juni und September die neue Schmetterlingsgeneration. Zu den Lieblingspflanzen der Schmetterlinge gehören Dost, Disteln, Brombeere und Baldrian. Der noch recht häufige Kaisermantel ist eine von 95 im Botanischen Garten nachgewiesenen Schmetterlingsarten.

Auch interessant