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Ein Parkdeck wird zur Bühne

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Eindrucksvolle Körperkunst verspricht das Festival Tanzart - hier das Stück von Pascal Touzeau, das bei der Gala am 6. Juni im Großen Haus zu sehen sein wird. Foto: Rolf K. Wegst © Rolf K. Wegst

Gießen (bjn). Das traditionsreiche Gießener Festival TanzArt Ostwest sucht und findet immer wieder neue ungewöhnliche Orte abseits der Bühnen, um sie für Choreographien zu nutzen. Diesmal sind die Organisatoren im Einkaufszentrum Neustädter (neuerdings ohne Tor) fündig geworden. Die Ebene 3 des Parkdecks wird bei der 22. Auflage ebenso zum Spielort wie die Rolltreppen zwischen den Geschäften.

Aber natürlich auch im Stadttheater selbst sind bis zum 6. Juni wieder zahlreiche Stücke internationaler Gäste zu sehen. Insgesamt rund 180 Tänzer und Tänzerinnen aus zahlreichen Ländern sind daran beteiligt, wie Gießens Ballettdirektor und TanzArt-Initiator Tarek Assam im Pressegespräch berichtete.

Mit 180 Tänzern

Beim Auftaktabend am Freitag, 27. Mai, um 17 Uhr (auch 28. Mai um 17 Uhr, 4. und 5. Juni, jeweils 11 Uhr) sind acht Mitglieder der Tanzcompagnie Gießen mit der Uraufführung des Stücks »Unusual Grounds« auf dem Parkdeck zu erleben. Die choreographische Regie hat der Italiener Massimo Gerardi, zu dessen Inszenierung auch drei Sänger gehören, die Stücke von John Cage vortragen. Getanzt wird dabei in drei Bühnenräumen, die von Studierenden der Bauhaus-Universität Weimar entworfen wurden. Es sind die Sieger eines Wettbewerbs, der als Semesterarbeit angelegt war und dessen insgesamt 23 Entwürfe im Innern des Einkaufszentrums während des Festival-Zeitraums ausgestellt werden.

Weithin ohne Kulisse kommt hingegen Choreografin Sara Angius aus, die am Sonntag, 29. Mai, um 11 Uhr ihr Stück »Deck Three« (auch 3. Juni, 11 Uhr) auf der Parkfläche des Gebäudes zeigt. Ihre Inszenierung widmet sich diesem ganz speziellem Ort »zwischen dem Vertrauten und dem Unvertrauten«, wie sie sagt. Ihr steht dazu ein Auto zur Verfügung, aus dem die acht beteiligten Tänzer zu Klängen von Johann Strauß, Franz Schubert und einer Polka nach und nach zum Vorschein kommen werden.

Zuvor sind bereits zwei Inszenierungen in der taT-Studiobühne zu sehen. In »Romeo und Julia« widmet sich die Strado Compagnia Danza aus Ulm am 27. Mai (20 Uhr) der Frage, was aus dem Paar geworden wäre, wenn es das Drama überlebt hätte. Und in einem Doppelabend am 28. Mai (20 Uhr) geht es unter anderem um die Distanz zwischen Geist und Körper. Die Tänzer kommen aus Eupen und Kassel.

Zuvor stellt der Gießener Theaterfotograf Rolf K. Wegst um 15 Uhr sein neues Fotobuch »Tanzartik« im Einkaufszentrum vor. Daran beteiligt ist auch das Gießener Ensemble-Mitglied Magdalena Stoyanova mit einer Soloperformance.

Hinzu kommt mit »Look at me« am 1. Juni (16 Uhr) eine Rolltreppenperformance im Einkaufszentrum, die von der Compagnie Irene K. aus Eupen (Belgien) gestaltet wird. »In direkter Konfrontation mit dem Publikum«, wie Tarek Assam sagt, das dabei bisweilen wohl erstmals mit der Kunstform Tanz in Berührung kommen wird. In der taT-Studiobühne beginnt das Programm am 2. Juni (20 Uhr) mit dem Stück »Die Goldene Regel«, eine Auftragsarbeit von Thomas Noone. Am 3. Juni (20 Uhr) folgt ein Abend mit jungen Preisträgerin internationaler Wettbewerbe sowie mit »East meets West« (22 Uhr) ein Aufeinandertreffen internationaler Ensemble aus Spanien, Japan und Tschechien.

Die Gießener Uraufführung »Mond Morgen« mit Choreographien von Mauro Astolfi und Tarek Assam folgt am 4. Juni (19.30 Uhr). Wer dann noch Lust auf Tanz hat, kann zur nahen taT-Studiobühne laufen, wo um 22 Uhr »Southbound« mit zeitgenössischem Tanz und Compagnien aus Italien zu sehen sein wird.

Als Plattform für den Nachwuchs versteht sich der Abend »Next Generations« am 5. Juni (19.30 Uhr), dem dafür das Große Haus zur Verfügung gestellt wird. Gezeigt wird »ein hochkarätiges Programm«, so Tarek Assam, mit Stücken von sieben Ensembles, darunter das Folkwang Tanz Studio Essen, das Nationalkonservatorium Tanz aus Prag und das Königliche Tanzkonservatorium aus Den Haag. Es folgt um 22 Uhr auf der taT-Studiobühne das dreiteilige Stück »Across the Lines«, an dem Compagnien aus dem Nordharz, Lausanne und Braunschweig beteiligt sind.

Den Abschluss des 22. Tanzfestivals bildet am 6. Juni (19.30 Uhr) eine Gala mit Ausschnitten von choreographischen Arbeiten von Staats- und Stadttheatern im Großen Haus. Zwölf beteiligte Ensembles versprechen dann die Highlights ihrer Saisons sowie ein großes Finale dieses Programms, das einmal mehr spannende Einblicke in Sachen zeitgenössischer Tanz verspricht.

Das Programm des Festivals Tanzart läuft bis zum 6. Juni und zeigt Inszenierungen im Großen Haus und in der taT-Studiobühne des Stadttheaters sowie im Einkaufszentrum Neustädter sowie auf dessen Parkdeck. Tickets kosten zwischen 8,50 und 25,50 Euro, die Veranstaltungen im Einkaufszentrum sind kostenlos. Angeboten werden auch Festivalpässe, die für reduzierten Eintritt sorgen. Tickets gibt es im Haus der Karten am Kreuzplatz. Weitere Infos gibt es über die Seite des Stadttheaters sowie über www.tanzart-ostwest.de. (red)

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