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Ein Konzert wie ein Buffet

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Rundum gelungen: Helmut Fischer, Marko Mebus, Axel Schmitt, Burkhard Mayer und Johannes Langenbach bei ihrem Auftritt im »Ulenspiegel«. Foto: Schultz © Schultz

Einen gelungenen Auftakt nahm das Oktoberfestival der Jazzinitiative Gießen. Das Ensemble »Organ, Horn and Groove« spielte mit zwei Gastmusikern ein fabelhaftes Programm von Klassikern.

Gießen. Einen rundum gelungenen Auftakt nahm das diesjährige Oktoberfestival der Jazzinitiative Gießen am Mittwoch im gut besetzten Ulenspiegel. Das Gießener Ensemble »Organ, Horn and Groove« spielte mit zwei Gastmusikern ein fabelhaftes Programm von Klassikern, das direkt in die Beine und durchaus auch ans Gemüt ging. Auch das noch zu erwartende Programm kann sich hören lassen.

Helmut Fischer (Orgel), Burkhard Mayer (Gitarre) und Johannes Langenbach (Schlagzeug) als hier ansässiges ständiges Trio bildeten die solide Grundlage, zu der sich an diesem Abend noch die Frankfurter Bläser Marko Mebus (Trompete) und Axel Schmitt (Saxofon) gesellten, zwei Hochkaräter, wie sich herausstellen sollte. Man spielte ein Programm mit Klassikern wie Jimmy Smith, Jack McDuff, Dr. Lonnie Smith, die in den fünfziger und sechziger Jahren das Genre des Orgeltrio im Jazz begründeten. Stilistisch agierte man eher in rhythmisch betonten Gefilden, Soul-Jazz und Funk-Jazz, letzteres sogar sehr eindrücklich.

Mit Gefühl

Der Start lief nur mit dem Trio und einem Titel von Steve Smith, »Brush off«. Helmut Fischer agierte wie auch später durchgehend angenehm expressiv an der Orgel, und Johannes Langenbach federte flott mit, während Burkhard Mayer seine typischen Tonketten an der Gitarre ertönen ließ. Routiniert, aber mit Gefühl kam das, und man erinnerte sich, dass niemand in der Region so eine echte Hammondorgel spielt, und ein ähnliches Trio gibt es auch nicht. Fischer traf also insofern auf ganz frische Ohren.

Das galt auch für die zwei Bläser aus dem Frankfurter Raum, Marko Mebus (Trompete) und Axel Schmitt (Saxofon). Sie erfreuten in »Dieter gets the urge« von Fischer. Die beiden spielten zunächst einige Patterns, die die Komposition vorgab, um dann zu solistischen Ausflügen aufzubrechen. Dabei überzeugte Mebus, der zwar flott aber sanft musizierte ganz und gar; Fischer spielte auf der Orgel einen schönen runden Bass ein. Schmitt hingegen musizierte sehr schön, mit einem eindeutig narrativen Duktus, was einen angenehmen Kontrast ergab. In den Duo-Passagen lagen sie perfekt zusammen, in den Soli spielten sie mit besonderer Werkdienlichkeit, was selten ist im Jazz. Schon wurde klar, dass hier eine sehr gelungene Besetzung auftrat - die man aufgrund der Umstände jedoch so schnell nicht wieder hören können wird, sehr schade.

Ein echtes Glanzlicht war dann Lou Donaldsons »Alligator bogaloo«, als Schmitt ein wundervolles Solo spielte, einfach nur ästhetisch und ohne Mätzchen, also geradeaus - einfach toll. Die Band agierte insgesamt mit großer Konzentration und Geschlossenheit, es herrschte große musikalisches Wohlbefinden. Auch in Mayers »My bossa« erfreulich zu hören war wieder der stets aufmerksame Johannes Langenbach. Der hoch versierte Jazzdrummer glänzte mit großem, doch unaufdringlichem Einfallsreichtum und einer ganz persönlichen musikalischen Aussage - im Zusammenhang mit dem Ensemble. Kabinettstückchen servierte er nur selten und knapp, jedoch höchst einprägsam. Burkhard Mayer war ebenfalls in bester Form, er perlte stets einfallsreich durchs Geschehen, machte gelegentlich Pausen und hörte mal einem Kollegen zu.

Noch ein Glanzlicht: »Under the bridge« (Red Hot Chili Peppers), mit einem träumerischen, hauchzart musizierten Gitarrenintro und einem wundervollen Saxofonsolo. Hier zeigte sich die Stärke dieses Ensembles ganz deutlich: Vier starke Persönlichkeiten, die alle ganz zurückgenommen konstruktiv agierten und so ein rundum bemerkenswertes und erfreuliches musikalisches Erlebnis schufen; großer Beifall. Nur der Drummer saß wie immer im Dunkeln.

In gewisser Weise war das wie ein musikalisches Büffet: es gab von allem sehr gut und reichlich, und man konnte sich im Grunde aussuchen, woran man sich gerade erfreuen wollte. Ein prächtiger Auftakt für das kleine Festival, das mit Manfred Becker und Tony Lakatos noch ein paar Schwergewichte bereithält.

Heute, Freitag, 7. Oktober

Konzertsaal im Jokus, 20 Uhr:

Manfred Beckers Impuls: Manfred Becker - accordeon, Wollie Kaiser - bass clarinet, bass flute, Daniel Schmitz - trombone, Georg Wolf - bass, Joe Bonica - percussion

Im Anschluss:

jazzIG - Big Noise Orchester: Mitglieder der JazzIG feiern zusammen mit Gästen und einem speziell für diesen Auftritt zusammengestellten Orchester das 40-jährige Jubiläum.

Samstag, 8.Oktober

Konzertsaal im Jokus, 20 Uhr:

The Tony Lakatos Organization: Tony Lakatos - saxophone, Jean Yves Jung - piano, Jean Marc Roben - drums

Im Anschluss:

Tamara Lukasheva Quartett: Tamara Lukasheva - vocals, composition, Lucas Leidinger - piano, Jakob Kühnemann - bass, Jens Düppe - drums.

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