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Ein »PLUS« durch Vernetzung

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Durch die Verknappung von Ressourcen wie Wasser und Nahrung werden auch die Verteilungskämpfe zunehmen. Symbolfoto: Ben Curtis/AP/dpa © Red

»Planetarische Nutzung von Nachhaltigkeitsstrategien«: DAAD fördert die SDG-Partnerschaft der JLU. Es gilt gemeinsam Lösungsansätze im Kampf um Ressourcen oder Klimawandel zu finden.

Gießen (red). Soziale Ungleichheit, Kampf um Ressourcen oder Klimawandel - Lösungsansätze für die drängenden Probleme der Gegenwart lassen sich nur gemeinsam mit strategischen Partnern und in Netzwerken finden. Hier setzt »PLUS« an: Die SDG-Partnerschaft »Planetary Utilization of Sustainability Strategies« (»Planetarische Nutzung von Nachhaltigkeitsstrategien«) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) besteht aus einem Konsortium mit acht Partnerhochschulen aus dem südlichen Afrika und Lateinamerika. Es wird getragen vom Gedanken, dass die Herausforderungen für eine nachhaltige Entwicklung nur in globalen Kooperationen und im Diskurs gelöst werden können; dazu müssen innovative Netzwerke geschaffen werden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) fördert das Projekt PLUS unter JLU-Federführung aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) im Programm »SDG-Partnerschaften«. Die JLU hat für die kommenden vier Jahre rund 400 000 Euro beantragt.

400 000 Euro beantragt

PLUS knüpft an bestehende internationale Partnerschaften an: Es ist ausgerichtet auf den Aufbau und die Verstetigung multilateraler Kooperationsstrukturen in zwei strategischen Partnerregionen der JLU: im südlichen Afrika (Botsuana, Mosambik, Namibia, Südafrika) und in Lateinamerika (Ecuador, Kolumbien). Beide Regionen sind einschneidenden sozial-ökologischen Transformationsfolgen ausgesetzt, die soziale Ungleichheiten verschärfen. Durch die Verknappung von Ressourcen wie Wasser und Nahrung werden auch die Verteilungskämpfe zunehmen. »Das Projekt PLUS geht Konfliktlinien der Gegenwart nach, indem es systematisch unterschiedliche Perspektiven einbindet und zueinander in Beziehung setzt«, erläutert Prof. Dr. Jörn Ahrens, der die Federführung des Projekts innehat. Der Kultursoziologe am Fachbereich 03 - Sozial- und Kulturwissenschaften der JLU kennt die Interessenkonflikte beziehungsweise die Kritik der Akteure an hegemonialen Ansprüchen in den beteiligten Regionen sehr genau. Nötig sei umso mehr ein gemeinsames Bemühen um alternative Konzepte. Daher gehe PLUS »transnational, multiperspektivisch und transdisziplinär« vor. Das Netzwerk werde weitere universitäre, zivilgesellschaftliche, politische sowie privatwirtschaftliche Partner einbinden.

Bei dieser internationalen Hochschulpartnerschaft zu den 17 Sustainable Development Goals (SDG) geht es vor allem um einen Mehrwert durch Vernetzung: Im Projekt PLUS sollen modellhaft Lösungsvorschläge und -strategien für globale Herausforderungen und für eine angemessene gesellschaftliche Praxis zur Erreichung der SDG erarbeitet werden. Dazu wird ein nachhaltiges und multilaterales Kommunikationsnetzwerk in Forschung, Lehre und Hochschulmanagement geschaffen, wobei die Initiatoren davon ausgehen, dass der sozialwissenschaftlichen Perspektive bei einer gesellschaftlichen Transformation hin zu einer nachhaltigen Entwicklung eine Schlüsselrolle zukommt.

Regionale Schwerpunkte

Innerhalb der regionalen Schwerpunktsetzung auf einer Süd-Süd-Achse zwischen dem südlichen Afrika und Lateinamerika nimmt PLUS eine vergleichende Perspektive ein. So werden Synergien für die Entwicklung von Strategien für eine global nachhaltige Entwicklung geschaffen. Zentrale Ansatzpunkte sind Verschränkungen zwischen sozioökonomischen und ökologischen Herausforderungen wie Klimawandel, Landverteilung, globale Gesundheit oder soziale Ungleichheit.

Konkrete Schritte sind bereits geplant: Zum Auftakt der Netzwerkaktivitäten sollen an der JLU eine erste Konferenz und eine International Networking Week im Sommer 2022 stattfinden. Bedarfsbezogene Fort- und Weiterbildungsveranstaltungen in Südafrika und in Kolumbien werden sich in den kommenden Jahren anschließen.

Auch sind im Partnernetzwerk binationale Promotionen zu SDG-Themen über Cotutelle-Agreements vorgesehen. Digitale Lehrangebote zu SDG-Themen werden verzahnt und digitale Vernetzungsmöglichkeiten für Studierende - unter anderem in Learning Labs - etabliert. Für das wissenschaftliche und administrativ-technische Personal der Partnerhochschulen stehen ebenfalls Fort- und Weiterbildungen auf der Agenda. Denn neben der Vermittlung von fachlicher Expertise legt PLUS Wert auf praktisches Alltagswissen, kulturelle Sensibilität und vor allem auf Transferkompetenzen.

Beteiligte Hochschulen: Zum SDG-Partnerschaftsnetzwerk PLUS gehören die North-West University und die University of Fort Hare in Südafrika, die University of Botswana (Gaborone), die Namibia University of Science and Technology (Windhoek), die Universidade Pedagógica, Mosambik (Maputo), die Universidad de Antioquia und die Universidad de los Andes in Kolumbien sowie die Universidad Andina Simón Bolívar, Ecuador.

DAAD-Programm:

Mit dem Programm »SDG-Partnerschaften« fördert der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) aus Mitteln des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) internationale Hochschulpartnerschaften zu den 17 Sustainable Development Goals (SDG). Aktuell wurden dazu 15 Projekte an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen ausgewählt.

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