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Ein Sack voll guter Gaben

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Von: Julian Spannagel

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Andrang herrschte in der Herrmann-Hoffmann-Akademie bei der Lebensmittelausgabe an Studierende. Foto: Spannagel © Spannagel

Die Gießener Hochschulgesellschaft verteilt Essen für Leib und Seele unter Studierenden. Die Schlange vor dem Gebäude der Hermann-Hoffmann-Akademie war lang.

Gießen. Die Studierenden leiden unter dem Druck der Inflation, insbesondere Heizkosten und Lebensmittelpreise machen sich bei der Mehrzahl der überwiegend ärmeren sozialen Gruppe bemerkbar. Die Gießener Hochschulgesellschaft (GHG) hat nun 1000 Beutel mit Lebensmitteln an die jungen Akademiker verteilt. Der Kostendruck ist wohl mitunter bereits so hoch gewesen, dass bei Mitbewohnern Lebensmittel stibitzt würden.

Reis, Nudeln, Konserven, Soßen und Knabberei - wenige Tage vor Weihnachten und kurz vor der vorlesungsfreien Winterpause wurde zahlreichen Studierende das Glück zuteil, dass die Gießener Hochschulgesellschaft in der aktuellen Lage eine kleine Entlastung für sie vorbereitet hatte. Für 15 000 Euro wurden 6500 Kilo Lebensmittel eingekauft. Der Ort der Vergabe war die Hermann-Hoffmann-Akademie in der Senckenbergstraße.

Schon vor Beginn der rund dreistündigen »Aktion Leibspeise« hatte sich vor dem Gebäude eine Schlange von geschätzt 400 Studierenden gebildet. Als die wartenden, überwiegend jungen Menschen schließlich hereingebeten wurden, ging es relativ zügig voran, sodass schon nach weniger als einer Stunde nur noch Nachzügler ihren Jutebeutel mit Essen entgegennehmen konnten, erläutert der Vorsitzende der GHG, Prof. Volker Wissemann. Mehrere Helfer überreichten den Studierenden jeweils persönlich einen der Beutel.

»Schöne Aktion«

»Es ist eine sehr schöne Aktion und ein schönes Zeichen«, findet Caro Cronacher, die einen der dann doch recht schweren, weil gut gefüllten Beutel abgeholt hat. Sie erklärt, dass sie nicht dringlich auf dessen Inhalt angewiesen sei. Jedoch sei sie wie viele Studierende »nicht gut gestellt«. Angesprochen auf die Frage, was sie sich von der Politik wünschen würde, erklärt sie, dass auch andere sozioökonomisch schwache Gruppen wie Rentner, Singles und Alleinerziehende Hilfe erhalten sollten.

Schwieriger hat es Jonas Issak. Der Mathematikstudent hat es sich zur Gewohnheit gemacht, die Prospekte der Einkaufsläden auf Angebote hin zu überprüfen. »Selbst die Angebote sind nicht mehr so günstig«, hat Issak festgestellt. Es sei deshalb immer schwieriger, einen »ausgewogenen Lebensstil« zu pflegen. Um Erfahrungen zu sammeln, allerdings auch, um die Lebenshaltung zu bewerkstelligen, hat er zu Semesterbeginn eine Hilfsstelle an der Uni angenommen. »Ich finde die Geste gerade super nett«, so Issak.

Weniger gefällt ihm, dass »uns momentan viel abverlangt wird«, womit er die Studierenden insgesamt meint. Zugleich wünsche er sich, »dass uns mehr zugehört wird«. Von der Verteilung könne sich die Universität eine Scheibe abschneiden, bekundet der Mathematikstudent.

Bemerkbar macht sich die Inflation auch bei Wassim Khalifa. Nicht nur er, sondern auch seine gesamte WG sei aufgrund des Kostenanstiegs beunruhigt. Beim Einkaufen steckt Khalifa zurück, gehe »noch seltener einkaufen« und sagt manchmal zu sich: »Das brauche ich nicht unbedingt.« Da kommt ihm so ein Beutel gelegen, dessen Inhalt 15 Euro wert ist. »Ich glaube, ich hätte mir gewünscht, dass so eine Aktion mehr Öffentlichkeit bekommt«, bemerkt er jedoch kritisch, Zudem seien viele Studierende bereits nach Hause zu ihren Eltern gefahren.

Die Beweggründe für die Unterstützung erklärt der Botaniker Volker Wissemann wie folgt: So habe es bereits zu Jahresanfang eine Übernahme des Semesterbeitrages von ukrainischen Studierenden gegeben, die zugleich Flüchtlinge seien. Nach einem erneuten Dialog mit dem damals involvierten Akademischen Auslandsamt war klar, dass man wieder etwas machen wolle. Jedoch »nicht noch einmal die gleiche Aktion« und obendrein etwas, »dass sich an alle Studierenden richtet«.

Nudel stibitzt

»Wahrscheinlich, weil das Geld eng wird«, seien in einer WG bereits Nudeln aus dem Schrank des Mitbewohners entwendet worden. Die wirtschaftliche Situation führe manchen eben an den Rand der Verzweiflung.

Möglich war die Aktion durch die Kooperation mit Steffen Preis, der eine Edeka-Filiale in Großen Buseck leitet. Die GHG konnte die Lebensmittel zum Einkaufspreis des Supermarkts erwerben.

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