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Ein Medley an die Liebe

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Beherrscht die Interaktion mit dem Publikum: die Nordhessin Mirja Regensburg. Foto: Czernek © Czernek

Gießen . Mirja Regensburg ist ein Bühnenphänomen, dass sich kaum beschreiben lässt: Sie quasselt, singt und niemand im Publikum ist vor ihr und ihren Fragen sicher - vor allem in der ersten Reihe. Doch diejenigen, die dort saßen, wussten wohl, was sie taten und spielten gern bei den Fragespielen und Kommentaren der schlagfertigen 47-Jährigen mit. Am Sonntagabend gastierte die Comedienne aus Nordhessen mit ihrem aktuellen Programm «Im nächsten Leben werd’ ich Mann« in der Kongresshalle.

Mit dem Satz sind aber weniger die Herren der Schöpfung gemeint, es ist vielmehr eine Anspielung auf die vielen kleinen und großen Unzulänglichkeiten der weiblichen Natur. Welche Frau kennt das nicht: Man will einen Bikini kaufen. Man findet ihn in dem ersten Geschäft, muss dann aber noch vier Stunden sämtliche anderen Läden aufsuchen, um anschließend zum ersten Modell in den ersten Laden zurückzukehren. Trefflich auch ihre Beobachtung des Kofferpackens für den Urlaub: Sie habe einmal mit ihrem Mann getauscht: Sie ist gefahren und er hat das Gepäck verstaut. Ihm reichte dabei ein Koffer für zwei Wochen, weil er nur die Sachen eingepackt hat, die sie wirklich anzieht, ohne alle Möglichkeits- und Notfall-Utensilien.

Männer sind da einfacher gestrickt. Mit einem Augenzwinkern vermutet Regensburg das in den Urgenen der Menschheit: Der Mann war in den Urzeiten darauf getrimmt, das Wild einfach und schnell zu erlegen, während Frauen immer schon alles hinterfragen: »Sollen wir dieses Mammut nehmen oder es doch lieber erst einmal zurücklegen lassen?« Das saß und traf. Denn wenn Frauen eins gut können, dann ist das die Unzufriedenheit mit sich und ihrem Körper zu thematisieren sowie die Kunst, anderen Vorwürfen zu machen: das Vorwürfisch-Reden. Dem Wortschwall der Frauen, die sich über alles aufregen können, steht die Kunst des Mannes, dies stoisch und ohne Widerwort zu ertragen gegenüber. Denn Widerworte nützen nichts. Auch hierfür erntet sie viel Zustimmung, sowohl beim männlichen wie auch beim weiblichen Teil des Publikums. Aus diesem und anderen Gründen wäre sie halt gern im nächsten Leben ein Mann - oder vielleicht auch lieber nicht.

Die bekennende Nordhessin Regensburg, die allerdings vor 16 Jahren nach Köln ausgewandert ist, amüsierte sich zusammen mit dem Publikum auch über die Orte des Umlands, aus dem die Leute zum Auftritt gekommen waren. So wurde etwa aus »Heuschelheim« ein »Nuschelheim«, dort stammt schließlich Til Schweiger her.

Mit Wortwitz und Selbstironie

Regensburgs Wortwitz sowie ihre Selbstironie sind ein Klasse für sich. Nicht zu Unrecht hat sie schon etliche Auszeichnen für ihre Bühnenshows erhalten. Denn ihre Stärke liegt in der Live-Performance: Da ist sie ganz die ultraschnelle Stand-up-Comedienne, die sich in stetiger Interaktion mit ihrem Publikum befindet. Sie fragt, kommentiert und baut Reaktionen ein. Sie ist direkt, frech, aber nie unter der Gürtellinie. Diese Bühnenpräsenz kann man nicht üben, das ist Improvisations-Comedy vom Feinsten.

Den Höhepunkt zum Schluss bildete ein zunächst scheinbar belangloses Interview mit einem Pärchen, das sie befragte: wann und wo sie sich kennenlernten, wie viele Kinder sie haben und vieles mehr. Für ihre Antworten erhielten die beiden als Dank ein Freigetränk. Zurück auf der Bühne baute die ausgebildete Musicaldarstellerin daraus eine persönliche Liebesballade für das Paar, in der sie die abgefragten Informationen mit einbaute - zu den anspruchsvollen Melodien der Hits »Pokerface« (Lady Gaga), »Hello« (Adele) und »Bohemian Rhapsody« (Queen). Diese Schlagfertigkeit ist nicht jedem gegeben - Regensburg schon.

Im Herbst geht sie übrigens mit einem neuen Programm auf Tour. Gießen darf sich schon darauf freuen.

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