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Ein »Kompliment« für Gießen

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Stimmungsvoller Auftakt des Gießener Kultursommers im Klosterhof auf dem Schiffenberg. © Petra A. Zielinski

Gelungener Auftakt zum Kultursommer Gießen: Die »Sportfreunde Stiller« fühlen sich auf dem Schiffenberg wie auf Klassenfahrt und überzeugen mit guter Laune und Spielfreude.

Gießen. »Hier in Gießen auf der Bühne zu stehen, ist wie eine Mischung aus Klassenfahrt und Klassenfahrt mit den richtigen Leuten«, freute sich Peter Brugger, Frontmann der Indie-Rock-Band »Sportfreunde Stiller«. Damit meinte der Sänger sicher nicht nur die Corona-bedingte Zwangspause der aus Germering bei München stammenden Gruppe, sondern auch die Wiedervereinigung der Band nach »fünf Jahren Abstinenz«.

Die gute Laune und die Spielfreude war den Musikern bei der Eröffnung des Gießener Kultursommers auf dem Schiffenberg deutlich anzumerken, doch brauchte es etwas, bis sich die Zuhörer davon auch mitreißen ließen. Da das Konzert leider längst nicht ausverkauft war, hatte auch jeder die Möglichkeit, kräftig bei den Liedern mitzugehen. Nach einem rockigen Start stimmten Rüdiger »Rüde« Linhof, Florian Weber und Peter Brugger ihren etwa zehn Jahre alten Hit »New York, Rio, Rosenheim« an und brachen damit den Bann. Auch die erste Single ihres neuen Albums »I›m alright« kam beim Publikum gut an. Die Botschaft dahinter: Die Welt ist, wie sie ist, und ich gehe meinen Weg.

Zwei weitere Lieder des neuen Albums »Jeder nur ein X« - das Zitat stammt übrigens aus dem Monty-Python-Film »Das Leben des Brians« - stellte die Band in Gießen vor: »Spektakulär« und »Wir stellen einen Wächter«. Bei letzterem zeigten die Künstler, dass sie durchaus auch in der Lage sind, nachdenkliche Töne anzustimmen.

Der Song wurde von einem »Freund Florians im Norden« inspiriert und handelt von einem Menschen, der unter Depressionen leidet. »Kein Herz bleibt für immer schwarz - nicht mal Deins«, heißt es darin. Die klare Aussage lautet: »Es ist wichtig, Menschen mit Depressionen zur Seite zu stehen.« Die Formulierung »einen Wächter stellen« steht in der Bibel. Harper Lee verwendete diesen Titel - im Original »Go set a Watchman« - als Erstentwurf für ihren Weltbestseller »Wer die Nachtigall stört«.

»In der wunderschönen Stadt Gießen habe ich mir heute dieses Buch gekauft«, freute sich Brugger. Mit dem zeitkritischen »Ich scheiß auf schlechte Zeiten« bot die Band ihrem Publikum eine echte Weltpremiere.

Natürlich durften auch die großen Hits der Gruppe, die 20 Jahre zusammengespielt und 2016 ihr letztes gemeinsames Album auf den Markt gebracht hat, nicht fehlen. Angefangen bei »Applaus, Applaus« über »Sieben Tage, sieben Nächte« bis hin zu »Kompliment« und »Geschenk«. Bei Letzterem gab es schließlich kein Halten mehr im Publikum: Es wurde lautstark mitgesungen. Kaum einer, der nicht textsicher war.

WM-Hit fehlt

Bei »Siehst Du das genauso?« gingen die Handylampen an und schwangen im Rhythmus mit. Selbstverständlich brachten die »Sportfreunde Stiller« mit »Lasst uns Wellenreiten gehen« auch ihre allererste Single zu Gehör.

Eine gehörige Portion Selbstironie bewiesen sie schließlich bei ihrem Lied »Wahl«. »Wir waren nie bei einem Casting. Uns hat niemals wer gefragt. Wir können auch nicht singen, haben wir auch nie gesagt«, heißt es darin.

Während die »Sportis« die meisten ihrer größten Hits sangen, so fehlte leider einer. Die Zuhörer, die zumindest bei den Zugaben das WM-Lied »54, 74, 90, 2006« erwartet hatten, wurden enttäuscht. Schließlich ist doch Sport eine bleibende Konstante bei der Band, die sich nach Hans Stiller, dem ehemaligen Trainer der Bezirksligamannschaft SV Germering, benannt hat, in der Peter und Florian lange Zeit Fußball gespielt haben.

Als Vorgruppen heizten Enno Bunger & Band sowie My Ugly Clementine dem Publikum mächtig ein.

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Unterhalten ihre Fans mit alten und neuen Songs: die »Sportfreunde Stiller«. Fotos: Zielinski © Zielinski

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