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»Stoppt die Gewalt gegen Frauen«, appellieren die »Omas gegen Rechts«. Sie haben ihr Themenspektrum erweitert.

Wichtige Aufklärungsarbeit

»Ein Licht für jede getötete Frau«

Die »Omas gegen Rechts« halten in Gießen eine Mahnwache ab und machen dabei auf Partnerschaftsgewalt aufmerksam, bei der vor allem Frauen die Opfer sind.

Gießen (ekr). »Mord ist Mord« - darin sind sich die »Omas gegen Rechts« einig. Sie wollen daher neben ihren typischen Schwerpunkten nun auch das Thema »Frauenrechte« in ihr Programm aufnehmen. Viel zu oft komme es nämlich vor, dass in Gerichtsverhandlungen nach dem Mord an einer Frau von einer »Beziehungstat« oder einer »Trennungstat« gesprochen werde, erläutert Inge Bietz als eine der Hauptorganisatorinnen der jüngsten Mahnwache am Kugelbrunnen.

Nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofes würden bei »Trennungstötungen« oft sogar mildernde Umstände berücksichtigt, wenn die Trennung vom Opfer ausging und der Täter etwas verliert, das vermeintlich ihm »gehört«. In Deutschland endeten 2021 insgesamt 190 Fälle von Partnerschaftsgewalt tödlich für die Frau, verdeutlicht Inge Bietz. Und sie betont: »Wir können nichts dagegen tun, aber wir können darauf aufmerksam machen. Frauenthemen sind uns sehr wichtig!« Die ausschließlich weibliche Initiative, die es seit 2019 in Gießen gibt, arbeitet deshalb auch eng mit dem Frauenbüro der Stadt zusammen.

Aktion soll auch als »Warnung« dienen

Die Aufmerksamkeit der Fußgänger im Seltersweg ist den »Omas gegen Rechts« am Samstag gewiss. Viele werden von den Kerzen, die sie um den Kugelbrunnen herum verteilt haben, angelockt. Für jeden bekannten Fall von Partnerschaftsgewalt im vergangenen Jahr brennt eine Kerze unter dem Motto »Ein Licht für jede getötete Frau«. Die Aktion, die eigentlich schon im November anlässlich des »Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen« stattfinden sollte, diene nun »zum Anfang des Jahres sozusagen als Warnung«, sagt Inge Bietz. Die Gesellschaft setze sich zu wenig mit dem Thema »Gewalt gegenüber Frauen« auseinander, meint auch Monika Luh und erklärt, dass es sich die »Omas gegen Rechts« zur Aufgabe gemacht hätten, dies zu ändern. Die politische Richtung spiele dabei zunächst keine Rolle. »Es geht gar nicht um ein Bewusstsein, dass so und so viele Frauen tatsächlich ermordet werden.«

Neben der wichtigen Aufklärungsarbeit hat die Aktion zudem das Ziel, über Anlaufstellen für konkrete Fälle zu informieren und politische Forderungen zu erheben. »Wir sind der Meinung, dass das erstens ein Skandal ist und dass man zweitens Möglichkeiten zur Hilfe geben muss«, unterstreicht eine Mitorganisatorin und verweist zugleich auf die Internetseite www.omas-gegen-rechts-giessen.de, auf der die Gruppe viele weitere Informationen zum Thema zusammengetragen hat. Es sei entscheidend, immer wieder daran zu erinnern, wie viele Frauen von Gewalt jeglicher Art betroffen sind. »Und das ist nichts, wofür man sich schämen, sondern wogegen man sich wehren muss!«

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