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Ein Konzert, ein Glücksfall

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Das »Pan Symphonie Orchester« unter Leitung von Kiril Stankow begeisterte mit Solist Julius Joachim in der Kulturkirche St.Thomas Morus. Foto: Schultz © Schultz

Zwischen sanftem Schweben und kraftvollem Großklang: Das »Pan Symphonie Orchester« unter Kiril Stankow liefert in der St. Thomas-Morus-Kirche in Gießen eine glänzende Vorstellung ab..

Gießen. Eine glänzende Vorstellung lieferte am Samstag das »Pan Symphonie Orchester« unter Kiril Stankow in der Kirche St. Thomas Morus. Das bestens disponierte Ensemble musizierte mit Soloposaunist Julius Joachim Werke von Webern, Wagenseil und Tschaikowsky. Die herausragende Handwerksleistung des Ensembles und die enorme Emotionalität rissen die Zuhörer komplett mit.

Das begann schon beim Auftakt mit C. M. von Weberns Ouvertüre aus »Der Freischütz«. Das war schön fein moduliert, und sofort wurde klar, dass man es klug in den enormen Kirchenhall eingebettet hatte: so wahrte man eine sehr gute Transparenz. Das Spektrum reichte vom sanften Schweben bis zum kraftvollen Großklang. Dabei wurden mehrere Faktoren deutlich. Zum einem der vorbildlich homogene Klang der bestens disponierten Blechbläser, die mit eindrucksvoller Stabilität gleichsam einen ruhenden Pol im Geschehen darstellten. Daneben gab es eine sehr gute, ja souveräne Gestaltung der Dynamik und und durchgehende inhaltliche Stimmigkeit; das erste Glanzlicht des Abends. Das Orchester setzt sich großenteils zusammen aus ehemaligen Musikern des Jugendsinfonieorchesters Kassel, die teilweise bereits in führenden deutschen Orchestern spielen.

Dirigent Kiril Stankow (*1982 in Neubrandenburg) tat genau das Richtige, er begegnete dem Kirchenhall mit Volumen und schuf so ein beeindruckendes Konzerterlebnis. Stankow konzertierte bereits mit dem MDR Sinfonieorchester, dem Nationaltheaterorchester Mannheim, und dem Gärtnerplatztheaterorchester München. Er ist seit dieser Spielzeit als erster Kapellmeister am Staatstheater Kassel engagiert. Er agierte hoch präzise und sichtbar emotional involviert, verbunden mit dem Orchester. Das wiederum leistete sich keine Schwächen und glänzte mit famoser Geschlossenheit.

Gespannt war man auf den Soloposaunisten Julius Joachim (aus Waldeck, inzwischen erster Soloposaunist am Nationaltheater Mannheim). Er musizierte mit dem Ensemble Georg Christoph Wagenseils Konzert für Altposaune und Orchester in zwei Sätzen. Joachim überzeugte vom Start weg mit eindrucksvoller Sicherheit und einem schönen, klaren Ton, den er auch mit auffallend sicherem Gespür in den Raum setzte.

Elegantes Gleiten

Das Orchester glitt elegant und auffallend konstruktiv neben dem Solisten dahin, sodass man einer perfekten Synthese lauschen konnte, mit wunderschönen solistischen Elementen darin. Riesenbeifall. Dem allgemeinen Trend zur politischen Korrektheit in der Kunst folgend begründete das junge Ensemble die Aufführung der folgenden Sinfonie des russischen Komponisten P. I. Tschaikowsky (1840-1933) in einer Ansage damit, dass man es im Wesentlichen als musikalisches Werk ohne etwaige politische Aspekte aufgefasst und studiert hätte: bedauerlich, dass dies heute für nötig gehalten wird.

Tschaikowskys Sinfonie Nr. 6 h-Moll »Pathetique« rundete sodann den Abend ab. Zunächst gab es ein weiches Einschwingen, eine melancholische Stimmung, die sich jedoch ins lebhaft Sprudelige veränderte, um dann wieder leise und besinnlich zu klingen. Immer wieder gab es jedoch spannende Phasen, in denen sich eine heftige Dynamik aufbaute.

Die Musik fand schließlich zur großen, auch dunkleren Geste und wurde dann sehr narrativ, sogar zart. Man setzte einen vollkommen stabilen Abschluss mit einnehmender Emotion - toll. Im Zweiten wurde es dann beschwingt, frühlingshaft und auch beruhigend - die Komposition sorgte für niemals versiegende emotionale Abwechslung. Noch ein Glanzlicht war der dritte Satz mit seinen verspielten, ja fetzigen Phasen; fast tänzerisch und mit einem unverkennbaren Hollywoodmusik-Klang.

Das Orchester lieferte diese durchaus anspruchsvollen Elemente mit größter Geschlossenheit ab, was ihnen ermöglichte, auch kleinste Nuancen fürs Publikum hörbar zu präsentieren, ebenso wie die titelgebende abschließende, große pathetische Geste. Oder die ganz genau ausgeführten dramatischen Pausen im Geschehen, das im letzten Satz von einem famos ausgeführten, überraschenden, sanften, Abschluss gekrönt wurde.

Ein beeindruckendes Konzert auf höchstem Niveau, ein Glücksfall.

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